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Ich habe just einen Artikel entdeckt, der besagt, dass das letzte Urteil im Fall des Lebenskunde-Unterrichts der Humanisten in NRW noch nicht gesprochen ist. Offenbar scheint es vielleicht doch eine Chance zu geben, dass sich dieser durchsetzen kann und dem Modell in Berlin-Brandenburg nachempfunden wird. Ich muss gestehen, dass ich die Bezeichnung Lebenskunde-Unterricht ein bisschen seltsam finde. Es hat irgendwie den Duft von Waldorfschule oder irgendeiner neuartigen Sekte, die hier ihre Ideologien unter’s Volk bringen will. Vorhin habe ich mich auch dementsprechend in Kommentaren zu meinem letzten Beitrag geäußert und vermute auch, dass die Ablehnung für solch einen Unterricht daher rührt, dass die Menschen vielleicht Sorge haben, dass durch das öffentliche Verschwinden der Religion auch ein Kulturverlust statt finden könnte. Und eben ein Werteverlust. Eben genau das, was irgendwie auch im Kleinen in meinem Bekanntenkreis passiert, wenn ich auf Religion wie beschrieben kritisch reagiere. Auch, wenn es fraglich ist, ob diese Werte tatsächlich so viel moralischer sind als die der Humanisten, aber das habe ich ja bereits versucht klarzustellen. Abgesehen davon erklärt sich mir nicht, wie ein Kulturverlust aussehen könnte, setzt man sich in einem Lebenskunde-Unterricht doch mit den Denkansätzen vieler unterschiedlicher Menschen auseinander – mit den Dichtern und Denkern, Genies, Wissenschaftlern, Kritikern und Philosophen verschiedener Epochen. Ist das keine Kultur? Das ist für mich die pure Kultur mit einem hohen Maß an Vielfalt, die notwendig ist, um Kinder zu einem verantwortungsbewussten und interessiert-neugierigen Erwachsenen zu machen, der die Worte Homophobie oder Rassismus vielleicht irgendwann nur noch aus Büchern kennt (ein herzliches Hallo an Naivität und Utopiedenken!).

Darum ist es umso wichtiger Menschen im jüngsten Alter die Möglichkeit zu geben sich ihr eigenes Bild zu machen und zu entscheiden, was sie für sinnvoll und was für unsinnvoll erachten. Dass solche Fehlannahmen bezüglich der ‚christlich-abendländischen‘ Werte endlich verschwinden und aufgeklärt wird, was wirklich passiert ist. Das hat nichts damit zu tun, dass die Humanisten die Wahrheit gepachtet hätten. Im Gegenteil. Sie gestehen sich selbst eine Fehlbarkeit zu und versuchen nach bestem Gewissen eine Welt zu gestalten, in der jeder Mensch seinen Platz hat. Es geht nicht um Indoktrination, sondern geistige Freiheit, die auch notwendig ist für eine geistige Gesundheit. Geistige Gesundheit ist die beste Basis, um unanfällig für menschenverachtende Ideologien zu werden. Übrigens erschwert diese freie Geisteshaltung in gewissem Maße auch die Organisation von diesen Menschen, weil sie eben jeder ihr eigenes Bild haben und sich dadurch nicht so leicht etwas vormachen lassen. Kritisch hinterfragen und sich selbst ein Urteil bilden. Das ist, was vielen Menschen heutzutage fehlt, in meinen Augen. Bestimmte Äußerungen scheinen ohne Wenn und Aber in die eigene Lebensplanung einzufließen, die dann wiederum an die nächsten Generationen weitergegeben werden und durch entsprechenden unreflektiert gestalteten Unterricht gefestigt werden. Das ist insofern verwerflich, weil es Menschen ausschließt, abgrenzt und eine Distanz schafft, die teilweise gefühlt dem Andreasgraben gleichen kann. Einschließlich entsprechender Diskriminierungspotentiale. Sicherlich mag es durchaus sehr guten Religionsunterricht geben, aber er bietet oft eben nur eine relativ einseitige Sicht auf die Vergangenheit. Ich hoffe, dass die Gesellschaft sich irgendwann dazu öffnet eine humanistische Weltsicht zuzulassen und sie nicht als eine weitere Religion betrachtet, sondern sie als das nimmt, was sie ist: eine auf Ethik und universellen Menschenrechten aufbauende, säkulare und menschenfreundliche Betrachtung der Welt, die eine plurale Gesellschaft dauerhaft friedlich möglich machen könnte. Lasst mich und die anderen Humanisten nicht auf verlorenem Posten kämpfen!

