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Das Internet ist immer noch seit gestern Abend verschwunden. 5 Stunden am Tag reichen theoretisch ja auch für einen ausgewachsenen Menschen wie mich. Es ist ein sonniger Sonntag hier und ich habe gestern Abend aus Frust, weil das Internet weg war, angefangen ein altes Adventure zu spielen, das ich völlig vergessen hatte, aber trotz Sonnenschein nachher weiterspielen werde. Irgendwie hat es immer nicht funktioniert auf meinem alten Rechner und nun habe ich es auf diesem hier durch einige Tricks zum Laufen gebracht. Ceville! Gefällt mir bisher recht gut bis auf ein paar wirklich überflüssige Dialoge, die krampfhaft mit Day of the Tentacle- etc. Referenzen vollgestopft sind. Ab und zu wäre sowas echt lustig und lässt meine Lucas Arts-Liebhaberseele ein bisschen aufschreien vor Freude, aber es folgen meist ganz viele aufeinander. Das wirkt dann schon irgendwie so, als hätten sie keine eigenen Ideen. Ein bisschen wie ich, die krampfhaft versucht Helge Schneider-Zitate in ihren Einträgen zu platzieren. Gestern war es echt schlimm, weil ich während des Schreibens viel von ihm gehört habe. Wie soll man sich da konzentrieren? Man wird direkt beeinflusst! So muss es Menschen gehen, die von der Gesellschaft beeinflusst werden und sich nicht dagegen wehren können..Der Konstruktivismus ergibt auf einmal Sinn – auf eine dunkle, dämonische Art und Weise..Aber, was ich eigentlich sagen wollte:

Eine Figur im Spiel ist ein Ritter namens Ambrosius. Er wird vom deutschen Sprecher von Kevin James gesprochen, sodass es amüsant ist sich mit ihm zu befassen. Ehrlich gesagt, schnackt er auch ständig vor sich hin. Seine Besonderheit: Er ist furchtbar eitel. Also wirklich extrem eitel. So sehr, dass er darüber permanent reden muss. Was interessieren euch diese seltsamen Spiele, die ich an einem einsamen Samstagabend vor mich hinzocke, ist jetzt die Frage, ja? Aber ich überlegte tatsächlich gestern folgende Frage: Wie ist dieser Ambrosius wohl aufgewachsen? Seine Haare sind ihm das Wichtigste, seine Rüstung ist auf Hochglanz poliert und er wirkt allgemein sehr metrosexuell. Wie entstehen überhaupt Metrosexuelle? Ist es durch den vielen Einfluss der Werbung? In einigen Kulturen gehören regelmäßige Hygiene und auch Parfum sowie Haar- und Bartpflege vor allem für den Mann ganz selbstverständlich dazu. Ich weiß jedes Mal schon ganz genau, dass, wenn ein südländisch aussehender Mann an mir vorbeigeht, ich gleich mitten in einer Parfumwolke stehen werde. Und in der Mehrzahl der Fälle ist es so. Allerdings kann ich nicht behaupten, dass Ambrosisus auf mich einen Eindruck macht, als würde er überhaupt irgendeiner bekannten Kultur angehören. Nagut, er ist also eine von Menschen erdachte Figur mit einer fiktiven Biographie und was so dazu gehört. Aber trotzdem.

Angenommen, ich würde mich doch irgendwann für dieses verachtungswürdige Konzept mit Namen Fortpflanzung beschäftigen, und beschließen, dass, sofern es möglich ist, ich Kinder haben will. Für diejenigen, die es noch nicht wissen: ich werde 3 Jungs bekommen. Mädchen nerven mich meistens nur (und genau diese Haltung wird dafür sorgen, dass ich einen großen Kindersegen in Form von Zwillingen haben werde – und natürlich werden es Mädchen sein.). Obwohl ich Barbies echt ziemlich gut finde. All diese kleinen Schühchen und schicken Kleider…Und Playmobil. Das Puppenhaus hab ich immer in diesen kleinen Werbe-Broschüren bewundert. Allerdings hat sich die Sehnsucht nach dem Puppenhaus so im Alter von etwa 16 gelegt und ich war sehr verliebt in das Piratenschiff und die Schatzinsel. Das ist bis heute auch so geblieben. Trotzdem lackiere ich mir gerne die Nägel und habe über die letzten 6 Jahre einen enormen Vorrat an Ersatzschuhen zugelegt. Es sind echt alles nur Ersatzschuhe!

