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…it’s a lot like life.

Dass ich ein allgemein in jeglicher Form schlechter Mensch bin, wusstet ihr ja schon. Nun kommt noch zu meiner color blindness, die ich ständig betreibe, und auf die ich später noch einmal konkreter eingehen werde, meine neoliberalistische Seite. Ich bin ein neoliberalistisches Arschloch, weil ich Kinder als Individuen betrachte und ihnen Rechte zugestehen will, genauer gesagt, ich will sie vor der Beschneidung RETTEN!!! Ich tue einfach so, als müsste ich – als Frau der westlichen fucking Welt –  die andere Welt retten und ihnen Rechte zugestehen. Das ist einfach abscheulich. Ich musste kurz aufhören mit dem Schreiben, weil ich mir mit meiner Swarovski-Steinen besetzten Peitsche den Rücken blutig schneiden musste..Sorry. Wenn schon bestrafen, dann mit Stil!

Es handelt sich hier um eine neoliberale Logik (der Wortlaut war: neoliberaler Sprech), wenn man Menschen bzw. Kinder vor etwas retten will, wie z.B. Beschneidung und zu viel Wert auf die Rechte des Individuums gelegt wird und eine Aussage wie ‚Meine Religion schreibt mir das vor‘ nicht mehr zählen würde. Immerhin ist das ja allein unsere Auslegung hier in der so genannten westlichen Welt, was diese Rechte beinhalten bzw. wie sie ausgelegt werden und dass sie angeblich universell seien. Das ist unsere persönliche Anmaßung, dass wir uns einbilden, wir müssten allen Menschen dieselben Rechte zusprechen. Genauso wie es u.a. in dem Text beschrieben wurde, den wir lesen mussten (ach, es geht übrigens um das Rassismus-Seminar..). Da wurde kritisiert, dass Frankreich als laizistischer Staat das Burka-Verbot eingeführt hat und somit die Menschen dazu zwingt sich diesem Gesetz zu beugen, um Teil der Nation Frankreichs zu sein. Also, dass man dort nur als ‚echter‘ französischer Staatsbürger anerkannt wird, wenn man dieses Verbot respektiert/akzeptiert und sich daran hält. Nun bemängeln die Autor*innnnnnen, dass das ja wieder so eine westliche Geschichte wäre, die davon ausgeht, eine Frau wäre nur dann als ‚frei‘ zu bezeichnen, wenn sie diese Burka nicht trägt, weil diese ja als Zeichen der Unterdrückung gelte, vor der man mindestens als Staat diese Frau RETTEN müsse. Was natürlich Quatsch ist.

Jeder weiß, dass eine Burka grundsätzlich kein Anzeichen von irgendeiner Form von Unterdrückung darstellt, sondern generell von Selbstbestimmung und persönlicher Freiheit (die Definition ist selbstverständlich die der westlichen Welt, die festlegt, was genau Selbstbestimmtung und persönliche Freiheit bezeichnet) zeugt. Und ja, ich bin mir bewusst, dass dies tatsächlich der Fall sein kann. Aber, soweit ich informiert bin, nicht die Regel ist. Wisst ihr was? Lassen wir die einfach machen. Scher ich mich einen Scheiß drum, was andere tragen und tun. Ich helfe niemandem mehr. Sicherlich kann auch ein Mensch (also eher eine Frau und alle anderen Geschlechter, bis auf den Mann – weil der ist ja schuld.) unterdrückt werden, wenn er nach westlichen Standards gekleidet ist – darum würde sich quasi dann ja auch niemand kümmern. Aber es ist definitiv ein dicker Hund, dass Frankreich sich herausnimmt so etwas wie eine nationale Identität zu definieren und Rechte und Gesetze bestimmt. Ist ja nicht so, dass ich mich in z.B. einem muslimisch geprägten Land auch an die dortigen Kleiderordnungen usw. halten müsste, um keine Probleme mit dem Gesetz zu bekommen. Aber das ist sicherlich aus irgendeinem Grund okay, bzw. ‚Es geht in diesem Kurs nicht um die…Anderen. Es geht um Deutschland und Europa und nicht, was andere Länder tun.‘

