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Okay, ich möchte jetzt doch endlich mal wieder etwas schreiben nach dieser endlos scheinenden Zeit der Stille. Ich denke, ich habe mich mittlerweile auch lange genug über die Uni, das Wahlergebnis und andere schöne Dinge ausgeschwiegen. Wo fange ich an? Erstmal: Ich bin aus der Kirche ausgetreten! Hooray for me! Etwa eine Woche danach habe ich einen zauberhaften Brief von der evangelischen Gemeinde hier vor Ort erhalten, die mich dazu einlud an der Gemeindekirchenratswahl teilzunehmen. Das Verwirrende daran: Ich war nun 12 Jahre mehr oder weniger Mitglied dieses Vereins und habe in all dieser Zeit KEINEN EINZIGEN solchen Brief oder überhaupt irgendeine Art von Post der Kirche bekommen. Noch nie! Jetzt trete ich aus und diese Leute da fangen an zu geifern und ihre gierigen kleinen Hände nach mir auszustrecken, dass ich doch bitte nicht gehen soll! Dieser Eindruck wurde untermauert durch einen zweiten Brief ca. zehn Tage später, in dem mir mitgeteilt wird, dass mein Austritt bedauert würde und ich mir doch bitte darüber im Klaren sein solle, dass durch meinen Austritt eventuell nicht mehr gewährleistet ist, dass christliche Einrichtungen für das Allgemeinwohl, wie Altenpflegeheime, Kitas, etc. aufrecht erhalten werden können. Ich zitiere wörtlich ‚Durch ihre [sic!] Aufkündigung der Solidargemeinschaft schwächen Sie die Möglichkeiten der Kirche, für andere da zu sein. Das betrifft auch alle Angebote der Kirche im sozialen Bereich wie z.B. in Krankenhäusern, Altenheimen oder auch in Beratungsstellen. Vielleich sind Ihnen diese Konsequenzen nicht gleichgültig.‘

Okay, halten wir also fest: Ich bin schuld, dass alte Menschen unter der Brücke leben müssen, weil ich die Solidargemeinschaft schwäche? Welche Solidargemeinschaft? Wann war jemand von diesen Menschen mit mir solidarisch in all den Jahren? Sie sind ja nicht mal solidarisch mit mir, dass man keinen Gott braucht, um ein glückliches und soziales Wesen gegenüber seiner Umwelt und Mitmenschen zu sein. Diese so genannte Solidargemeinschaft ist doch diejenige, die im Gegensatz zu meinem Konzept ihre guten Taten erst aufgrund der daraus resultierenden Liebe und Anerkennung Gottes vollbringt, während ich mich einfach generell für Menschen einsetze, unabhängig von irgendwelchen konkreten Kategorien. All diese Petitionen, die ich in meinem Leben unterschrieben habe, kamen noch nie von einer religiösen Gemeinschaft. Was natürlich nicht heißt, dass es sie nicht gibt. Aber jeder weiß doch, dass ‚Liebe nur durch Leistung‘ das problematischere Erziehungskonzept ist. Und außerdem: Was für eine Frechheit ist es, dass ich all die Jahre heimlich gottlos lebte, Mitglied der evangelischen Kirche war, ohne auch nur irgendeines ihrer Angebote genutzt zu haben und die mir nun versucht ein schlechtes Gewissen einzureden, weil ich ihre Monopolstellung in einigen Bereichen untergrabe? Das spricht leider enorm für ein rein wirtschaftliches Anliegen meiner Mitgliedschaft.

