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Oah, schon wieder Sonntag und ich hab immer noch nichts geschrieben hier. Was mir die letzten Tage unter anderem durch den Kopf geisterte, wird sicherlich jetzt total in den falschen Hals geraten. Aber es gab ja vor einiger Zeit u.a. eine Studie darüber, dass Menschen mit rechtsradikalem Gedankengut im Schnitt dümmer seien als Menschen, die solchen Humbug nicht als ihre persönliche Wahrheit betrachten. Allerdings gab es zum selben Thema Intelligenz auch noch eine weitere Studie, die nämlich der Meinung ist, dass auch religiöse Menschen im Schnitt dümmer seien als Menschen, die nicht glauben.

Da ich die originalen Studien nicht direkt kenne und einfach mal von den Endergebnissen ausgehe, tue ich jetzt mal kurz so, als würden beide Ergebnisse stimmen. Und wenn ich das jetzt mache, dann weiß ich schon, was passieren wird: Es wird einen Aufschrei geben, wie man denn behaupten könne, dass religiöse Menschen statistisch gesehen dümmer seien! Das sei bestimmt kein korrektes Ergebnis! Während aber bei der anderen Studie alle mit dem Kopf nicken würden, die diesen Text jetzt lesen. Was wäre jetzt aber, wenn wirklich beide stimmen? Wie würdet ihr argumentieren? Das würde mich mal interessieren. Und ich hoffe, ihr behaltet im Hinterkopf, dass ich hier gerade bewusst eine polarisierende Haltung einnehme, ja? Persönliche Angriffe sind nicht nötig. Ich habe lediglich überlegt, wie und warum oft mit zweierlei Maß gemessen wird. Nazis werden grundsätzlich für dumm gehalten, was man bestimmt im weitesten Sinne auch so bejahen kann. Aber es gab ja auch einige Leutchen in diesen Riegen, die sicherlich durchaus einen recht hohen IQ besaßen/besitzen und irgendwo auf der Welt Politik machen etc. Genauso sieht es auch mit Religiösen aus. Und bei beiden ist es mir oft genug schleierhaft, inwieweit offenbar intelligente Menschen sich von solchen Ansichten mitreißen lassen können bzw. wie z.B. intelligente Menschen im Vatikan an bestimmte Dinge glauben können (ich vermute ja immer noch, dass die sich da insgeheim über den Rest der Gläubigen lustig machen…) und in Kostümen herumlaufen, die sie aussehen lassen, als wären sie eine direkte Hommage an ‚Till Eulenspiegel’…

Tut mir leid. aber ich finde die Kleidung von z.B. katholischen Geistlichen und auch der Schweizer Garde ein bisschen sehr viel lächerlicher als eine Polizeiuniform – nur, falls ihr jetzt mit dem Argument kommen möchtet, dass Polizisten ja schließlich auch gewissermaßen kostümiert sind und die Schweizer Garde diese Kleidung nun mal seit Ewigkeiten als Arbeitskleidung nutzt und entsprechend durch sie gekennzeichnet wird. Ich finde ihre bunten Farben an sich ganz prima und wären sie eine japanische Riesen-Boy-Band mit ständig wechselnden Mitgliedern würden sie sicherlich viele Blicke auf sich ziehen! Aber..hm..sorry und trotzdem: ich find es amüsant.

