Schlagwörter

, , ,


Nach 4tägiger Abstinenz bin ich nun wieder back for good. Zufällig weiß ich aus sicherer Quelle, dass mindestens eine Person bereits Entzugserscheinungen zu verzeichnen hatte.

Ich habe ein bisschen darüber nachgedacht, ob ich irgendjemandem mit meinen Beiträgen auf die Füße trete und ich weiß, dass ich es tue. Aber gleichzeitig kam mir der Gedanke, dass ich nicht auf die Welt gekommen bin, um zu gefallen. Das klingt ziemlich arrogant, aber ich hab so lange ohne dickes Fell gelebt und sehe oft genug, wohin es führt, jedem gefallen zu wollen. Wenn man sich überlegt, dass jemand bei sehr hohen Temperaturen lieber in langer Hose umherläuft, statt die Menschen zu ignorieren, die sich darüber echauffieren, dass man beispielsweise seine Beine (als ’sozialisierte‘ Frau) nicht rasiert hat, ist das schon problematisch. Ich meine, letztendlich begünstigt man doch durch so ein Angstverhalten wieder nur das ‚System‘, das man verachtet bzw. aus der Welt geschafft haben möchte. Klar kenne ich das unangenehme Gefühl angestarrt zu werden, als wäre man der Elefantenmensch mit lauter wunderlichen Eigenschaften und einer Glühlampe als Nase, aber letztendlich muss man sich wirklich immer wieder sagen, wie sinnfrei diese Angst ist, weil niemand irgendeinem Ideal gerecht wird. Niemand. Und diejenigen, die einen auf bestimme Aspekte ansprechen oder deswegen anstarren, werden doch dadurch nur in ihren eigenen Zwängen bestätigt, die sie aus irgendeiner Zeitschrift, den Medien oder sonstwoher haben. Dort wiederum werden Regeln aufgestellt, die so gut wie keiner einhalten kann und die auf eine Allgemeinheit angewendet werden, die sich genötigt fühlt diesen Regeln zu folgen, um weiterhin ein Teil dieser Gesellschaft sein zu können. Witzig ist auch, das habe ich mal irgendwo gelesen und es belustigte mich, dass in derselben ‚Frauen’zeitschrift, in der gesagt wird, man sehe und sei ganz wunderbar (aus) wie man ist, gleichzeitig jede Menge Diätrezepte und Menschen sind, die als Ideale dargestellt werden und an denen sich Uschi ‚Normal’verbraucher (denn, was ist schon normal, nicht wahr?) messen soll, was sie dann auch gleich tut und sich nicht mehr aus dem Haus traut vor lauter Komplexen und jeden Abend bei Domian anruft (zum Glück ist die Nummer kostenfrei!), um ihm zu sagen, dass sie nachts als Katze verkleidet auf einem Zaun sitzt, mit anderen Katzen, Fellknäuel ausspuckt und sich daraus tagsüber eine Perücke häkelt.

Spätestens jetzt sollte jedem klar sein, dass das nicht gesund sein kann, sich ständig zu messen. Ja, ich gestehe. Ich tue es auch. Aber ich versuche mehr und mehr es mir abzugewöhnen. Übrigens habe ich vor ner Weile herausgefunden, dass ich, trotz einer Mutter, die sich weder schminkt, noch lange Haare hat, und auch sehr sehr seltenst Kleider trägt (also, Kleider, die häufig von Frauen getragen werden. So Einteiler, von denen die Einzahl ‚Kleid‘ ist. Nicht gleichzusetzen mit dem Wort ‚Kleidung‘), also kurz gesagt, keine Barbiemama, eine Person geworden bin, die sich durchaus als feminin bezeichnet und sehr froh ist eine so genannte Frau zu sein. Ich MUSS ein Wunder der Gesellschaft sein! Anders ist mir meine abartig stereotype Erscheinung und die furchtbaren, weiblich sozialisierten Ansichten zu bestimmten Themen nicht zu erklären. Oder eine Entführung durch Außerirdische. Das wäre noch eine logische Idee.