Es gibt natürlich noch Strafen, in Form von ‚Dann dürfen Sie nun auch nicht mehr kirchlich heiraten! Mimimi!‘. Das ist jetzt sehr bitter. Ich wollte so gerne vor einem Fantasiewesen schwören, wie sehr ich meinen Freund liebe. Als ob dieses Spannerwesen nicht eh schon überall dabei wäre. Muss es auch noch am so genannten schönsten Tag des Lebens zugegen sein. Als ob ich es nicht ohne es hinbekomme. Hat doch bisher auch gut geklappt, zumindest die 14 Jahre meines Lebens vor der Konfirmation. Es tut mir auch sehr leid, dass ich mich nun wieder für ein Leben entschieden habe, das nicht unbewusst von der Angst getrieben wird einem solchen Wesen nicht gerecht werden zu können. Und für ein Leben, das in seiner Nächstenliebe alle Menschen einschließt und nicht vorsortiert, wer einem in den Kram passt, um in einem gesonderten Club namens kirchliche Solidargemeinschaft mitwirken zu dürfen bzw. nun das Recht verwirkt hat von diesen Leuten dort irgendeine Form von Hilfe zu erhalten. Bäm! Das hast du jetzt davon, Saskia! (Aber: Die wissen vermutlich nicht, dass ich einen großartigen Freundeskreis und eine ebenso großartige Familie habe, die für mich da sind, mir zuhören und mich zu dem aufrechten Menschen machen, der ich bin. Meine Beratungsstelle ist mein soziales Umfeld, auf das ich mich verlassen kann und die mich nicht danach bewerten, an welches pseudoheilige Wesen ich glaube oder nicht glaube. Sie helfen mir einfach, weil ich ein Mensch bin. Klingt komisch, ist aber so. Diese Ansichtsweise scheint allerdings nicht für alle Menschen dieses Planeten zuzutreffen, sonst würde es solche VIP-Einrichtungen nicht geben. )

Nett fand ich es auch, dass es in diesem Schreiben ein PS gibt, indem mir mitgeteilt wird ‚Am 20.10.2013 wird der Gemeindekirchenrat unserer Kirchengemeinde gewählt. Ihr Austritt erfolgte nach der Erstellung des Wahlberechtigtenverzeichnis, so dass Sie in den nächsten Tagen per Post noch eine Wahlberechtigung erhalten. Da Sie nicht mehr wahlberechtigt sind, wurden Sie per Hand im Wahlberechtigtenverzeichnis gestrichen.‘ – Interessanterweise kam dieser Brief aber nicht nach dem Bedauernsschreiben, sondern eine Woche davor. War da vielleicht sogar Berechnung im Spiel? Dachten diese Leute, sie könnten mich nach 12-jährigem ‚- man kann diesbezüglich ja nicht einmal  von einseitigem Kontakt sprechen, eigentlich war gar kein Kontakt vorhanden, von keiner Seite, nicht mal von Gott! -‚ mit einer bescheuerten Einladung zur Abstimmung für die Kirchengemeinderatswahl ködern? ‚Wir möchten nichts unversucht lassen, Sie zum Überdenken Ihrer Entscheidung zu bewegen. Vielleicht lassen sich durch ein Gespräch Probleme aus dem Weg räumen.‘ Deren Probleme? Oder die Probleme Luthers mit den Juden seinerzeit? Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll denen mitzuteilen, welche Gründe ich alles habe nicht mehr in ihrem Verein dabei sein zu wollen. Aber gut. Ich dachte, ich teile euch mal den Ausgang dieser Aktion mit, von der ich fürchte, dass es kein Happy End geben wird – also, außer für mich.

