Schlagwörter

, , , ,


Ein ganz herzliches Grüß Gott an euch! Und fragt jetzt nicht, wo ihr ihn denn treffen solltet. Er sitzt mit dir in der Badewanne, schläft neben dir im Bett, geht mit dir spazieren, kommuniziert mit dir über ein unsichtbares Dosentelefon…liest sich ein bisschen so, als wäre Gott ein kleiner Rauhaardackel, der baden dufte findet…jedefalls: grüßt ihn! Und fühlt euch ebenfalls von mir gegrüßt.

Mal was ganz anderes. Gestern Abend fiel mir ein, wieso ich eigentlich keine Spinnenphobie habe, im Gegensatz zu meiner Schwester. Okay, es gibt da diese Winkelspinnen, die ich wirklich nicht so doll finde und wegen denen ich vor ner Weile meine Mitbewohnerin nachts aufwecken musste, weil das gute Tier ca. 40cm Luftlinie von meinem Kopfteil des Bettes entfernt saß und ich mich in einer Schockstarre befand. So ein Verhalten bei mir ist jedoch eine Ausnahme. Glaubt ihr mir sicherlich jetzt nicht mehr, aber es ist tatsächlich so. Ich setze ansonsten so ziemlich jedes Tierchen wieder nach draußen und war nicht nur ein Mal die stolze Heldin mit Glas und Postkarte bewaffnet (wenn man die so in die Hand nimmt, habe ich immer Sorge, dass ich ihnen ein Beinchen ausreiße oder sie platt drücke – oder sie viel zu schnell sind und just direkt gleich wieder dort sitzen, wo ich sie entfernt habe…). Nun, weil ich gestern mal wieder ein bisschen über Gender gelesen habe, fing ich an darüber zu sinnieren, ob Phobien auch gesellschaftlich begründet sein können/sind. Vor langer Zeit habe ich darüber gelesen, dass die Angst vor Spinnen bei Frauen eine rudimentäre Angelegenheit sei, weil eine Mutter immer wachsam sein musste bezüglich ihrer Kinder. Keine Ahnung, ob das stimmt und ich bin grad auch zu faul zum Recherchieren. Bei einigen Frauen scheint das noch ausgeprägter, bei anderen weniger. Meine Schwester gehört definitiv zu der ersten Kategorie. Als meine Eltern, mein Bruder und ich vor einigen Jahren den ersten Urlaub ohne sie (sie ist die älteste) machten, schrieben sie und ich uns Briefe. Ich erinnere mich gut an ihre über mehrere Seiten ausgeführte Hinrichtungstechnik für eine Spinne , die sich irgendwo in ihrer Wohnung befand. Sie hatte sie mit Haarspray einfach tot gesprüht. Und ich erinnere mich auch noch gut, dass ich ihr zurück schrieb: Du bist wie Hitler!

