Neuer Tag, neues Glück. Ich hab gehört, ich sei zu seriös geworden. Mal schauen, wie sich mein Image wieder aufpolieren lässt…aber eins ist vorher noch zu sagen: Mursi ist weg! Die Mittel, wie es geschah, waren nicht gerade die beste und demokratischste Lösung leider…aber lasst uns einfach die naive Hoffnung haben, dass die Religion ihre politische Rolle dort endlich einbüßt und ein humanistisch-säkular basiertes Miteinander vielleicht doch möglich wird.

Nun also zum altbekannten Thema. Gestern konnte ich ja leider nicht an dem spitzenmäßigen Gender-Kurs teilnehmen, weil ich bei einem spitzenmäßigen Gastdozenten ein Blockseminar besucht habe. Am Liebsten hätte ich ihn mit nach Hause genommen, ihm was gekocht und einen gemütlichen Abend vorm Fernseher verbracht, ab und zu über den Kopf getätschelt, während er einfach in seinem putzigen Deutsch von seinem Leben erzählt. Sich dabei über sich selbst totlacht und ich mich irgendwann auch nicht mehr einkriege, weil er sich so ungeheuerlich über sich selbst freut <3. Jeder von euch hätte das machen wollen! Das schwöre ich!

Meine Gender-Vorlesung am Abend war vor allem extrem langweilig. Ich habe zwar brav protokolliert, aber irgendwie ging es in den 90 Minuten letztendlich permanent um dasselbe Thema. Inwieweit Forsch*er*in*innen*en sich das Recht rausnehmen dürfen Menschen bzw. im Speziellen aktivistische Bewegungen zu beforschen bzw. selbst zu entscheiden, auf welchem Feld und in welchem Umfang sie über sie forschen wollen. Und dass die Forsch*er*in*innen*en doch vielleicht eher ein Instrument der zu beforschenden Leute sind, und diese selbst aussuchen dürfen, wonach bei ihnen geforscht wird, weil sie eventuell Hilfe brauchen. Ihr lest nur noch mit einem halben Matschauge mit? Ja, ich bin auch kurz beim Tippen eingenickt…

Ich habe übrigens noch eine Frage, die mir vielleicht jemand von euch erklären kann. Mein unfassbar niedlicher (ich hörte von Leuten, er sei doch so schnuffig und lustig und zum Drücken) Gender-Dozent*in meinte neulich irgendwas von ‚Auf das Gehirn können wir schwer verzichten – wir können es, fallen aber möglicherweise auf.‘ Ich musste grad noch einmal herzhaft lachen, als ich den Satz abtippte. Vielleicht lasse ich ihn auch einfach so stehen und jeder denkt sich seinen Teil. Okay, ich lasse ihn so stehen. Zu viel Zynismus, der mir im Gehiiiiiirn (haha! Gehirn!) rumgeistert. Mir fällt auch noch ein, dass der/die/das mit der langen Hose in der Hitze mir immer wieder sagte, dass es ja lediglich darum gehe, die Naturwissenschaften zu hinterfragen! Was denn daran falsch sei!

Nun, natürlich kann man bestimmte Absichten von Forschern hinterfragen. Aber das kann und muss man in so ziemlich jeder Disziplin, meiner Meinung nach. Allerdings gibt es eben auch Fächer, die sind more evil als andere. Ihr könnt es euch schon denken: ja, es ist die Biologie. In meinem ganzen Leben habe ich vorher noch nie das Wort ‚Biologist‘ gehört. Genau das sind aber solche Leute wie ich, die die Biologie für bare Münze nehmen und alles damit erklären wollen. Permanent. Wie im Rausch. Jeder weiß ja, was die Endung ‚-ist‘ zu bedeuten hat. Hier habt ihr es. Ich bin ein biologischer Fundamentalist. Ein wichtiges Kriterium ist, dass wir grundsätzlich danach gehen, dass es zwar Abweichungen gibt, aber eben auch nur Abweichungen und sie nicht als existierende Alternative anerkennen. Natürlich gab es aber auch ‚Biologen‘ (ihr müsst euch das so vorstellen, als würde man das Wort regelrecht ausspucken!), die außerhalb des binären Systems geforscht haben. Das sind Helden. Gender Studies Helden! Männlich und Weiblich sind nämlich auch nur Alternativen. Aber das hatten wir ja schon. Wenn man nur fest genug daran glaubt, dann wird das schon. (ich fange langsam leider an Gender Studies einfach nur noch extrem anstrengend und langweilig zu finden, weil mir bewusst ist, dass meine Argumente bei ihnen nicht ziehen und ich bereit bin zu resignieren. Es ist mir zu absurd als dass ich ernsthaft über ihre Ansätze nachdenken und nach passenden Gegenargumenten suchen könnte, die dann letztendlich eh keinen Effekt haben. Die sind wie Teflon (Sex and the City-Zitate – wuhu! – und eine Klammer in der Klammer!), an denen bleibt nichts haften.. Aber vermutlich ist genau das ihre Strategie. Warten, bis der ‚Gegner‘ vor Langeweile und Desinteresse vom Stuhl fällt…).