Da das alles eigentlich nicht sein darf, bin ich, wie bereits in einem anderen Artikel erwähnt, ein Wunder der Gesellschaft! Was tue ich also, wenn ich Kinder bekomme? Wie soll ich sie gender-konform erziehen, dass ich ihr biologisches Geschlecht (sex) nicht direkt mit ihrem sozialen Geschlecht (gender) verbinde und verwechsle und sie mit allerlei gesellschaftlichen Normen in Berührung bringe? Sollte ich mein Kind von allem fernhalten, was die Welt dort draußen an negativen Einflüssen bereit hält? Drei kleine Kaspar Hausers? Wie genau sieht denn geschlechtsneutrale Kleidung aus? Eher eine Hose? Eine rosafarbene, lila-gepunktete Hose für meinen kleinen ‚Jungen‘ und ab und zu einen schicken Matrosenrock? Dasselbe dann für die – vermutlich unweigerlich – kommenden kleinen ‚Töchter‘, die ich haben werde? In Deutschland ist Home-Schooling nicht erlaubt, soweit ich weiß. Was soll ich tun?! Wenn man feststellt, dass man tatsächlich ein ‚intersexuelles‘ Kind auf die Welt gebracht hat, würde ich natürlich alles dafür tun, dass ich es in keinerlei Schubladen stecke und ihm auch mitteile, dass alles, was es für sich beschließt völlig in Ordnung ist. Das ginge mir auch mit einem Kind so, bei dem das Sex ‚konkret‘ festzustellen wäre (diese Anführungszeichen ständig. Das mache ich mittlerweile auch beim Sprechen…Man bekommt automatisch das Gefühl, dass, wenn man sie weglässt, ein falsches Bild von einem entstehen und man als ignorantes Arschloch dastehen würde. Da soll mal einer sagen, dass Gender Studies keinerlei Einfluss auf einen haben bzw. bei mir zumindest wunderbar mit der Angst spielen mich politisch unkorrekt zu verhalten/auszudrücken und dafür von ihnen verbal und emotional gesteinigt zu werden. Ich meine, das ist ja letztendlich auch ihr Zweck, mich zu sensibilisieren…und dabei verteufeln sie diese Erziehungsmethode Kindern durch Bestrafung an bestimmte Regeln zu gewöhnen. Scheiße. Ich bin gebrainwashed 😦 ). Trotzdem würde sich das Kind, das sich eher in die Mehrheitsgesellschaft anpassen könnte, irgendwann seinem Schicksal stellen müssen. Ich kann ja nicht von den anderen Eltern erwarten, dass sie meine Ansichten teilen und ihre Kinder genauso erziehen. Wie wird es also meinem kleinen ‚Jungen‘ ergehen, wenn ich ihn mit einem schönen Kleidchen in den Kindergarten schicke? Einfach so, weil ich finde, dass er nicht geschlechtskonform gekleidet werden soll. Leider bin ich nicht in der Annahme, dass es allein helfen würde, meinem ‚Sohn‘ den Rücken zu stärken und ihn mit enorm viel Selbstbewusstsein auszustatten. Kinder können grausam sein. Kann mir jemand also aus diesem Dilemma helfen?