Wir sind aus ein und derselben Familie, haben dieselben Eltern, sozusagen dieselbe Sozialisation, bis auf die Tatsache, dass sie 6 Jahre älter ist. Es hält sich hartnäckig die Legende, dass eine Freundin meiner Schwester aus Kindertagen daran schuld sei, dass meine Schwester Spinnen eklig findet. Könnte dieses Ereignis ausschlaggebend sein, dass wir da so völlig unterschiedlich reagieren? Meine Schwester teilt mir gerade mit, dass sie Spinnen schon vorher doof fand.Hmm…Für mich ist dieses Thema nicht so problematisch wie für sie. Allerdings hab ich eine Mumienphobie, Höhenangst und finde Menschen in Masken ganz ganz schrecklich. Ich ekele mich vor Haribo und Weingummi, Lakritz in allen Varianten und vor Bananen. Wenn all unsere Neigungen etc. irgendwie sozialisiert worden sind, ich behaupte das jetzt mal, meine Eltern beide keine Probleme mit Spinnen, Maskenmenschen oder Mumien haben, und auch meine Geschwister, bis auf die Spinnenphobie, wieso finde ich das dann schrecklich? Weil es eben doch rudimentäre Ängste sind, die in mir genetisch oder so verankert sind? Weil es nicht toll ist, wenn jemand sein Gesicht als Identitätsmerkmal und Informationsträger unter einer Maske verbirgt, weil: Gefahr!  ? Höhenangst: okay, scheint auch was Althergebrachtes zu sein. Wieso finde ich Haribo eklig? Ganz früh als Kind habe ich das sogar gegessen und meine Mama ist begeisterte Anhängerin von diesen Lakritzheringen (Jedes Mal, wenn sie die abends gegessen hat, musste ich am nächsten Morgen alles, was angefasst worden sein könnte, irgendwie desinfizieren…in meinem WG-Zimmer heutzutage herrscht absolutes Weingummi-u.ä.-Verbot,) und meine Geschwister finden das jetzt auch nicht so dramatisch. Sind jetzt also einige Phobien sozialisiert und andere genetisch? Weiß da jemand eine Antwort drauf? Ich finde das alles höchstverwirrend. Letztendlich ist es für mich so und logisch, dass mehrere Kinder, auch, wenn sie offiziell in derselben Umgebung ’sozialisiert‘ werden, sich durchaus völlig unterschiedlich entwickeln können. Natürlich, weil sie unabhängig von der Familie spezifische, eigene Erfahrungen machen. Mein Bruder findet Spinnen auch nicht toll, aber er duldet einige von ihnen eher als meine Schwester. Ich weiß grad gar nicht, ob er die auch raussetzt. Töten können er und ich beide keine Tiere. Nachdem meine Mitbewohnerin die Spinne in meinem Zimmer vor einigen Monaten nachts aufsaugte und die Hand auf das Saugende des Rohrs hielt, weil so wohl ein Unterdruck erzeugt würde, der dem Ganzen eine Ende bereiten sollte. Ich habe mich anschließend bei der Spinne und all ihren Nachkommen, die sich hoffentlich nicht alle in meinem Zimmer niedergelassen haben, entschuldigt. Was letztendlich völlig unsinnig war, weil die gute ‚Mutter/Vater’spinne es wohl im Schrank, wo der Staubsauger stand, geschafft hat sich duch das Rohr nach oben zu hieven und irgendwie dann kläglich im Schrank zu versterben. Wir gehen davon aus, dass das ihre sterblichen Überreste sind, die da im Schrank lagen, aber wie man weiß, häuten Spinnen sich ja auch …

Als ich in der 9. Klasse an einer Projektwoche über das Verhalten von Tieren teilnahm und wir in so ein schulbiologisches Zentrum fuhren, hatte ich sogar (haha, sogar..) eine Vogelspinne auf der Hand. Erst war ich skeptisch, ob ich es wirklich tun sollte. Sie saß da unter einer Plastikhaube von so einem Tortentransportdingsi und irgendwann nahm der Biologenmann diese Haube weg. Die Spinne bewegte sich kein Stück und wir anderen saßen im Stuhlkreis in gebührendem Abstand von ihr weg. Innerlich haderte ich immer noch mit mir selbst, bis der Biologenmann erzählte, dass Vogelspinnen fast blind seien und taub und Schwingungen über ihre Härchen wahrnähmen. Da war bei mir das Eis gebrochen! Eine Invalidenspinne! Quasi blind und taub und..ach. Natürlich nehme ich so ein Wesen auf die Hand! Mein übermäßig ausgeprägtes Helfersyndrom siegte. Als ich die Spinne dann auf der Hand hatte, war sie sogar fast flauschig und saß völlig regungslos auf meiner Handfläche. Die haben echt Gewicht! Malaysische Vogelspinnen sind übrigens wunderschön, das sind diese etwas in Türkis schimmernden..auch, wenn mein Exemplar nur ein schlichtes braunes, aber bereits 20 Jahre altes war. Wisst ihr Bescheid!

Und weil wir heute schon so einen Ausnahmetag haben, was das Thema betrifft, wollte ich euch mitteilen, dass der Infinitiv von ‚auserkoren‘ tatsächlich ‚auserkiesen‘ ist.

So und ein großes ACHTUNG, an alle Menschen mit Spinnenphobie, weiter unten ist ein Bild, das euch nicht gefallen würde!

Bild

Advertisements