Es ist Dienstag und ich habe eigentlich nur noch genau eine Woche Uni. Wer hätte das gedacht, dass das jetzt doch so fix geht. Ich hab irgendwie nicht so gut geschlafen, weil die gesamte Nacht ein dicker Brummer sein Unwesen trieb und ich einfach jedes Mal zu langsam war ihn zu erwischen. Keine Ahnung, wie oft ich mich insgesamt selbst geschlagen habe, weil er sich wieder sonstwo hingesetzt hat. Naja, jetzt bin ich also frisch geduscht und dachte, ich melde mich mal wieder bei euch.

Gestern hatte ich kein Gender, aber dafür Kultur und Medizin. Ich weiß immer noch nicht so recht, was ich davon halten soll (nach 2 Monaten Kurs…). Ich war ein paar Minuten zu spät und platzte gerade in einen Vortrag über Nasenduschen. Es geht da viel um alternative Medizin, aber wieso genau die Nasendusche besprochen wurde – ich habe echt keine Ahnung. Ich kann mir grad richtig vorstellen, wie einige von euch jetzt den Kopf schütteln und sich fragen, an welcher Uni ich da eigentlich gelandet bin und was zur Hölle ich nur studiere. Geht mir manchmal auch ein bisschen so. Aber das Gute ist! Ich habe dank dieser vielen schrägen Kurse endlich eine Ahnung, was mich nicht und was mich wirklich interessiert. Darum plane ich auch schon voller Inbrunst meine Masterarbeit für’s nächste Jahr und lese außerhalb der Uni wie eine Wahnsinnige. Okay, das ist vielleicht etwas übertrieben, weil ich eigentlich doch die meiste Zeit irgendwelche Videos schaue und meinen Blog (ich finde ‚das‘ Blog hört sich einfach falsch an, egal, wie oft WordPress mich versucht davon zu überzeugen, indem es überall ‚das‘ Blog schreibt. Ich glaube nicht daran. So! Ist mir egal. Niemand von euch kann mir doch auch nur einen überzeugenden Beweis liefern, wie der Blog sozialisiert wurde! Und das Argument ’na, du doch aber auch nicht!‘ zieht bei mir übrigens mal so gar nicht. Das sitze ich aus!) bewundere und ihm beim Wachsen zuschaue. Die Statistik ist noch recht eigenwillig, aber im Prinzip bin ich ein bisschen stolz, was in der kurzen Zeit alles so passiert ist hier.

Also, der Kurs. Es ging nicht nur um Nasenduschen, sondern auch um Epigenetik. Ich bin aktuell noch ein wenig skeptisch, weil ich mir da noch nicht so richtig viel drunter vorstellen kann. Wir hörten einen Audio-Beitrag von Peter Spork, der das Buch ‚Der zweite Code‘ geschrieben hat. Das war an sich ziemlich plausibel und überzeugend und letztendlich habe ich durchaus schon davon gehört, dass sich Gene an- und ausschalten lassen. Natürlich habe ich, gleich als ich zu Hause war, ein bisschen rumgegooglet, Rezensionen gelesen und versucht mir einen Überblick zu verschaffen. Das hat mich nicht wirklich befriedigt. Die 1-Sterne-Rezensionen von Peter Sporks Buch haben mich ein bisschen ernüchtert, obwohl ich anfangs recht euphorisch war und vermutlich auch eine Hausarbeit in dem Bereich schreiben werde.

Vielleicht versuche ich mal zu erklären, was Epigenetik ist, bzw. wie ich es verstanden habe: Es handelt sich hierbei um die Möglichkeit durch epigenetisches Programmieren bestimmte Informationen oder Eigenschaften, die sich in Eizellen befinden, zu beeinflussen und sie so an Tochterzellen zu vererben. Diese Programmierung findet direkt in den Chromosomen statt, sodass die Aktivität von einzelnen Bereichen aber auch ganzen Chromosomen ‚gesteuert‘ werden kann. Das kann z.B. durch die Anlagerung von Methylgruppen oder die Veränderungen von den Eiweißkügelchen, Histonen, um die sich die DNA wickelt, geschehen. Je nachdem, wie eng die DNA sich um ein Histon wickelt, lässt sich ein entsprechender Effekt in den Genen regulieren.

Das soll die Folge haben, dass man in der Lage wäre sein Leben quasi mehr oder weniger nach seinen Vorstellungen zu gestalten. Das hört sich jetzt ziemlich einfach an, aber es handelt sich hierbei um einen komplexen Prozess, bei dem man durch z.B. äußere Einflüsse, ‚gesunde‘ Ernährung (ich schreibe gesund hier in Anführungszeichen, weil ich immer noch keine Ahnung habe, WAS genau ‚gesund‘ bedeutet. Ich habe viel darüber gelesen und bin mittlerweile der Meinung, dass das Thema Ernährung viel zu individuell ist. Das, was für jemanden gesund sein kann, ist für den Anderen das Gegenteil…) zu einem gewissen Teil seine Gene regulieren kann. Als Beispiel wurde im Kurs angeführt, dass Bienen grundsätzlich unfruchtbar sind und als Arbeiterin auf die Welt kommen. Allein durch das Füttern von Gelée Royale innerhalb der ersten drei Tage kann man eine einfache Arbeiterin so ‚umprogrammieren‘, dass daraus eine fruchtbare Königin wird. Das klang in meinen Ohren sinnvoll und falls jemand mir erklären kann, dass es ganz anders ist, als ich hier beschrieben habe, dann darf derjenige sich gerne dazu äußern. Ich habe ja selbst keinerlei Ahnung auf dem Gebiet und habe mich auch schon zu lange nicht mehr mit Genetik selbst auseinander gesetzt. Allerdings ist mir jetzt auch nicht so, als wäre das ein vollkommen neuer Ansatz. Was Gelée Royale für eine Wirkung hat, lässt sich ja ziemlich leicht beobachten.

