Leider konnte ich meinen Eintrag heute nicht wie gewohnt gegen Vormittag verfassen, weil mal wieder das Internet ausgefallen war. Diesmal für bestimmt 16 Stunden, mit einer kurzen Unterbrechung von ca. 20 Minuten. Naja, dann schreib ich eben jetzt.

Während das Internet weg war, haben sich ziemlich viele Mails in meinem Postfach angesammelt, weil ich angefangen habe anderweitig zu kommentieren und die drauffolgenden Kommentare quasi abbonnierte und ich bei jedem Kommentar per E-Mail informiert wurde. Ich hatte erst gestern bemerkt, dass Christian, der gute Mann von dem Alles Evolution – Blog mich auf seiner Seite in einem Kommentar zitiert hatte und ich da teilweise sehr erfreuliche Reaktionen erhalten habe sowie einen gut besuchten eigenen Blog. Durch die Werbung und die tollen Komplimente habe ich mich entschlossen doch noch ein bisschen weiter über Gender zu schreiben. Da aber mein Kurs wirklich bald zu Ende ist, werde ich mich vielleicht eher auf persönlicher Ebene mit den Fragen auseinander setzen bzw. ein bisschen vor mich hinphilosophieren.

Gestern hab ich mir Gedanken darüber gemacht, dass es ein wenig merkwürdig erscheint, dass die Gender Studies den Naturwissenschaften vorwerfen, sie würden nur eine einseitige Betrachtung der Gegebenheiten vornehmen, wobei die Gender Studies ja gar nicht unbedingt etwas anderes tun. Zumindest beziehen sie nicht die Naturwissenschaften in ihre Untersuchungen ein, es sei denn, sie könnten ihnen irgendwie doch plötzlich nützlich erscheinen, wie bei meinem guten Freund Voss.

Sicherlich kann das auch mit meinem absolut begrenzten Wissensvorrat in Bezug auf diese Themen zu tun haben, aber irgendwie kommt mir dieser Gedanke ein bisschen verwirrend vor. Andererseits sollte ich mal schauen, ob in meinem Familienstammbaum nicht irgendwo ein Schwammspinner vorkommt, der sich seinerseits dann nur durch den Glauben allein in einen Rauhhaardackel transformiert hat, danach zu einer Gepäckträgerkrabbe wurde und von da ein schwuler Mann. Der dann aber von seinem Schwulsein – Gott sei dank! – geheilt werden konnte, sich prompt in ein Jungferngecko verliebt hat und daraus der/die/das Stammhalter*in*es meiner Familie wurde. Natürlich ergibt all dies Sinn, weil wir alle gleich sind und der Schwammspinner logischerweise genau dieselben Körperfunktionen und Organe aufweist wie Menschen. Sonst würde der Heinz-Jürgen Voss uns ja nicht mit ihnen vergleichen können. Klingt logisch? Ist es auch nicht. Da bekommt die Aussage ‚Glaube an sich selbst‘ eine völlig neue Bedeutung! Faszinierend! Stellt euch vor, die hätten den Jungferngecko mit Barbies spielen lassen. Was wäre dann aus mir geworden? Würde es mich überhaupt geben? Würde ich mir auch ständig über die Augen lecken mit meiner Zunge? Hätte ich dieselbe Abneigung gegen Bananen und Fencheltee?

Alles Fragen, die mir wohl niemand wird beantworten können, weil Fakten und vor allem naturwissenschaftliche Fakten nicht mehr von Bedeutung sind. Ich hatte auch schon überlegt, ob es eigentlich fair ist, wenn man Frau Schmidt, die bei der Post arbeitet, einfach ein Schild anbabbt, wo drauf steht: Fr. Schmidt. Vielleicht definiert sie sich ja ganz anders? Vielleicht ist sie weder Herr noch Frau Schmidt und möchte auch ganz anders genannt werdenn? Da die Post aber ein sexistisches und heteronormatives Schweineunternehmen ist, interessiert sie sich gar nicht für Schmidts ihm/ihr seine/ihre Identitätskrise. Das prangere ich an! Eventuell schreibe ich gleich nächste Woche einen Brief an die Post und frage sie, was sie sich dabei denken! Aber nee, ehrlich jetzt. Wie kann man so ein Problem umgehen, wenn es sich um jemanden handelt, der sich nicht festlegen bzw. positionieren/definieren möchte? Irgendeinen Namen muss man da doch finden können, der denselben Abstand wahrt wie Herr oder Frau.