Wie traurig religiös motivierte Traditionen übrigens auch aussehen können, las ich in einem Beitrag von Spiegel.de, den mein Freund mir vor einigen Tagen schickte. Darin geht es darum, dass junge pakistanisch-stämmige, britische Mädchen mit Hilfe eines Tricks am Flughafen einer Zwangsverheiratung im Ausland entgehen können. Bei diesem Trick handelt es sich um ein metallenen Gegenstand, wie beispielsweise einen Löffel, den man in seiner Kleidung oder nahe am Körper versteckt und anschließend bei der Kontrolle kurz vor dem Boarding des Flugzeuges, durch den Metalldetektor aus dem Verkehr gezogen wird. Dadurch verzögert sich das Boarding und es kann im besten Fall dazu kommen, dass das Mädchen ihren Flug verpasst und sie so eventuell einer Zwangsheirat entkommen kann – und zukünftig dagegen geschützt werden kann, wenn sie bekannt gibt, was der Grund für ihre Reise war. Es ist ziemlich bitter zu sehen, dass es solcher Tricks bedarf – im 21. Jahrhundert. Wo wir zwar Metalldetektoren haben und Flugzeuge, aber in weiten Teilen der Welt immer noch keine Gleichberechtigung der Geschlechter und die Rücksichtnahme auf freie Persönlichkeitsentfaltung stattfinden, von anderen Menschenrechten ganz zu schweigen. Für mich ist so eine Situation absolut unverständlich und schwierig vorstellbar. Was muss in einer Mutter vorgehen, die vermutlich selbst zwangsverheiratet wurde und nun dasselbe Schicksal ihrer Tochter zumutet, nur, weil es sich traditionell so ziemt? In sehr seltenen Fällen kann so eine Zwangsheirat durchaus positiv ausgehen und es ist keine Belastung für beide Ehepartner. Aber letztendlich ist es immer noch so, dass man einem Individuum beinahe gewaltvoll die Entscheidungsfreiheit abspricht (es ist ja tatsächlich irgendwo psychische Gewalt, die das möglich macht.). Und diese Situation ist nicht nur für die Frau problematisch. Es gibt durchaus genügend Männer, die das ebenso missbilligen und die sich fügen, weil es die Tradition so verlangt. Vielleicht werde ich euch demnächt ein bisschen mehr dazu erzählen. Es ist mir wirklich unbegreiflich.

Mir ist auch noch eingefallen, ob sich z.B. lesbische Frauen eigentlich auch für ihre Partnerinnen äußerlich attraktiver machen wollen. Also, ob sie sich extra schminken und bestimmte Kleidung tragen, um zu gefallen. Für mich herrscht immer so der Tenor, dass heterosexuelle Frauen ja quasi alles täten, um Männern zu gefallen. Und dass das sehr verwerflich ist sich so ‚degradieren‘ und fremdbestimmen zu lassen. Aber geschieht das nicht, egal wie, in jeder Form der Partnerschaft? Vorausgesetzt, es besteht ein Bedürfnis nach Monogamie. Ich wollte eigentlich vorher noch eine lesbische Freundin von mir fragen, wie die das in ihrer Beziehung handhabt. Wobei, mir fällt gerade ein, dass sie bisexuell ist. Macht das einen Unterschied? Und ja, ich persönlich finde es schön, wenn mein Freund mir Komplimente über mein Äußeres macht, weil ich es genieße und mir gut tut. Es hilft mir übrigens auch mich endlich selbst so anzunehmen wie ich bin, nur mal so. Auch, wenn ich durch Eingriffe wie Schminken oder Kleidung so ein Erlebnis sogar in seiner Häufigkeit positiv beeinflussen kann (ouh yeah!). (Sicherlich ist jeder geboren wie er geboren ist und hat eher seltener Schuld daran, wie sich alles so zusammen gefügt hat – auch mit Talenten z.B.  Ich meine damit, dass es im Prinzip bescheuert ist für etwas Komplimente zu bekommen, für das man letztendlich ja irgendwie gar nichts kann..oder? Objektiv betrachtet.) Vermutlich ist es in einer homosexuellen Beziehung überhaupt nicht verwerflich, weil da ja angeblich dann kein Machtgefälle entsteht oder so. Dass ich aber irgendwie auch eine Macht auf meinen Freund habe, je nachdem, wie ich mein Äußeres gestalte, scheint da keine Rolle zu spielen. Auch sind es häufig die Frauen, die in gewisser Weise diejenigen sind, die entscheiden, wann und ob der Geschlechtsverkehr statt finden wird.

Das war’s heute erstmal von mir. Ich freue mich total, dass ich immer wieder neue ‚Gesichter‘ auf meinem Blog kennen lerne und ihr euch ab und zu auch in meinen Beiträge einbringt. Das fühlt sich dann nicht mehr ganz so nach Tagebuch-Führen an. Musiker machen ihre Musik ja auch eher seltener dafür, dass sie nicht gehört werden soll (ohne mich jetzt tatsächlich mit einem tatsächlichen Künstler wie Musiker vergleichen zu wollen..aber das Prinzip ist ja irgendwie das gleiche). Entschuldigt auch, dass der Artikel so heterogen geworden ist, themenmäßig.

But moondust will cover you!

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