Es scheint wirklich langsam Sommer zu werden! Wuhu! Da ich wieder erst in 2 Stunden zur Uni los muss, nutze ich die Zeit und schreibe euch.

Gestern schrieb ich über Religionsfreiheit und dass ich es seltsam finde, dass Menschen, die eigentlich alle Normen aufbrechen wollen, um Raum für neue Werte zu finden/schaffen, dennoch daran appellieren andere Menschen, ihre Religion mit all ihren Freiheiten und Unfreiheiten und teils sehr fragwürdigen Regeln und Werten nicht mit eigenem Quatsch wie universelle Menschenrechte etc. zu behelligen. Jetzt möchte ich kurz anreißen, wie es mir mit Religionsfreiheit geht.

Prinzipiell lasse ich jeden leben, wie er möchte. Und wenn er sich einen Schrein aus Fußballschuhen in den Garten stellt, dem er regelmäßig Kronkorken opfert. Solange dabei niemand zu Schaden kommt, sollte mir das echt egal sein. Fakt ist leider, dass wegen des Glaubens an ein höheres Wesen, eine höhere Macht immer wieder Menschen in ihren Rechten und ihrer Freiheit eingeschränkt und viele sogar umgebracht werden. Wo eine ‚gute‘ Macht existiert, da gibt es auch irgendwas in Richtung ‚böse‘. So werden in einigen Teilen Afrikas z.B. tatsächlich noch Hexenjagden betrieben und auch in Europa gibt es Exorzismen und die Angst vor Dämonen, dem Teufel oder schlechten Fußballtrainern.

Viele sind der Meinung, dass in Deutschland beispielsweise, alle Werte auf dem Christentum fußen, was so nicht stimmt.Tatsächlich mussten zur Zeit der Aufklärung die Menschenrechte gegen die Religion hart erkämpft werden, sodass bestimmte von der Kirche aufgestellte Regeln und Richtlinien ihre Gültigkeit verloren. Hierzulande ist es tatsächlich eher eine Seltenheit, wenn noch jemand z.B. an das Fegefeuer glaubt. Generell sind in Deutschland viele Menschen nur noch auf dem Papier gläubig bzw. konfessionsanhängig. Das hängt vor allem damit zusammen, dass einige Einrichtungen, die Arbeitsplätze bieten, vorgeblich einer Kirche gehören und somit feste Regeln haben, wer bei ihnen arbeiten darf und wer nicht. Ihr habt aber sicher schon alle mitbekommen, dass diese hauptsächlich sozialen, kirchlichen Einrichtungen wie Kitas, Krankenhäuser etc. teilweise sogar zu 100% aus Steuergeldern finanziert werden und somit eigentlich staatlich sind. Da das leider trotzdem kein Grund ist für diese Einrichtungen, dass man muslimische Ärzt*e*innen oder hinduistische Kindergärtner*innen einstellt (als 1€-Kräfte dürfen sie da aber selbstverständlich putzen!), einfach, weil sie kompetent sind, bin ich nicht so der Freund (ich bin ja eigentlich auch die Freund*in!) von religiösen Institutionen und ihren Machenschaften. Meine Mutter ist bis vor kurzem immer noch in der Kirche gewesen, obwohl sie schon länger nicht mehr damit einverstanden war, was dort so alles passiert und für sie Gott auch eher eine untergeordnete Rolle im Leben spielt. Dennoch wollte sie vorerst nicht austreten, aus Angst eventuell ihren Job zu verlieren und anschließend nichts mehr zu finden. Was sie dann doch zum Austritt bewogen hat, weiß ich allerdings gar nicht genau. Ich glaube, es hing eventuell mit Büchern von Michael Schmidt-Salomon zusammen, der sich für den Evolutionären Humanismus stark macht und vor einigen Jahren die Giordano-Bruno-Stiftung (http://www.giordano-bruno-stiftung.de) mitgegründet hat. Sein Buch ‚Keine Macht den Doofen‘ (und ja, der Titel ist enorm doof!), sollte meiner Meinung nach, Pflichtlektüre für jeden Menschen sein. Es enthält viele bereits bekannte Aussagen über Religionen, aber auch wirtschaftliche Themen und ich musste an einigen Stellen laut lachen oder mir verstört die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Des Weiteren ist sein Buch ‚Jenseits von Gut und Böse‘ ein großartiges Werk, das einem zeigt, woher diese ganzen Vorstellungen von Gut und Böse überhaupt kommen und was passieren würde, wenn wir einfach aufhören uns die Welt in diese Kategorien aufzuteilen. Ihr habt es euch bestimmt schon gedacht, aber die Einteilung von gut und Böse kommt tatsächlich aus der Religion. Vielleicht schreibe ich demnächst noch einmal etwas zu diesem Thema – ich müsste mich erst wieder konkret in das Buch einlesen, um euch hier entsprechende Zitate und Belege einbauen zu können.

