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Hellou. Ein neuer Tag. Das Internet und ich haben gut geschlafen – es ist mittlerweile auch nicht mehr so warm. Ich weiß, der Eintrag von gestern war so lang. Aber ich kenne mich doch! Hinterher muss ich wieder heimlich noch was dazu basteln (hab ich trotzdem gemacht!) oder ärgere mich, wieso ich dies und jenes nicht dazu genommen habe, wo es thematisch doch so gut passt! Wie bekomme ich nun den Übergang zu der Hinrichtung von Sokrates hin? Ach, da ist er schon!

Abgesehen davon, dass Sokrates ein spannender Denker war, bewundere ich vor allem seine Unbeugsamkeit, die er sogar im Angesicht des Todes (wie herrlich dramatisch!) nicht änderte. Heutzutage nennt man sowas Rückgrat haben und ich finde eigentlich in so ziemlich jeder Situation, dass es großartig ist, wenn jemand Rückgrat hat und zu dem, was er denkt, glaubt, fühlt, nicht glaubt, ist, mag, etc. steht. Hitchens ist schuld, dass ich mich kurz über Sokrates auslasse. Es gab in seiner kurzen Beschreibung von Sokrates‘ (hier KOMMT übrigens ein Apostroph hin!) Leben einen Satz, der mich sehr fasziniert hat. Leider wird nicht genau deutlich, wessen er alles angeklagt wird und auch Wikipedia nennt mehrere Gründe, weswegen Sokrates sterben sollte. Ein Grund, der aber mit Sicherheit ausschlaggebend war: Gottlosigkeit. Hitchens schreibt zwar, dass Sokrates kein Atheist gewesen sei, sich jedoch für freie Forschung und Geistesfreiheit aussprach und ’sich weigerte, Dogmen jeglicher Art gutzuheißen‘. (1) Das macht ihn bereits zu einem sympathischen Typen, aber seine Art, wie er mit seinen Richtern umging, überzeugte mich vollends, wie dufte er gewesen sein muss. Erneut ein Auszug, weil Hitchens es so schön beschreibt: ‚Sokrates drohte der Tod, doch er hatte die Möglichkeit, bei einer Verurteilung auf Strafminderung zu plädieren. Stattdessen bot er in beinahe beleidigendem Ton die Zahlung einer lächerlichen Geldstrafe an. Nachdem er seinen verärgerten Richtern keine andere Möglichkeit als die Höchststrafe gelassen hatte, erklärte er, warum seine Ermordung durch sie für ihn ohne Bedeutung sei. Der Tod habe keinen Schrecken: Entweder sei er ein ewiger Schlaf oder die Chance auf Unsterblichkeit – ja, auf eine Zwiesprache mit großen Griechen wie Orpheus und Homer, die vor ihm gestorben seien. In diesem glücklichen Fall, so merkte er trocken an, möchte man ja immer wieder sterben. Für uns spielt es überhaupt keine Rolle, dass das Orakel von Delphi der Vergangenheit angehört und dass Orpheus und Homer mythische Gestalten sind. Entscheidend ist für uns, dass Sokrates seine Ankläger mit ihren eigenen Waffen schlug, indem er ihnen sagte: Ich weiß nicht genau, was es mit dem Tod und den Göttern auf sich hat, aber ich weiß mit Sicherheit, dass ihr es auch nicht wisst.‘ (2)

Den letzten Satz musste ich unterstreichen, weil er mir so gut gefallen hat. Die Richter dachten zwar, dass sie wüssten, was nach dem Tod kommt, aber ganz sicher waren sie sich nicht, sodass Sokrates sie mit seinen für ihn ‚paradiesischen‘ Vorstellung bestimmt für einen winzigen Moment ein wenig aus dem Konzept gebracht hat. Was, wenn Sokrates recht hat? Was, wenn nach dem Tod wirklich was ganz Tolles auf ihn wartet? Ist es dann noch eine Strafe für ihn? Sie können letztendlich nur auf ihren eigenen Wahn vertrauen, dass die von ihnen angebeteten Götter Recht sprechen und Sokrates seine ‚verdiente‘ Strafe würden zukommen lassen. Schließlich hat er die Götter durch seine Gottlosigkeit in seiner Form mächtig erzürnt! Welcher Gott lässt es schon auf sich sitzen, dass man ihn nicht ernst nimmt? Nix mit jungen Frauen für Sokrates! Und Jungfrauen schon gar nicht! Und die Gespräche mit irgendwelchen anderen großartigen Leuten kann er sich auch abschminken! You are so grounded, young man!

Auch im Islam gibt es ja die Vorstellung von Paradies und Hölle. Für die Männer stehen nach einem irdischen Leben jede Menge Jungfrauen bereit. Für Frauen ist das Paradies, dass sie dort nie wieder mit ihrem Mann schlafen müssen – bis in alle Ewigkeit. Sie haben ihre Schuldigkeit auf der Erde abgeschlafen und können diese Aufgabe nun den Jungfrauen zuteil werden lassen. So zumindest interpretiert es Seyran Ateş (3). Seit einiger Zeit soll es dort jedoch eine Neuentdeckung geben! Ein deutscher Semitist hat angeblich festgestellt, dass der Koran seit jeher falsch verstanden wurde, was die Jungfrauen betrifft. Es ist ja bereits hinreichend bekannt, dass zumindest die katholische Jungfrau Maria auf einen Übersetzungsfehler (‚junge Frau‘) zurückgeht, aber in der Wunderecke der Gläubigen eine unglaublich (haha..unglaublich) gute Figur macht und darum beibehalten wurde. Nun soll es sich bei den muslimischen Jungfrauen, die ja jeden Tag wieder neu virginisiert werden (worin genau liegt eigentlich das Aufregende mit einer Jungfrau zu schlafen?!), also um weiße Trauben handeln! Ist natürlich dumm, wenn man dann auch noch eine Histaminintoleranz hat…Aber zumindest der Mann soll im Paradies 100 Mal stärker in allem möglichen sein als auf der Erde. Vielleicht auch sein Immunsystem und sein Säure-Basen-Haushalt…Ob es sich nun um Jungfrauen, junge Frauen, weiße Weintrauben, Kekse (okay, die Kekse habe ich hinzugefügt…) oder sonstwas ’strahlend Weißes‘ handelt, sei allgemein offenbar zumindest, auch unter Islamgelehrten, noch nicht vollständig geklärt, schreibt Seyran Ateş. (4)

