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Ich hab mich vorhin mal wieder von einem Facebookprofil über die Gruppen, die dieser Person gefallen in eine weitere Gruppe verirrt, die sich ‚Pro Betreuungsgeld‘ nennt. Hat jetzt nur 30 Mitglieder, sodass ich mir prinzipiell keine Gedanken darum mache, was diese paar Leutchen so von sich geben in ihrer Suppe. In deren ‚Forumsbereich‘ bin ich auf einen etwas älteren Artikel der ‚Welt‘ gestoßen, in dem es um eine Talk-Sendung in der ARD mit Günther Jauch geht – zum Thema ‚Kinder, Steuer, Ehe – gleiches Recht für Homosexuelle?‘. Der Artikel ist sogar verhältnismäßig zugänglich, was die anzugleichenden Rechte von Homosexuellen angeht. Aber, wie ihr wisst, bin ich eine eifrige Kommentar-Leserin solcher Artikel und bin mal wieder überrascht (auch, wenn ich weiß, was die Welt für Menschen anzieht), was für armselige Gestalten sich dort tummeln.

Dort stellt einer indirekt Homosexualität mit Inzest auf eine Stufe, ob quasi nach der Homosexualität nun auch (‚folgerichtig‘) Inzest rechtlich eingebettet würde. Ein weiterer schreibt hierzu ‚[…] Warum kann ich nicht mit meiner Schwester Kinder haben? Biologisch vollkommen in Ordnung und nur neuzeitlich durch Gesetze verboten. Ich habe nichts gegen Schwule oder Lesben. Nur wie weit soll die Gleichberechtigung gehen?‘ was bei mir die Frage aufwirft, ob es wirklich reine Provokation ist oder ob derjenige (und vermutlich auch einige andere Visagen, die da rumhängen) wirklich nicht begreift, WAS an Inzest genau das Problem ist und weswegen es nicht mal annähernd mit Homosexualität verglichen werden kann.

Wie kann man so einen enormen Bullshit von sich geben? Der eine Herr in der ‚Pro Betreuungsgeld‘-Gruppe hatte vor allem die Kommentare unterhalb des Artikels betont und haut Aussagen raus wie ‚Den Schwulen geht es doch nicht um feste Beziehungen, sie versuchen nur, ihren sexuellen Trieb zu befriedigen.‘ Natürlich habe ich anschließend sein Profil gestalkt und bin auf diverse bunte Gruppenzugehörigkeiten gestoßen, die von ‚Wir wollen die Sarrazin-Partei!‘ über ‚Jesus‘ bis hin zu ‚Gemeinsam gegen Religionen!‘ reichen. Ihm gefällt die ‚Initiative gegen Linke!‘ genauso wie ‚Sahra Wagenknecht’….Nur, um euch mal kurz einen Einblick zu geben. Ich kenne den Mann nicht, aber ich wüsste wirklich gerne mal, wie viel von solchen Spinnern in Deutschland tatsächlich rumgeistern. Ich hoffe natürlich inständig, dass es sich um seltene Einzelfälle handelt. Zufällig gefällt ihm ebenso die Gruppe ‚Deutschlands Einzelfälle sind keine Einzelfälle‘, die sprachlich, aber leider nicht inhaltlich meine Aussage von eben aufgreift, da es dort um Gewalt durch Migranten und Ausländer geht. Allerdings möchte ich euch auch vom ‚Welt‘-Artikel noch so manchen Kommentar nicht vorenthalten. Einer schreibt ‚Homosexuelle wollen nur das Geld. Kinder sind schmückendes Beiwerk und sollen ihre vollen Geldbeutel noch voller werden lassen. Gleichzeitig laufen Kinder Gefahr für Missbrauch. […]. Tatsächlich höre ich DIESES Argument das erste Mal. Ich wusste gar nicht, dass Schwule und Lesben finanziell grundsätzlich zum oberen Drittel der Bevölkerung gehören! Aber jetzt wird mir natürlich so einiges klar! Diese Verbrecher! Darum wählen die bestimmt auch die FDP, damit es keinen erhöhten Spitzensteuersatz gibt! Ha! Damit sollte ich doch direkt ein befreundetes schwules Ehepaar konfrontieren, dass sie gefälligst einen Fond für mich anlegen sollen oder wenigstens ein Jeans-Sparbuch mit Mike Hamsterbacke!

