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Ich entschuldige mich vielmals für die erneute Schreibflaute, die ab morgen entstehen wird, bis Dienstag etwa, aber ich bin noch einmal für eine paar Tage unterwegs. Gestern und heute bin ich leider auch mit meiner Hausarbeit okkupiert, die am 30.09. fällig ist. Momentan ist der Plan sie vorher fertig zu bekommen und ich gebe mir Mühe das Ziel zu erreichen. Damit ihr bis dahin ein bisschen was zu lesen habt, verlinke ich euch einen Beitrag des humanistischen Online-Magazins diesseits, bei dem es um die Auseinandersetzung mit den Ansichten von den so genannten ‚Lebensschützern‘ geht, die mit ihrem ‚Marsch für das Leben‘ seit einiger Zeit von sich reden machen.

Während sie für sich bewusst nationalsozialistische anklingende Begriffe wählen, um ihre Gegner zu diffamieren, scheint es sie hingegen nicht zu stören, dass sie ihren Marsch auch mit Antisemiten und Homophoben begehen – wunderschön, wie hier wieder einmal mit zweierlei Maß gemessen wird. Dem entgegen steht die Organisation ‚Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung‘ zu dem sich einige bereits vorhandende Gruppierungen zusammengeschlossen haben – mit Unterstützung zahlreicher Politiker/politischer Verbände, um ihre Rechte auf Selbstbestimmung einzufordern bzw. zu verdeutlichen. Im Beitrag wird beschrieben, wie die Begegnungen zwischen beiden Seiten teilweise eskalieren und die Politiker mal wieder vor religiösem Fanatismus das Rückgrat verlieren und entsprechend Gelder kürzen für Einrichtungen, die tatsächlich auch ihre Daseinsberechtigung innerhalb der Gesellschaft haben. Ich jedenfalls möchte mich nicht in meinen Entscheidungen von irgendwelchen pseudo-moralischen Institutionen abhängig machen – es ist mein Leben und mein Körper.

Auch, wenn ich es problematisch finde, wenn Frauen Kinder abtreiben, die fest im Leben stehen und es tun, einfach, weil es ihnen grad nicht in den Kram passt – und das vielleicht häufiger mal. Diese Damen sollten sich eventuell gemeinam mit ihrem Partner für gewisse Stunden hinsetzen und das Thema Verhütung besprechen. Grundsätzlich sollte es mir aber nicht zustehen Menschen zu kritisieren, die eine solche Entscheidung fällen, weil ich oft genug gehört habe, wie schwerwiegend diese für das folgende Leben sein kann – auch, wenn das Baby das Ergebnis eines traumatisierenden Erlebnisses wie einer Vergewaltigung ist. Ich denke, dass es wirklich keiner Frau leichtfällt ihr Baby wegmachen zu lassen – aus egal welchem Grund. Aber es ist ihr Körper und sie muss mit den Konsequenzen leben, unabhängig davon, was ihre Gründe für den Vorgang waren. Es ist sehr viel sinnvoller Aufklärung um Verhütungsmöglichkeiten zu betreiben und den Menschen deutlich zu machen, was für eine Verantwortung sie tragen, wenn sie sich gegen eine Verhütung entscheiden. Ein Mal hat eine Frau bei Jürgen Domian angerufen, die ungefähr so alt war wie ich, irgendwas Mitte 20, katholisch und die brühwarm erzählte, dass sie 10 (ich glaube, es waren 10) Kinder hätte, jedoch teilweise von unterschiedlichen Männern. Als Domian entsetzt fragte, wieso sie denn nicht verhüte, entgegnete sie, dass sie katholisch sei und es ihr verboten ist zu verhüten, schließlich sei jedes Kind von Gott gewollt. Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr Domian versucht hat auf sie einzureden das doch bitte zu überdenken und sein zu lassen – schließlich sei sie noch jung und wer weiß, was auf sie und auch auf ihre Kinder zukäme, wenn sie ihr weiteres Leben damit zubringt Kinder zu zeugen, quasi jedes Mal, wenn sie mit einem Mann schläft. Sie konnte diese Argumente einigermaßen nachvollziehen, sagte aber am Ende, dass es für sie dennoch nicht in Frage käme. Ich weiß, dies ist ein extremer Sonderfall – aber irgendwas ist hier wirklich falsch gelaufen. Zudem ich mich erinnere, dass sie nicht jeden dieser Männer geheiratet hat, obwohl Sex vor der Ehe ja nicht erlaubt ist im Katholizismus. Selbst wenn sie jeden geheiratet hätte, hätte dem jeweils eine Scheidung vorangehen müssen, was genauso wenig erlaubt ist. Was für ein Dilemma.

