Schlagwörter

, , , , ,


Leute, es tut mir total leid, dass ich mich seit über einem Monat dieser Plattform hier entziehe, aber das Rassismus-Seminar hat offenbar diverse Auswirkungen auf mich, sodass ich zur Zeit absolut nicht mehr weiß, wo ich überhaupt stehe und welche Ansichten ich vertrete. Bei manchen Dingen gehe ich voll d’accord und dann gibt es wieder Momente, bei denen ich mich sehr aufrege. Ich bin völlig durcheinander, muss mich mit Aussagen von Herrn Sarrazin rumschlagen und werde immer indirekt mit meinem ‚eigenen‘ Rassismus konfrontiert, weil ich ein Problem mit Religionen habe – ergo auch mit dem Islam.

Dass man hierzulande z.B . das Christentum beschimpfen (wie sich das anhört..als würde ich hier anprangern, wenn jemand das Christentum beschimpft. Haha. So schlimm isses nun doch noch nicht mit mir..) oder quasi ohne weiteres einen kausalen Zusammenhang zwischen der katholischen Kirche und Homophobie aufzeigen darf, dies aber z.B. mit dem Islam irgendwie nicht erlaubt ist, verwirrt mich. Obwohl ich auch schon Texte darüber las, was für eine Doppelbelastung muslimische Homosexuelle haben, wenn sie von der ‚weißen‘, homosexuellen Szene innerhalb einer (westlichen) Gesellschaft nicht akzeptiert werden, weil diese Szene davon ausgeht, es könne quasi nur weiße Homosexuelle geben und gleichzeitig noch von ihrer muslimischen Familie, für die das Thema ebenso keinerlei Relevanz hat. Der Islam spielt also in dieser Situation in Bezug auf Homophobie keine Rolle, ja? Wann sind also bestimmte Kritiken angebracht und wann nicht? Ich habe in meinen Response Papers für den Kurs, in denen wir ‚relativ offen‘ unsere Reaktionen auf die zu lesenden Texte darlegen dürfen, mehrfach gefragt, wie denn die Lösung für einige der offensichtlich festgefahrenen Situationen aussähe, weil ich mich ja sehr gerne gegen konkrete Missstände engagieren möchte, aber irgendwie keinerlei Ahnung habe wie ich aus diesen Zwickmühlen meines eigenen weißen Seins heraus kommen soll.

Meine Dozentin griff diese Sehnsucht nach Lösungen im Kurs auf und meinte, dass Kultur- bzw. Sozialwissenschaften nicht dazu da seien nach Lösungen zu suchen, sondern Probleme aufzuzeigen und zu sensibilisieren (vergessen sind die Zeiten, in denen ein mit ihr befreundeter Dozent aus meinem Gender-Kurs der Ansicht war/ist, die Kulturwissenschaften seien der Wahrheit am nächsten – welche Wahrheit war das nochmal..?!). Aha. Das fand ich natürlich ganz wunderbar, weil es einem in solchen Fällen wie nach einem tragischen Film geht, bei dem das Herz nach Harmonie und Auflösung schreit.. Eigentlich seltsam, dass ich trotz dieser Sehnsucht nach Happy End eine große Liebe für seltsam gestaltete Filme wie von David Lynch habe. Diese Art Unbefriedigung stört mich, wie es aussieht, nicht so sehr wie die Hilflosigkeit, mit der ich jedes Mal wieder konfrontiert werde, weil mir zwar gesagt wird, ich sei ein Arschloch, ich aber gar nicht wirklich weiß, wieso ich das bin und vor allem, wie ich dem entgegen wirken kann. That makes me a saaaaad panda. Der Kurs geht noch etwa zwei Wochen und ich weiß jetzt schon, dass bei mir erneut ein großes Fragezeichen zurück bleiben wird und der Wunsch aufkommt wieder in meiner alten, bequemen Zeit zu leben, als Wissenschaftlichkeit noch existierte und der Schwammspinner in meinem Wortschatz noch nicht mal ansatzweise zu erkennen war. Und ich mich einfach nur für Menschen einsetzen wollte, die unter unmenschlichen bzw. menschenunwürdigen Bedingungen leben müssen…