Seit ich mich mit diesen Themen selbst angefangen habe zu beschäftigen – ich glaube schon lange nicht mehr – bin ich der Auffassung, dass ein Ethikunterricht an Schulen notwendig ist (natürlich soll dort auch über alle Varianten von Weltanschauungen gesprochen werden – nur eben, dass es für alle gleichmäßig getan wird und nicht bloß Auserwähltes für Auserwählte). Überall wird Religionsunterricht angeboten, sodass man dort eine weitere Unterscheidung zwischen Menschen vornimmt, bei denen es sich sogar noch um sehr junge Menschen, nämlich Kinder, handelt. Schmidt-Salomon führt gerne das Beispiel an, dass es ja auch keine sozialdemokratischen oder grünen Kinder gäbe, wieso man also zwischen muslimischen, hinduistischen oder atheistischen Kindern unterscheiden müsse und sie dann auch noch entsprechenden Unterrichtsformen zuordnet. Das sehe ich genauso. Viele Kinder wissen gar nicht genau, was sie eigentlich glauben, welche Weltanschauung sie zu haben haben, wo genau sie herkommen und wem oder was sie sich nun unterzuordnen haben. Ich hab es schon in der Grundschule nicht verstanden, wieso man zum Gottesdienst gehen muss, wenn man eingeschult wird. Ich war übrigens auch nicht dort. Wäre ich mal hingegangen..dann würde Gott mich nun mögen und ich hätte nicht bloß ein Abi von 2,8 gemacht…ne 2,7 wäre mindestens drin gewesen!

Vor allem erschüttert es mich, dass tatsächlich die Schöpfungsgeschichte viel früher im Schullleben gelehrt wird, als die Evolutionstheorie. Was vermutlich damit zusammen hängen mag, dass die Evolution ziemlich komplex ist und ein bestimmtes Vorwissen erfordert bzw. mit vielen Faktoren zusammen hängt, die andere naturwissenschaftliche Bereiche berühren. Dennoch bin ich überzeugt, dass es möglich ist dieses Thema kinderfreundlich aufzubereiten. Es scheint ja auch doch noch ziemlich in zu sein, mit Dinos zu spielen. Und Kinder wollen alles wissen! Sie mit wahnwitzigen Theorien und einem Gott abzuspeisen, der teilweise wirklich schlimme Dinge verbrochen hat, finde ich fatal. Genauso sie mit Traditionen und Ritualen zu behelligen, bei denen man teilweise sogar symbolischen Kannibalismus vollführt, indem man Jesu Blut trinkt und seinen Leib futtert. Hallo? Sowas lasst ihr eure Kinder tun und wollt sie vor satanischen Machenschaften bewahren?!

Ich habe eine Freundin, die hier auch fleißig mitliest (hellou fellou 🙂 ), wie ich weiß, mit der ich neulich darüber sprach und sie erzählte mir, dass sie sich immer noch total vor Jesus am Kreuz ekelt und gruselt – die Frau ist 25. Weil da tatsächlich einfach mal ein Mann an einem Kreuz hängt, mit riesigen Nägeln im Körper steckend, mit einer Dornenkrone auf, während das Blut an der Stirn herunter läuft und dieser arme Mensch überall mit Wunden übersät ist und auch noch einen in Essig getränkten Schwamm zu trinken bekommt. Filme, die solche Szenen enthalten, sind bei uns ab 18. Aber das alles scheint in dieser Gesellschaft so normal zu sein, weil jeder von Beginn an mit diesen Ritualen und Praktiken und Denkansätzen vertraut gemacht wird und ein Hinterfragen, was das alles soll bzw. ob das wirklich angemessen ist – insbesondere für Kinder – kaum entsteht.