Und was wäre, wenn ich ein ‚intersexuelles‘ Kind habe. Sollte man sich als Eltern für ‚ein‘ Geschlecht entscheiden? Sollte man es so leben lassen, wie es auf die Welt kam und in Kauf nehmen eventuell später von dem Kind verklagt zu werden, weil wir ihm als Eltern die Freiheit geben wollten selbst zu entscheiden, wie es sich definiert? Sicherlich ist noch vieles nachträglich machbar – Operationen, ‚Hormon’behandlungen (die logischerweise KEINERLEI Nutzen haben!) und was eventuell noch dazu beiträgt sich entsprechend irgendeiner Geschlechtsvariante anzugleichen. Aber, man kann doch trotzdem nicht wissen, ob das Kind, angenommen es handelt sich um ein eher ‚männlich‘ aussehendes Kind, das aber schon im Kindesalter schrecklich gerne meine Schuhsammlung begutachtet und ausprobiert (lasst uns jetzt mal das Klischee nehmen wie es ist und dies als Anzeichen werten, dass Schuhe ein Indikator für einen biologisch eher weiblich konnotiertes Sex/’Fauen‘ sind), es nicht als wirklich unerträglich empfindet zwischen seinen Beinen einen Penis vorzufinden und im Jugendlichenalter einen Bart entwickelt. Vielleicht wird es dadurch genauso depressiv wie ein Kind, das ich zwangsoperiere und krampfhaft einem Geschlecht zuordnen will? Sicherlich sollte man eine bestimmte Zeit abwarten bis man das Kind selbst fragen kann, wie es für sich leben möchte. Eventuell ist auch die Situation wie sie ist für das Kind absolut erträglich – das wäre jedenfalls wünschenswert. Allerdings ist gerade die Kindheitsphase sehr prägend und kann im Erwachsenenalter viele Probleme mit sich bringen, wenn man sich ‚falsch‘ entscheidet, sodass man als Eltern doch irgendwie immer nur die Wahl zwischen Pest oder Cholera hat, oder?

Um noch einmal auf Balian Buschbaum als Beispiel zurück zu kommen – er hat geäußert, dass er sich schon immer nicht wohl fühlte mit dem Körper, mit dem er geboren wurde, dass ihm Testosteron fehlte. Hätte man ihm bereits viel früher Lebensqualität zurück geben können, wenn man sich schon im Kindes- oder Jugendlichenalter entschieden hätte etwas zu ändern? Und tendieren nicht häufig die Transgender oder Intersexuellen zu einem der Geschlechter und fühlen sich – einmal ‚angekommen‘ – extrem wohl in ihrer neuen Haut? Und ich denke nicht, dass das damit zusammen hängt, dass sie UNBEDINGT Teil der Mehrheitsgesellschaft sein wollen. Es mag sein, dass einige sich nach ‚Normalität‘ sehnen und dementsprechend dem Druck nachgeben. Aber die Mehrheit wird es wohl eher deswegen tun, weil sie persönlich einfach nicht mit ihrer Situation klar kommen (was sie sicherlich könnten, würde ihnen nicht schon von klein auf suggeriert, dass es nur zwei Geschlechter geben darf! Davon muss man ja grundsätzlich ausgehen, dass jedes Kind diese Indoktrination erlebt hat.) und die Entscheidung sich verändern zu lassen oft einen positiven Effekt auf ihr Leben und ihre Identitätssuche hat. Abgesehen davon ist es verwunderlich, dass die Gender Studies einfach die Begriffe ‚Intersexuell‘ und ‚Transgender‘ akzeptieren. Das impliziert ja bereits, dass etwas zwischen Geschlechtern steht und kein eigenes vollwertiges Geschlecht ist bzw. dass es von einem ins andere Geschlecht übergeht (obwohl gender ja eigentlich das soziale Geschlecht bezeichnet. Jetzt hab ich mich grade gehörig selbst verwirrt…).

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich weiß immer noch nicht, wie ich meine Kinder fernhalten kann von jeglichen gesellschaftlichen Konstruktionen.

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Immerhin geht das Internet wieder. I’s one o‘ clock and time for lunch – hum dee dummmm dee dum.

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