Ein sich zu Recht selbst so bezeichnender Leser namens ‚Konservativer‘, schreibt so eine schöne Aussage, dass ich sie euch natürlich zu Gemüte führen möchte, weil sie an Absurdität in meinen Augen nicht zu überbieten ist, gerade in meinen Diskursen über frühkindliche Indoktrination durch Religion: ‚Es stört mich, dass Heteros und Verteidiger der Familie bestehend aus Mann und Frau in den öffentlichen Medien mittlerweile so hart angegangen werden. Das ganze klingt für mich so, als gelte es in D nur noch Schwulen und Lesben und ihre Interessen zu vertreten. Haben wir sonst keine Probleme? Wieso werden Kinder ohne das sie wissen was ihnen geschieht, ohne das sie gefragt werden, in eine Homo-Familie gesteckt? Den Kinder wird bewußt der Normalfall bestehend aus Mutter und Vater vorenthalten und vielleicht fragen sie sich später: warum konnte ich nie einen richtigen Papa und eine richtige Mama haben, so wie meine Klassen- oder Spielkameraden? […]‘ (Für die sprachlichen Probleme auf grammatikalischer und orthographischer Ebene übernehme ich keine Haftung – man soll Zitate ja auch nicht verbessern, egal, wie sehr es in meinen kleinen Monk-Fingern kribbelt…)

Wieso wird Kindern, ohne, dass sie wissen, wie ihnen geschieht die Vorhaut abgeschnippelt? Wieso werden Kinder, ohne, dass sie wissen, wie ihnen geschieht in einen Religionsunterricht gesteckt, den sie vielleicht gar nicht bevorzugen würden? Wieso wird Kindern gleich schon im Babyalter aufgezwungen, woran sie zu glauben haben? Ja, sind natürlich wieder ziemlich provokante Fragen, von denen mir noch mehr einfallen. Mein Punkt hier ist allerdings nicht, dass ich dem guten Herrn ‚Konservativer‘ in seiner Entrüstung zustimmen möchte, sondern vielmehr, wieso interessiert es so wenige, wenn man ‚Homosexualität‘ durch bspw. Religion ersetzt in diesen Fragen? Es ist also problematischer, wenn ein Kind in einer liebevollen Umgebung mit zwei (oder mehr) möglicherweise gleichgeschlechtlichen Menschen aufwächst, aber man spricht ihm keine Rechte in der Findung seiner eigenen Weltanschauung zu, sondern ‚übernimmt das als Eltern kurzerhand selbst‘? Mag sein, dass dieser Vergleich ein wenig schief ist, aber prinzipiell verstehe ich hier die Toleranz für das Eine und die Intoleranz gegenüber dem Anderen nicht. Und ich verstehe auch nicht, wieso sich einige Gläubige so vehement gegen einen Ethik-Unterricht aussprechen – vor allem, nachdem ich mehrfach erläutert habe, dass es nicht geplant ist die Religionen als Themen auszuklammern. Sogar die Aleviten in Berlin sprechen sich für einen allgemeinen Ethik-Unterricht aus, wenn er konsequent durchgeführt wird. Was bedeutet, dass nicht doch irgendeine Religionsgemeinschaft eine Extrawurst bekommt. Wo ist das Problem allen Kindern dieselben Startbedingungen zu geben, damit sie sich anschließend irgendwann dem zugehörig fühlen können, was SIE für die richtige Entscheidung halten? Einfach, weil sie die Chance hatten sich mit allen Ansichten ausreichend vertraut zu machen, um sich eine eigene Meinung bilden zu können. Kann sein, dass ich da irgendwie sehr naiv bin oder es an meiner Gottlosigkeit und dem damit verbundenden Fehlen von Werten und Kultur liegt, aber mir erschließt sich dieser Protest nicht, der vielleicht nicht sehr laut ist, aber irgendwie doch in der Luft zu liegen scheint, sonst hätte sich diese Idee längst durchgesetzt.

So, erstmal meine Worte zum Dienstag hierfür.

Und, weil es so schön war noch die letzte Zeile des konservativen Kommentars ‚Was soll denn noch kommen? Menschen, die ihre Haustiere heiraten wollen????‘

(da fällt mir irgendwie nur Homer Simpson ein ‚Wenn sie keine Tiere essen, was essen sie denn dann? Glühbirnen?!‘)

PS: Ist euch eigentlich aufgefallen, dass Schach total das Feministinnen-Spiel ist? Die Dame hat so viel coolere Eigenschaften als der arme, schwache König, der ständig beschützt werden muss… Da hat das Patriarchat wohl geschlafen, als die Schachregeln erfunden wurden.

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