Toll war es auch, als ein*e Kommiliton*in*e meinte, dass er/sie/es es unglaublich fände, dass sogar an der Uni hauptsächlich Schwarze bzw. people of color Arbeiten wie Toiletten putzen verrichten würden. Ich war SO kurz davor zu fragen ‚wieso machst DU die Arbeit nicht? wer zwingt dich denn hier studieren zu müssen?‘ nur, um mir die Frage anschließend selbst zu beantworten: ‚Ach ja, der Neoliberalismus. bäm!‘ – ich für meinen Teil habe bereits ‚beruflich‘ Toiletten geputzt und die angetrocknete Pisse von anderen Leuten mehrfach aufgewischt. Ich wüsste gerne mal, wie viele von diesen Leutchens in meinem Kurs solche Arbeiten tatsächlich schon verrichtet haben. Es sollte eine Deutsche-WEISSE-Student*innen-Quote bei dieser Art von Berufen eingeführt werden, damit jede*r endlich von persönlichen Erfahrungen sprechen kann! Halleluja! Abgesehen davon: Gibt es eine Frauenquote bei der Müllabfuhr? Oder im Bereich von Abflussarbeiten? Nein? Ach so. Das ist ja jetzt..überraschend. nicht. Zum Glück macht mich diese Art von Doppelmoral und Heuchelei immer richtig glücklich. Ist immer gut, wenn man mit dem Finger auf Andere zeigen kann. Btw.: mal eine total rassistische Frage: Wenn Europa und allgemein die westliche Welt so unfassbar rassistisch, heuchlerisch (das ist zumindest der Tenor des Kurses, dass Europa sich ‚divers‘ gibt, aber sich in Echt abschottet und Grenzen baut, um das Pack draußen zu lassen) und allgemein neoliberalistisch ist und anderen Menschen ihre kranken und völlig paranoiden Wertvorstellungen aufdrücken will: Wieso kommen Flüchtende (edit: Geflüchtete) hier her? (ich hab Flüchtende gesagt anstatt von Flüchtlinge! Veeiii!!! political correctness-edit: ich erfuhr just, dass das Wort doch Geflüchtete heißt.) Was wollen die hier? Hat sich das noch nicht rumgesprochen, wie scheiße es hier ist? Wie unterdrückend und unfair und strukturell rassistisch die Idioten hier sind? (Wisst ihr, wenn ich solche Sachen schreibe, tut es mir immer leid um den WIRKLICH stattfindenden, auch strukturell bedingten Rassismus…) Übrigens wohnt der Großteil des Kurses natürlich in Berlin und nicht in Frankfurt/Oder, wo all die Arbeitslosen und Nazis rumlaufen (und wo sie zur Uni gehen). Bezeichnend? Bestimmt nicht! Ist ja nicht so, dass sie GENAU solche Gründe anführen hier nicht wohnen zu müssen/wollen.

Abgesehen davon: Ich dachte, das wäre hier ein Rassismus-Seminar? Wann lerne ich endlich wie Hitler zu sprechen?!

Meine Güte bin ich sauer. Meine Bäckchen (die im Gesicht, du Sexist!) sind immer noch ganz rot vor Emotionsstau. Und wisst ihr was? Neulich ist sogar schon eine schwarze Katze vor mir weggelaufen. Dennoch schrieb mir meine Dozentin zu meinem einen Response Paper über Passing (das Phänomen innerhalb einer mehrheitlich weißen Gesellschaft in der schwarze Menschen mit hellerer nuancierter Haut als Weiße durchgehen und somit nicht als Schwarze erkannt werden) zurück, dass ich auf einem sehr guten Weg sei. Endlich! Die Selbstkasteiung trägt offenbar Zeus-sei-Dank! Früchte. So und à propos Passing: Ich lernte neulich ja, dass es rassistisch ist zu sagen: ‚Ich mag dich nicht, aber das hat nichts mit deiner Hautfarbe zu tun!‘ Okay. Soweit kann ich noch folgen. Der Punkt ist aber, dass es irgendwie – für mich zumindest – logisch ist, dass ‚jemanden nicht mögen‘ grundsätzlich eher nichts mit Hautfarbe zu tun hat. Somit ist dieser Zusatz in diesem Zusammenhang absolut rassistisch – klar. Gut, jetzt ist es aber ja so, dass ich als weiße Person von Geburt an Rassist bin. Weil ich weiß bin. Die schwarze Person, die ich nicht mag, also mein Gegenüber in diesem fiktiven Dialog, ist selbstverständlich in demselben Wissen, weil man eben weiß, dass weiße Menschen Rassisten sind, ob sie wollen oder nicht. Das hatten wir ja alles schon. Die nächste Überlegung, die eigentlich beim genaueren Nachdenken jetzt gerade hinfällig ist, ist aber, dass ich natürlich nicht als Rassist in Erscheinung treten will (obwohl ich aus diesem Dilemma sowieso niemals heraus komme – und Blackfacing ist ja verpönt, hab ich gehört…) und somit zu dem Satz ‚ich mag dich nicht,…‘ noch den Zusatz ‚…aber das hat nichts mit deiner Hautfarbe zu tun‘ anfüge. Einfach aus Angst falsch positioniert zu werden. Dieser Zusatz macht mich aber dann direkt noch mehr zum Rassisten (s.o.).