Während meines Kurses habe ich immer mehr das Gefühl entwickelt mich nicht mehr als Frau benennen zu dürfen, weil es offiziell ja irgendwie gar keine Frauen gibt und dass diejenigen, die sich trotz allem so fühlen und somit einsteigen in die Begrifflichkeiten des binären Systems, vermutlich der Teufel sind. Es mag nur in meiner Fantasie statt gefunden haben, aber ich fühlte mich hin und wieder wirklich schuldig an der Misere meiner Mitstudent*en*innen*, weil ich da mitmache. Bei den Anderen. Sowas hatte ich auch, als ich eine Übung während des Social Justice Trainings vor einigen Wochen, in einer kleinen Arbeitsgruppe gemeinsam mit zwei Lesben, absolvierte, bei der es darum ging, auf einer Liste festzustellen, unter bestimmten Gesichtspunkten wie ‚Geschlecht‘, ‚Alter‘, (’soziale‘) ‚Herkunft‘, ‚Sexuelle Orientierung‘, und all das, inwieweit wir privilegiert sind. Ich warf irgendwann ein, dass man das ja durchaus von verschiedenen Standpunkten aus betrachten könne und eine Frau beispielsweise in der Gesellschaft zwar immer noch weitesgehend unprivilegiert sei, aber z.B. als Einzige in der Lage Kinder zu gebären (bis auf einige seltene Ausnahmen). Oha. Das fand die eine der beiden ja so gar nicht gut, glaube ich. Sie hat es nicht konkret gesagt, meinte aber, dass die Aufgabe einer Frau jawohl nicht einzig darin bestehe, Kinder zu bekommen. Ich versuchte erneut anzusetzen und zu erklären, dass das gar nicht mein Argument sei. Hat sie aber leider nicht einsehen wollen, bis ich irgendwann gar nichts mehr sagte. Ne Weile später fragte mich die andere (sehr nette!), wieso ich denn nichts mehr sagen würde. Inzwischen waren wir beim Thema ‚Sexuelle Orientierung‘ angelangt und ich hatte beschämt festgestellt, dass ich als Heterofrau durch diesen Punkt mindestens eine Privilegierung mehr hatte (da wir ja offenbar in einer heteronormativen Mehrheitsgesellschaft leben) als sie. Als ich angesprochen wurde, sagte ich ihr ganz ehrlich, wie sehr ich mich gerade in die Ecke gedrängt fühle und micht nicht mehr traue etwas zu äußern. Als wäre ich schuldig, dass ich mit einer heterosexuellen Vorliebe geboren wurde und somit Teil der unterdrückenden Mehrheit bin. Dass es mir sehr unangenehm ist jetzt diese Stellung einzunehmen, weil ich ja auch vor allem gar nichts dagegen tun könne. Zum Glück hat sie mich verstanden. Die andere hat mich weiterhin eher ziemlich bissig geschaut – vermutlich verdaute sie noch meine radikale Ansicht, Frauen seien nur auf der Welt, um eine Familie zu gründen und sich ihren anerzogenen Trieben zu ergeben. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich genau diesen Standpunkt stets vehement vertrete und auch nicht abgeneigt bin, jemandem einen Zeigefinger in den Rücken zu stecken, mit der Behauptung, dass es sich hierbei nicht um einen Zeigefinger handele!

Am Mittwoch kann ich leider, leider nicht zum Kurs gehen, weil ich parallel einmalig ein anderes Seminar besuche. Aber keine Angst – direkt im Anschluss daran gibt es die 2-wöchig stattfindende Gender-Vorlesung, bei der ich sicherlich Material aufschnappen kann. Wobei ich mich gerade auch daran erinnere tatsächlich noch an diesem Social Justice Training teilgenommen zu haben, bei dem auch sehr viele interessante Dinge besprochen wurden. Man muss ja nicht gleich seine gesamte Munition auf einmal verballern, nicht wahr?

Dafür habe ich für euch noch eine Zeichnung angefertigt.Bild

Bih päta, huhna!!!

Advertisements