Übrigens merkte ich grad die letzten Tage wieder die Hormone bei mir. Im Körper. Ich vergesse leider immer, dass die dafür aber letztendlich gar nicht verantwortlich sind. Meine Schwester meinte schon, ich solle mir doch bitte endlich mal einen Merkzettel an meinen Spiegel kleben, damit ich nicht immer vergesse, dass es nicht die Hormone sind, die bei mir bestimmte Prozesse in Gang bringen….Leider hab ich auch vergessen, wer es sonst ist..

Das ist alles so verwirrend…und ich bin schon echt paranoid, weil ich ständig drüber nachdenke, wie ich jemand Fremdem überhaupt begegnen darf. Ob ich nicht vor dem ‚Wie heißt du?‘ eher ‚Wie definierst du dich denn? bzw. Wie möchtest du denn angesprochen werden?‘ fragen sollte. Neulich sah ich bei Markus Lanz den Balian Buschbaum sitzen, der erzählte, dass er als junger Mensch und bis er sich mit 27 hat umoperieren lassen, immer das Gefühl hatte, ihm würde etwas fehlen. Bis er feststellte, dass dieses Etwas das Hormon Testosteron war (Das ist echt so eine Kacke! Haben diese Hormone jetzt also doch eine Funktion oder war das eher gemeint wie ‚Ich wusste nicht, dass mir was fehlte, bis ich die Singleplatte Gold von Spandau Ballet in den Händen hielt!‘ ?). Er ist somit ja ein Transgender und ist von ‚Frau‘ zu ‚Mann‘ geworden, sogar ein ‚vollwertiger‘. Somit gehört er nun zur heteronormativen Mehrheitsgesellschaft, da er sich nun als heterosexuell bezeichnen kann (ich weiß gar nicht, ob er es tut). Macht ihn diese Entscheidung nun zu einem furchtbaren Menschen, der mit den Falschen (also mit mir u.a.) gemeinsame Sache macht? Kann das wirklich der richtige Weg sein, wenn man sich eventuell schlecht fühlen muss, dass man seinen ‚Platz‘ gefunden hat in dieser Gesellschaft?! Vermutlich werden viele bewusste Transgender (also solche, die sich vollkommen wohl mit ihrer Situation fühlen) das nicht so toll gefunden haben, was der Balian da verzapft hat.

Ich hab Brainfreeze :(. Und das, obwohl ich neulich erst feststellte, dass ich gar kein Gehirn habe und es so lange geschafft habe nicht aufzufallen…

Am Liebsten würde ich in Minecraft wohnen. Das ist bestimmt aus irgendwelchen mir grad nicht einfallen-wollenden Gründen keine schöne Welt für Feministen oder religiöse Menschen, aber ich stelle es mir da großartig vor. Erstmal ist alles eckig. Und bunt. Ich kann alles selbst gestalten, es gibt keinen Gott. Nur böse schwarze Hühnchen, Schweine, Kühe, Tintenfische und lustig aussehende Dorfbewohner, die mich nicht missionieren wollen, sondern viel lieber Dinge tauschen. Und es gibt Endermänner…Endermänner, die Blöcke klauen oder Blumen. Alles wäre viel einfacher in Minecraft. Die paar Tempel, die man trifft, sind ja eh verfallen…hach ja..

Bild

Vielleicht rufe ich nachher bei Domian an, der hat ja freie Themennacht.

Vorher gucke ich noch Minecraft-Let’s Plays.

Ich fühle mich traumatisiert.

(Motiv ist von Jordan Lea Bender, zu finden als T-Shirt auf http://www.threadless.com)

Advertisements