Was mich auch noch stört und bei mir die Frage aufwirft, wieso das niemanden interessiert, ist der Punkt, weshalb Müttern, die in der Schwangerschaft rauchen und trinken, keine Sanktionen drohen. Es werden Frauen moralisch fertig gemacht, die sich aus den verschiedensten Gründen und in den meisten Fällen wirklich schweren Herzens von ihrem Baby trennen, während Frauen, die ihr Baby in sich tragen und es offensichtlich auch behalten wollen, ihrem Ungeborenen extreme Schäden zufügen, indem sie ihren Laster einfach weiterhin frönen. Das hat für mich einen sehr viel mutwilligeren Charakter als die Entscheidung gegen das Austragen eines Babys aus oft schwerwiegenden Gründen. Meine Schwester erklärte mir jedoch, dass ein Fötus vor dem Recht kein fertiger Mensch sei und man diese Frauen auch nicht wegen z.B. Kindesmisshandlung, was es in meinen Augen nämlich ist, anzeigen kann. Das finde ich echt unmöglich. Denen könnte ich immer direkt ins Gesicht schlagen, wenn ich nicht so ein friedliebender Mensch wäre. Abtreibung ist ein sehr sensibles Thema und ein Außenstehender kann meist überhaupt nicht beurteilen, wie die Lebenssituation eines Einzelnen aussieht und was ihn dazu bewegt hat.

Ein weiterer Aspekt, der ebenso sensibel ist, ist die aktive Sterbehilfe. Ich habe mich damit nicht konkret beschäftigt, jedoch bin ich hier auch der Meinung, dass es für die Menschen in der Umgebung des Betroffenen, schwer zu beurteilen ist, wie es demjenigen tatsächlich geht. Und wenn wirklich keinerlei Besserung in Sicht ist und der Betroffene sogar selbst äußert oder vorher schriftlich vermerkt hat, dass er bitte nicht leiden möchte, wenn es soweit ist, sollte sowas absolut möglich und erlaubt sein. Diejenigen, die die Sterbehilfe leisten, sollten vielleicht entsprechend geschult werden und sich dazu imstande fühlen ihren Auftrag ausführen zu können und auch in der Lage sein zu unterscheiden, zwischen notwendiger aktiver Sterbehilfe in einem menschenwürdigen Sinne und Beihilfe zum Selbstmord. Ich habe einen großen Respekt vor Menschen, die täglich mit schwer kranken Patienten zu tun haben und die miterleben müssen, unter welchen Umständen einige von ihnen sich seit langer Zeit quälen. Wie eine Mutter Teresa in solch einem Bereich arbeiten und ihren Patienten problemlos die Schmerzmittel vorenthalten durfte, ist mir allerdings wirklich ein Rätsel. Für mich ist sie schlicht eine böse Frau gewesen, die von ihrem religiösen Wahn verblendet war und diesen auf ihre Umgebung und Hilfebedürftige projiziert hat. Das war eigentlich in der Tat sehr aktive und schmerzvolle Sterbehilfe und dafür wurde sie noch heilig gesprochen…

So, das war jetzt doch spontan ein recht langer Eintrag und ich weiß nicht mal, ob alles, was ich hier jetzt runtergeschrieben habe überhaupt Sinn ergibt, aber die Länge war ja eigentlich auch gar nicht geplant. Sind auch sehr heikle Thmen, die man eigentlich nicht so lapidar hinklatschen sollte.

Und wie (fast) immer ein kleines Schmankerl zum Abschied.

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