Jetzt habe ich also kurz einen Überblick verschafft, was ich so von diesem Zeug halte und dass ich es unangemessen finde, wenn Kinder in jungen Jahren durch ihre Konfessionszugehörigkeit unterschieden und gebrainwashed werden. Kreuze und Kopftücher, Ganesha und Kippa haben in öffentlichen Räumen nichts zu suchen. Wenn das der Fall ist, sollte sich niemand mehr diskriminiert fühlen, weil er sich in einer Umgebung befindet, die ihm durch bestimmte Symbole unbehaglich erscheinen könnte. Religionsunterricht sollte aus den Klassenzimmern verschwinden, und nicht noch mehr Raum bieten, bereits im Kindesalter Diskriminierungen zu ermöglichen – auch untereinander. Religionsfreiheit – meinetwegen. Wenn es sich hierbei um Privatsache handelt. Sunay Capkan, Mitglied der großartigen Gruppe „Frankfurter Initiative progressiver Frauen“ (kurz: fraINfra: http://www.frainfra.de oder googlet sonst einfach mal wild umher), sagte auf der kritischen Islamkonferenz, dass beispielsweise der Islamunterricht gerne nach der Schule stattfinden könne, so wie man sein Kind auch zum Ballett oder Reiten schicke. Religiöse Institutionen müssen politisch entmachtet werden, damit es eine Kategorie weniger gibt, auf deren Basis man diskriminieren kann und damit jedes Kind die Chance bekommt mit all seinen Fähigkeiten wahrgenommen zu werden und nicht von vornherein auf seine Herkunft, Weltanschauung oder sonstige ‚Merkmale‘ beschränkt wird. Vor allem hätte es die Chance seinen Horizont zu erweitern, ein offener, transkulturell denkender Mensch zu werden, weil es nicht nur in seiner eigenen kleinen Welt versauert und womöglich anfällig wird für menschenverachtendes Gedankengut – egal, wie dieses aussehen kann.

Puh, also hier ein kleines Plädoyer. Ich habe es einfach mal so runtergeschrieben und hoffe, dass mein Standpunkt verständlich ist. Und diejenigen, die jetzt aus allen Wolken fallen, was ich hier so von mir gebe: Zum Glück kann ich meine Meinung frei äußern. Und ich finde es wichtig sich mit dieser Thematik auseinander zu setzen, weil viele Werte, die hier vorherrschend sind in unserem Land, die Basis bilden, dass Menschen sich nicht wohlfühlen, angegriffen fühlen und sogar Parallelgesellschaften bilden – was natürlich auch damit zusammenhängt, wie ihr eigenes Weltbild aussieht.

Für mich ergibt es keinen Sinn, wieso ein Schöpfer diese Welt erschaffen haben soll und wieso man daran glauben sollte/kann. Ich lasse diejenigen, die es können und tun, ihre Meinung, aber ich möchte auch meine Meinung haben. Religiöse Menschen dürfen sich schnell in ihren religiösen Gefühlen beleidigt fühlen, aber wann darf ich, als nichtgläubiger Mensch, mich darüber beschweren, dass andere mich mit ihren religiösen Gefühlen belästigen? Gibt es sowas wie religiöse Belästigung? Ich werde bald austreten und mich dann weiter für den evolutionären Humanismus und die Gedankenfreiheit (solange es keine menschenverachtenden Inhalte betrifft) für jeden Menschen auf dieser Welt einsetzen.

Jetzt erstmal duschen. Und ja, ich weiß. Jesus liebt mich jetzt definitiv nicht mehr….

.Bild

Shit happens.

Advertisements