Nachdem ich meine Hausarbeit mittlerweile fertig hatte, darf ich nun spontan doch noch eine weitere schreiben, da mein einer Dozent nach zwei Monaten feststellte, dass er eine E-Mail von mir bekommen hatte, mit der Anfrage auf einen Sprechstundentermin zwecks Hausarbeitsthemenbesprechung. Das wird jetzt also in Windeseile noch bewerkstelligt. Was ich aber eigentlich sagen wollte: Ich schaute während meiner kurzen Phase von Feriengefühl, nach der Abgabe der einen Hausarbeit und des Essays, auf den ich in einem meiner nächsten Beiträge eingehen werde, natürlich Let’s Plays. Ich weiß, einigen Menschen erschließt sich der Sinn dahinter nicht, aber ich empfinde es als sehr beruhigend, dass ich nicht alle möglichen Horrorspiele selbst spielen muss und notfalls einfach während bestimmter Sequenzen auf Toilette gehen kann. Außerdem habe ich mich bereits selbst darauf programmiert beim Minecraft-schauen müde zu werden, sobald ich mich in die Seitenposition bringe, dem ‚plöp plöp‘ lausche und dem Zerhacken von Steinen und anderen Materialien zuschaue…Jedenfalls wollte ich nur darauf hinaus, dass das Spiel ‚Outlast‘ seinen Weg in dieses Youtube-Format fand und es darin u.a. um eine übernatürliche Erscheinung namens Walrider geht. Das ist aber auch nur ein Aufhänger für meinen eigentlichen Punkt: Dieser Walrider ist eine geisterartige Entität und der eine Let’s-Player rief einige Male während des Spiels fragend aus, als sich der Walrider häufiger zeigte, wie man sich als Protagonist denn vor diesem Wesen schützen solle, wo doch jeder wisse, dass Geister durch Wände hindurchmorphen können.

Ja, meine Überlegung war nun: Woher weiß ‚man‘ das? Ich finde es irgendwie spannend, dass es so viele Legenden und Mythen gibt, die sich hartnäckig seit Ewigkeiten im Kultur- und Gedankengut der Menschen halten, ohne, dass auch nur irgendjemand tatsächlich beweisen könnte, DASS es Geister gibt und dass sie auch noch ausgerechnet durch Wände gehen können z.B. Dass Zombies Gehirne essen und generell all diese Gestalten bestimmte Fähigkeiten haben, die ein Mensch nicht hat. Versteht ihr, was ich meine? Es weiß ja wirklich jeder, dass Geister durch Wände gehen können, aber keiner weiß, woher er das eigentlich weiß. Es wird schlichtweg als allgemeingültiges Wissen reproduziert und kaum hinterfragt. Sicherlich haben solche Aussagen in unserer Zeit meist keinen ernst gemeinten Zusammenhang, bzw. es ist für den Großteil klar, dass es sich hierbei um eine bewusste Täuschung eines Schöpfers (in dem Fall ein Autor z.B.) handelt, eingebettet in einen Film, ein Buch oder einen sonstigen Rahmen. Und auch, wenn ich als rationaler Mensch nicht an solche Wesen glaube, kann ich mich dennoch in so eine surreale, absurde, dennoch aber vermeintlich real existierende Welt fallen lassen und für einen Moment so tun, als könnte all dies wirklich geschehen. Wobei ich zugeben muss, dass mich ein sehr intelligenter, psychopathischer Serienkiller deutlich mehr gruselt als eine riesengroße Monsterspinne oder ein Werwolf. Schlichtweg, weil der reale Bezug so stärker ist und den Gruselfaktor erhöht. Ich finde aber trotzdem auch Filme wie Paranormal Activity durchaus beunruhigend, obwohl kaum etwas passiert. Was sicherlich damit zusammen hängt, dass jeder dieses Gefühl kennt, nachts Geräusche zu hören, man aber nicht ausmachen kann, woher sie kommen. Diese instinktive Angst im Schlaf überrascht zu werden. Und wenn es sich dann noch um etwas handelt, das nicht direkt sichtbar ist – zumindest nicht für’s menschliche Auge….da neige ich sehr zum Reinsteigern in die eigene eventuell brenzlige Situation..manchmal zumindest!

Ich freue mich also sehr auf Halloween und stehe auch enorm auf diesen kitschigen Grusel, weil ich dann für einen Moment in eine andere Rolle in einer anderen Umgebung schlüpfen kann, und sich das Diesseits für einen Tag lang in eine Art Vorhölle verwandelt. Nur, dass all meine Freunde auch da sind und wir gute Musik hören können!

That’s another bäm!

Wer es übrigens nicht mehr bis Halloween aushält mit dem Gruseln: https://twitter.com/tebartz_vanelst

für alle anderen, die noch keine Kostümidee haben:

ned-flanders-halloween-costume

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