Wer eine solche Aussage, wie dieser Semitist macht, muss aufgrund seiner Nachforschungen unter einem Pseudonym publizieren, was mich wirklich wieder zum Nachdenken bringt. Der Glaube und die Beleidigungsrate ist mal wieder so hoch, dass jemand, der eine andere Meinung zu einem Märchenbuch hat, um sein Leben fürchten muss. Niemandem würde so etwas passieren, wenn er behauptet, dass Peter Pan gar nicht fliegen konnte und eine Welt, in der Kinder für immer Kinder bleiben, totaler Umfug ist! Sind jetzt grad wieder welche beleidigt? ‚Sowas kann sie doch nicht sagen! ‚Heilige‘ Schriften sind doch nicht mit einem Märchen vergleichbar! Es gibt doch Gründe, wieso niemand an Peter Pan glaubt, sondern an Jesus! Damals gab es einfach noch eine höhere Frequentierung an Wundern! Mögest du in die Hölle kommen, Saskia – und zwar in die OHNE Jimi Hendrix!‘

Ich weiß, die Christen sind – dank der Zeit der Aufklärung – nicht mehr ganz so empfindlich wie es die Muslime sind. Das musste ich mir auch schon von meinem Freund anhören. Dass die Medien etc. sich doch viel eher trauen sich über das Christentum lustig zu machen als über die anderen Religionen. Ja, das stimmt. Irgendwie haben sie ja auch einen eingebildeten Heimvorteil. Vor den Juden schämen wir uns, blicken jedes mal zu Boden, wenn es um bestimmte Themen geht und beschließen sogar lieber Beschneidungsgesetze gegen das kindliche Wohl und die körperliche Unversehrtheit, weil wir immer und überall im Nacken sitzen haben, was wir vor einigen Jahrzehnten Schreckliches taten (und ich will das nicht ins Lächerliche ziehen. Wir sind nur mittlerweile wirklich eine andere Generation und die US-Amerikaner fühlen sich doch heute auch nicht mehr (haben sie das eigentlich jemals?) dafür verantwortlich, was sie für Genozide auf ihrem Kontinent betrieben haben! Abgesehen davon ist es für mich keine gute Basis sich für immer in einem Berg aus Schuld zu vergraben und dort zu überwintern und sich bei jeder durchaus berechtigen Kritik an seit langer Zeit überholten ‚Traditionen‘ sofort wieder dorthin zurück zu ziehen und alles abzunicken, was durch den Höhleneingang kommt.). Der Islam macht uns Angst, weil immer zu entsprechende Themen und Aussagen durch die Medien geistern und wir ständig nur mitbekommen, wie schnell das Leben bedroht sein kann, weil man irgendwo eine falsche Äußerung getan hat. Diese permanente Angst, die uns auch immer weiter und dringlicher eingeimpft wird – unabhängig davon, wie viele Menschen ganz friedlich mit ihrem Glauben leben -, ist größer als der Wille endlich einmal das zu sagen, was einem gegen den Strich geht bzw. Kritik daran zu üben, was man für bewusste Verblendung von Massen hält. Eigentlich sollte ein Gläubiger ja so weit in seinem Glauben gefestigt sein, dass er in der Lage ist zu sagen ‚Du magst David Bowie nicht? Nagut. Kann ich nix machen. Ich biete dir natürlich gern ein paar seiner Alben an, falls du mal reinhören und dich doch noch überzeugen lassen möchtest, aber wenn du lieber 50 Cent hörst, wird das vermutlich schwierig werden…‘ Sogar den Beatles (ja, ich gehöre zu den wenigen Menschen auf diesem Planeten, die den Beatles nicht besonders viel abgewinnen können..Schande über mich, meine Freunde, die Freunde meiner Freunde, meine Familie, meine Katze…) und Bob Marley gestehe ich ihren Platz in der Musikgeschichte zu, obwohl ich sehr wenig mit ihrer Art Musik anfangen kann. Trotzdem bin ich in einen Beatles-Fan verliebt, mit dem ich sogar eine sehr glückliche Beziehung führe (er findet Bowie allerdings auch prima! Sein Glück! harrr!). Jaja, Musik und Religion. Das ist wie ein Vergleich von Birnen und Tomaten. Aber es geht ein bisschen in die Richtung – zumindest, was die Festigung des Glaubens angeht.

So, zum Abschluss noch ein Artikel, von dem mein Bruder mir neulich erzählte und der eine weitere wunderlich-andere Interpretation des islamischen Paradieses darstellt: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-88754335.html

(gut, dass auf ein idealistisch geprägtes Leben ein absolut materielles folgt!)

und eine Einladung:

Bild

(1) Hitchens, Christopher: Der Herr ist kein Hirte – Wie Religion die Welt vergiftet. München 2009, S.308

(2) S.309f

(3) Ateş, Seyran: Der Islam braucht eine sexuelle Revolution. Berlin 2009, S.134

(4) S.98

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