Aber jetzt kommt der komplizierte Teil: Wenn du einfach nur sagst ‚ich mag dich nicht!‘, dann könnte dein Gegenüber davon ausgehen (also, was er eh schon tut aus eben genannten Gründen), dass du seine Hautfarbe negierst und somit color blindness betreibst, und ergo nicht anerkennst, dass er als Schwarzer aufgrund seiner Hautfarbe diskriminiert wird in jeglicher Hinsicht und von jeglicher Seite – ob Behörde o.ä. Du siehst ihn in dem Moment, wenn du ihm das mitteilst, dass du ihn schlichtweg nicht magst, als Mensch. Das ist rassistisch. Er ist ein Schwarzer. Es ist sehr wichtig, dass man das ständig im Hinterkopf behält, um sich selbst immer daran zu erinnern, dass man als Weißer eine Erbsünde mit sich herumträgt und den Schwarzen als Opfer der Vergangenheit und der Gesellschaft sieht, dem du jetzt, weil du ja Reue zeigen willst für all das, was seiner Bevölkerungsgruppe durch deine Hautgenoss*innen zugestoßen ist, mitteilst, dass du dich für all das verantwortlich fühlst und ihn wiederum indirekt zum Opfer machst – was ja jeder Mensch immer richtig gut findet. Wer kennt das nicht, dass Menschen mit Behinderung permanent davon sprechen, dass sie endlich als Opfer der Gesellschaft gesehen werden wollen und nicht als vollwertige Mitglieder ebenjener? So ist es. Klingt logisch. Ergo möchte ein Schwarzer auch weiterhin als Opfer gesehen werden, dem man jetzt demütig entgegen tritt und vor lauter Scham nur noch zu Boden schaut, weil man nicht mehr weiß, was man sagen darf. Das findet der richtig gut, ich sehe es bildlich vor mir. Nur auf seine Hautfarbe reduziert zu werden – mal wieder.

Es geht mir mittlerweile wirklich schon so, dass ich mich innerlich verurteile, wenn ich auf meinem Mp3-Player, der auf ‚Zufall‘ eingestellt ist, was die Liederabfolge betrifft, Diana Ross wegschalte, dann aber bei David Bowie hängen bleibe und ihn mir anhöre. Das ist doch Rassismus, oder? Es hat nichts damit zu tun, dass mir gerade gemütsmäßig nicht nach 60er Jahre Pop/Soul zumute ist, sondern ausschließlich mit der Tatsache, dass Diana Ross eine Schwarze ist. Wohingegen ich mir schon überlegt habe, dass es eigentlich ein Ritterschlag ist, wenn man als weiße*r Sänger*in hört, dass man wie ein*e Schwarze*r singt. Übrigens dachte ich das bei Tasmin Archer mit ‚Sleeping Satellite‘ umgekehrt. Da dachte ich grundsätzlich, dass sie eine Weiße wäre und stellte fest, dass sie schwarz ist. Was immer das jetzt bedeutet. Ein Phänomen in der Hinsicht ist ja tatsächlich Eminem, der sich als Weißer in einer schwarzen Musikszene einen Namen gemacht hat und offenbar auch noch akzeptiert und integriert ist. Aber ganz ehrlich: Mich macht das langsam wirklich krank, dass ich eine tolle Frau und Sängerin wie Skin von Skunk Anansie jetzt hauptsächlich mit den Augen einer Weißen zu einer Schwarzen betrachte – wo es mir vorher wirklich absolut und color blind-mäßig egal war, wie sie überhaupt aussieht und lediglich von ihrer grandiosen Stimme fasziniert wurde. Lenny Kravitz war sogar mein erstes Konzert. Da habe ich auch nie drüber nachgedacht. Dasselbe bei Prince, de ich super finde. Abartig. Ich fühle mich gestört. Aber das bedeutet sicherlich, dass ich auf dem ‚richtigen‘ Weg bin…

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