A propos: Mein Bruder spielte mir einen interessanten Artikel zu, bei dem eine Familie für ihr krankes Kind gebetet hat und das Kind letztendlich verstarb (in den USA – wo auch sonst. http://usnews.nbcnews.com/_news/2013/07/03/19275007-homicide-convictions-upheld-for-wisconsin-parents-who-treated-dying-daughter-with-prayer?lite). Tatsächlich wurden die Eltern nun des Mordes angeklagt, weil der Tochter hätte geholfen werden können. Das hätte ich in diesem Leben nicht mehr zu hoffen gewagt – So ein Verhalten wird TATSÄCHLICH einmal bestraft. Der Vater hatte aber auch noch die Hoffnung, dass Jesus seine Tochter von den Toten würde auferstehen lassen. Muss ich das noch in irgendeiner Form kommentieren? Allein diese ganzen institutionellen Religionsgemeinschaften – da wird doch das menschliche Bedürfnis nach Spiritualität ausgenutzt, um die Menschen gefügig zu machen. Um Regeln aufzustellen, die bei Nichtbefolgen mit schlimmen Strafen geahndet werden. Man hat seit jeher aufgrund dieser Regeln Menschen das Geld aus der Tasche gezogen, die entsprechend mit Angst reagiert haben und brav alles hinnahmen, was man von ihnen verlangte.(Natürlich dürfen wir das den Schäfchen nicht sagen. Das kann ruckzuck auf’s Herz gehen, und wenn Gott dann zu sehr mit Golfen beschäftigt ist,…wir können uns alle vorstellen, wie dieses Dilemma ausgeht.)Seither wird, hauptsächlich in Hardcore-Lagern, immer noch alles vehement abgestritten und nieder gemacht, was in irgendeiner Form deren Machtposition untergraben könnte. Gott wird sich immer so zurecht gebastelt, wie man ihn gerade gebrauchen kann. Und die Leute wundern sich dann ERNSTHAFT, wieso das mit dem Beten nicht hilft und wieso nicht plötzlich am nächsten Tag ein Riesenberg Geld auf der Fußmatte liegt. Da sehe ich so viele Parallelen zu den Naturwissenschaften, dass ich mich gerade durch schiere Willenskraft in einen Schnauzbart transformiere. Mit Armen natürlich, sonst könnte ich ja nicht tippen.

Entschuldigt mich, aber ich bin grade irgendwie nicht in der Stimmung, mich damit differenzierter auseinander zu setzen. Es ist echt so ermüdend grade. Diese ganzen Diskussionen. Dass man alles von dem und dem Standpunkt und der Perspektive betrachten kann. Man kann ALLES von mindestens 2 verschiedenen Positionen betrachten! Darum kann ich auch alles, was mein Freund sagt, und von dem ich genau weiß, dass ich es richtig verstanden habe, so drehen, dass es sich anfühlt, als würde er es gegen mich verwenden wollen. Ich habe tatsächlich bei dem Zeit-Artikel von Harald Martenstein (danke nochmals an Marco! http://www.zeit.de/2013/24/genderforschung-kulturelle-unterschiede  (Marco hat auch einen tollen Fotoblog: http://hundertachtbilder.tumblr.com/) ) 2 Stunden lang nach Lesen des Artikels die Kommentare darunter gelesen…Dass hier im Artikel nur Negativbeispiele genommen würden und somit der ganze Gender Studies-Fachbereich denunziert würde. Es haben so viele geschrieben, dass sie leider genau DIESE schrägen Exemplare mehrfach persönlich getroffen haben…und ich habe es auch.

Damit höre ich nun auf. Dieser hysterische Hickhack. Lasse reden.

Zur Aufheiterung noch mein Lieblingsflachwitz:

Was ist groß, grau und ruft aus Afrika an?

PS: Kann ich nicht einfach hier von Bowie schwärmen?Bild

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