Das nur so am Rande. Ansonsten lese ich fleißig das Buch von Peter Spork ‚Der zweite Code‘ und stelle wieder fest, wie gerne ich meinem Gender Studies-Dozenten vom letzten Semester diese ganzen wahnsinnig interessanten Details um die Ohren hauen würde – wegen Evolution dies das. Und vor allem, dass ihm bitte einfach mal klar wird, wie krass viele Details er in seinen Argumentationen permanent auslässt, um sich seine eigene ‚kulturwissenschaftliche Wahrheit‘ zurecht zu stutzen (das muss eine so einseitige und traurige Wahrheit sein..die armen Kulturwissenschaftl*er*innen 😦 ). Am Anfang des Buches wird in einem angenehmen Plauderton noch einmal erklärt, wie dieser ganze Mitose-Prozess abläuft und was für Funktionen allein die Eiweiße da besetzen. Inwieweit sie in Form von Histonen den Weg für epigenetische Schalter bereiten. Wuuuh! Wirklich spannend! Auch, wenn noch einiges unerforscht ist und die ganzen Prozesse noch einmal um ein vielfaches komplexer sind als in dem Buch dargestellt. Peter Spork, als promovierter Biologe, gab selbst zu, dass er viele der Forschungsergebnisse und Vorgänge bisher nicht vollständig erfassen konnte, insofern fange ich besser gar nicht an euch konkrete Erklärungen zu geben. Bestimmt werde ich aber bei den weniger komplizierten Aussagen, die im Buch demnächst folgen, kleine Zusammenfassungen an euch weiter leiten. Unter anderem wird es vor allem darum gehen, inwieweit man sein eigenes Leben lebt und dass bestimmte Aspekte des Lebensstils offenbar durchaus Auswirkungen auf eure Kinder und Kindeskinder haben können (wie ich ja bereits in einem früheren Eintrag anriss). So hat auch Rauchen einen Effekt auf die späteren Kinder, selbst, wenn sie noch gar nicht in Planung sind. Einer Umfrage zufolge, die im Buch beschrieben wird und an der 14.000 Väter teilnahmen, unter zusätzlicher Berücksichtigung von  Protokollen ihrer Kinder aus der Zeit nach deren Geburt und erneuter Analyse im Alter von 9 Jahren, konnte festgestellt werden, dass die Kinder, deren Väter bereits im Alter ab 10 Jahren angefangen hatten zu rauchen, im selben Alter (also 9-10 Jahre) deutlich dicker waren als ihre Altersgenossen, deren Väter ein wenig später mit dem Rauchen angefangen hatten. Diese Auswirkung wurde vor allem an Jungen beobachtet, da durch vererbte epigenetische Programme der Stoffwechsel der Kinder beeinträchtigt wurde. Solche Auswirkungen lassen sich übrigens über mehrere Generationen zurück verfolgen. (1)

Der Autor betont relativ häufig die neu gewonnene Freiheit, die man als irgendwann mal werdende Eltern durch die Erkenntnisse der Epigenetik haben würde, aber es beschleicht einen auch tatsächlich das Gefühl, dass man permanent überwachen sollte, was man zu sich nimmt und wie man sein Leben gestaltet, um bloß keine negativen Auswirkungen zu provozieren. Zwar rauche und trinke (bevor wieder Witzchen kommen: ich beziehe mich hier auf Alkohol. Selbstverständlich trinke ich grundsätzlich andere nichtalkoholische Getränke und lebe nicht vom Licht allein.) ich nicht und bin auch kein riesiger Fan von Süßigkeiten, aber ich bin ein ziemlicher Sportmuffel und wiege ein wenig ‚zu viel‘ als es für meine Körpergröße passend wäre. Aber ich finde es falsch sein Leben krampfhaft durch Ver- und Gebote zu boykottieren. Wobei es da auch immer noch so viele Widersprüche gibt – angeblich sei ja ein leichtes Übergewicht, so wie ich es auch habe, gesünder als ’normal‘ gewichtig zu sein, da solche Menschen demnach ein längeres Leben hätten. Dass ich dem BMI nicht vertraue, hat nichts damit zu tun, dass ich meinen äh..’ausschweifenden‘ Lebensstil rechtfertigen möchte, sondern, dass dort überhaupt nicht mit einbezogen wird, wie viel vom Körpergewicht Muskelmasse ist bzw. wie genau die Proportionen des einzelnen Menschen gelagert sind (Danke an meine liebe Katrin (sie studiert sehr erfolgreich Ökotrophologie), mit der ich darüber bereits einige Male diskutiert habe). Man sollte sich prinzipiell wohl fühlen. Und das tue ich die meiste Zeit.

Eventuell wollte ich mit der Passage über das Rauchen auch nur an jemand Speziellen appellieren, der sich davon vermutlich trotzdem nicht beeindrucken lässt (solltest du aber!). Ich sehe zu, dass ich euch morgen noch etwas schreiben kann, weil ich ab Dienstag erneut für ne Weile unterwegs bin. Der Laptop kommt zwar mit, aber ich werde frühestens ab Freitag wieder damit erreichbar sein!

Haltet euch wacker und produziert nicht zu viel schlechtes (Epi)Genmaterial!

Aber abgesehen davon, gilt: Auch (menschliche) Endprodukte von offenbaren Genmutationen haben ein Existenzrecht! Stoppt die Diskriminierung! (das ist natürlich nicht auf Krebszellen bezogen!)

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(1) Spork, Peter: Der zweite Code. EPIGENETIK. oder: Wie wir unser Erbgut steuern können. Hamburg 2012, S. 218f

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