Ein weiteres Beispiel war der Wasserfloh, der mit 31.000 Genen fast 10.000 Gene mehr hat als wir Menschen. Wieso das so ist, scheint noch nicht wirklich geklärt zu sein. Der Wasserfloh ist aber in der Lage durch äußere Veränderungen seine Gestalt anzupassen. So soll er, wenn zu beispielsweise zu viele Mückenlarven im Wasser sind, nach einiger Zeit durch das Umlegen eines epigenetischen Schalters, Stacheln ausbilden können. Allerdings müssen diese physischen Veränderungen nicht unbedingt an die nächste Generation weiter gegeben werden, da dieser Vorgang sehr energieraubend ist und nur gestartet wird, wenn der Druck von Außen zu groß ist. Wenn es in der nächsten Generation also weniger Mückenlarven gibt, die Jungtiere des Wasserflohs sich nun nicht mehr entsprechend schützen müssen, können sie diese Stacheln sich wieder zurück bilden lassen (ich fürchte, diese Beschreibung ist leider enorm vereinfacht, aber ich gebe einfach nur mal das wieder, was ich so mitbekommen konnte – auch wieder: Falls Fehler drin sind, gerne Bescheid sagen!).

Ein weiteres Phänomen, das man mit dem Umlegen eines Schalters bewirken können soll, hängt mit negativen Erfahrungen im Kindheitsalter zusammen. Es gab offenbar mehrere Studien mit Ratten, bei denen die Mütter ihre Babys nicht geleckt haben, ihnen also kaum bis gar keine Liebe und Pflege haben zukommen lassen. Diese Ratten waren anschließend im Erwachsenenalter sehr anfällig für Stresssituationen und neigten dazu ihre Stimmung entsprechend davon abhängig zu machen. Sie wurden sozusagen depressiv. Es kann aber wohl auch so weit gehen, dass ein Lebewesen aufgrund des Stresses und der emotionalen Problemsituation sogar z.B. bösartige Tumore ausbildet, was ja letztendlich auch nicht so weit davon entfernt ist wie Menschen, die durch das Anstauen von Stress, Magengeschwüre bekommen.

Jetzt sind Ratten keine Menschen, aber trotzdem scheint es Sinn zu ergeben, immerhin gibt es genügend Menschen, die im Kindheitsalter Misshandlungen und anderen schlimmen Erlebnissen ausgesetzt waren, und die im Erwachsenenalter immer noch darunter leiden und mitunter ständig von Depressionen begleitet werden. Auch bei Suizid-Opfern sollen vergleichsweise Strukturen vorhanden sein wie bei den Ratten.

Grundsätzlich ist es vor allem wichtig, dass man die Umlegung von Schaltern bereits in den frühesten Kindheitsjahren betätigt oder möglichst pränatal. Es gab sogar Aussagen darüber, dass die Eltern selbst lange vor der Planung eines Babys ihr Leben so positiv anpassen, dass das Kind anschließend Vorteile daraus ziehen kann. Und da eine epigenetische Programmierung vererbbar sein soll, kann sie so auch auf nachfolgende Generationen wirken. In Bezug auf negative Beeinflussungen gab es bei Peter Spork auch Aussagen darüber, ob eventuell die oft belächelte ‚German Angst‘ auch durch ein Trauma – der Zweite Weltkrieg – entstanden sein könnte, das sich über Generationen fortgeführt hat. Ganz abgwegig finde ich das nicht, aber ich kenne mich wirklich nicht gut genug mit den Abläufen aus und vermutlich ist das durchaus eine voreilige These.

An sich könnte die Epigenetik eine gute Möglichkeit sein, um weniger anfällig für Krebs und andere leider immer häufiger vorkommende Krankheiten zu sein, aber die Disziplin ist noch zu jung, als dass sie bereits für jeden in Frage käme. Ein weiterer Punkt wäre, dass die werdenden Eltern, für die es oft sowieso schon nicht leicht ist, wieder etwas mehr unter Druck stehen all diese positiven Lebensführungen beizubehalten. Und nicht jeder kann sich eine Hebmme leisten (ich vermute mal, dass sich so eine Dienstleistung nicht über die Krankenkasse absetzen lässt?), um den Stresspegel für Eltern und Kind so gering wie möglich halten zu können.  (Edit: Ich erfuhr just, dass eine Hebamme von der Krankenkasse übernommen wird.)

Sicherlich lässt sich abschließend sagen, dass die Umwelt, Ernährung und andere Einflüsse durchaus ihre Spuren im Erbgut hinterlassen und auch umgekehrt. Das könnte jetzt ein gefundenes Fressen für Gender Studies-Menschen sein, aber ich fürchte, dass die Beeinflussung der Gene letztlich so gering ist und sich vermutlich nicht auf alle Lebensfelder und Kategorien anwenden lässt, dass ihre Thesen da wohl keine fruchtbare Basis hätten. Abgesehen davon, dass es sich bei Epigenetikern um Biologen handelt, die sich mit entsprechenden Prozessen auseinander setzen. Es ist also keine Esoterik, wie es scheint.

Mit so vielen Informationen – ob sie nun plausibel sind, oder nicht – und einem putzigen Tierchen schließe ich den heutigen Eintrag und mache mich dann nachher auf den Weg zur Uni. Polnisch ftw!

PS: Ich hoffe echt, das ergibt überhaupt alles Sinn, was ich da so runtergerattert habe. Erstmal selber nachlesen. (Mein Motto: Einfach immer erstmal posten und dann korrigieren! Ein absolut logischer Vorgang…)

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