Ein bisschen tragisch bin ich schon, oder? Völlig allein gelassen mit unzähligen Denkansätzen, dem ständigen Prüfen meiner eigenen Gedanken, die letztendlich immer wieder dazu führen, dass ich nur eine Rassistin sein kann. Es wurde letztes Mal im Seminar u.a. gefragt, wer denn die wissenschaftlichen Standards mache bzw. was für Intentionen denn dahinter stehen würden. Und ob durch genau diese Standards nicht bewusst bestimmte Stimmen mundtot gemacht würden. Ich weiß nicht, auf welche Stimmen da angesprochen wurde, aber ich bin jetzt mehrfach in den Texten darauf gestoßen, dass das Rufen nach Meinungsfreiheit in jedem Fall rechts anzusiedeln ist. Ergo bin ich rechts (ganz was Neues!), weil ich es unfair finde, dass ich nicht sagen darf, was ich vom Islam, völlig ‚wertfrei‘ und rein von meiner allgemein religionskritischen Sicht heraus, halte. Weil, ich traue mich das tatsächlich nicht mehr zu äußern. Einerseits wird immer wieder das Patriarchat in Deutschland kritisiert (meinetwegen auch zu Recht in bestimmten Zusammenhängen) und die Gründe hierfür sind klar und unumstößlich. Weswegen es aber in anderen Ländern definitiv und ganz konkret Patriarchate gibt, hat zumindest also nichts mit dem Islam zu tun. Es müssen wohl andere Gründe sein – aber wir haben uns ja auch aus bestimmten Gründen unsere westlichen Werte zurecht gebastelt (Machterhalt for teh win!), gebunden an bescheuerte Rechte wie Menschen- und Frauenrechte etc. Das Thema hatten wir ja bereits vor einigen Monaten, dass es eine Anmaßung seitens der westlichen Welt wäre, anderen ihre Werte und Vorstellungen von Menschenrechten überzustülpen. Und nur, weil eine Frau mit Kopftuch ein Kopftuch trägt, haben ‚wir‘ noch lange nicht das Recht davon auszugehen, sie sei unfrei, weil sie mit großer Wahrscheinlichkeit Freiheit ganz anders interpretiert als die ‚westliche‘ Welt. Sicherlich gibt es Frauen, die auch mit Kopftuch selbstbestimmt und selbstbewusst ihr Leben leben, das stelle ich gar nicht in Frage. Aber irgendwoher muss doch die Vermutung kommen, dass Frauen, die ein Kopftuch tragen, unterdrückt werden.

Ich habe sogar vemehrt, vor allem von männlicher Seite (gemäßigt muslimische/ex-muslimische Männer), gehört, dass es undenkbar sei, dass eine Frau mit Kopftuch tatsächlich als ‚frei‘ (im Sinne einer freien Entscheidung für das Tragen eines Kopftuchs) bezeichnet werden könnte. Internalisierung? Gibt es doch nur in der ‚westlichen‘ Welt. Im Islam gibt es keine Internalisierung, lediglich freie Entscheidungen auf der Basis einer anderen Interpretation von Freiheit. Puh, jetzt hab ich mich grade wieder ganz schön selbst verwirrt. Wieso schreit die Oppositon in der Ukraine eigentlich nach einer Regierung, die sich nach ‚westlichen‘ Werten richtet? Oder sind das andere Werte als die, die laut meinem Kurs quasi als hegemoniales Instrument missbraucht werden?

Was ich mich übrigens schon lange frage und auch schon mal angedeutet habe: Kann ein Mensch mit Behinderung, wie etwa Herr Schäuble rassistisch sein? Die Antwort steht immer noch offen. Bitte um Abhilfe!

Und was hat es eigentlich mit dieser Petition gegen die ‚regenbogenmäßige Ideologisierung des Lehrplans in Baden-Württemberg‘ auf sich? Ich meine…klar Ideologie ist nicht so super, wenn es eigentlich um Wissenschaft gehen sollte. Aber haben da Leute wirklich Angst, dass in Textaufgaben in Mathe auf einmal stehen könnte, dass ein*e Transsexuelle*r sich zwei Äpfel kauft und wenn er/sie/es einen an eine intersexuelle Person gibt, wie viele dann noch übrig sind, stehen könnte? Bzw. selbst, wenn es diese Umformulierungen geben sollte, ist es weniger ideologisch, wenn da, wie sonst jahrzehntelang, nur von einer Familienkonstellation à la Frau, Mann, Kind gesprochen wird und Herr Müller sich zwei Äpfel kauft und einen an Frau Müller abgibt? Wo ist da der Unterschied und wo fängt dann Ideologie an? Sobald es eine ‚Minderheitengruppe‘ der Gesellschaft trifft? Eigentlich finde ich es wirklich eine gute Idee, die Kinder mit ihrer eigenen Sexualität bzw. ihren Neigungen zu konfrontieren und ihnen die Botschaft zu vermitteln, dass es völlig in Ordnung ist zu sein wie sie sind. Egal, wie das aussieht. Und wenn es auf Schulhöfen nicht mehr als Schimpfwort gilt ’schwul‘ zu sein…Vielleicht habe ich da etwas missverstanden in Bezug auf diese Lehrplanumstellung, aber irgendwie hat mir all das, was ich genrell darüber lesen konnte, nicht besonders viele Sorgen bzw. Ängste bereitet, dass in Zukunft das wissenschaftlich-neutrale Arbeiten bzw. Lernen gefährdet sein könnte. Aber ich bin auch ziemlich naiv.

Ich las auf einem anderen Blog, dass es zusätzlich zu der Problematik mit der Gender-Ideologie in Bezug auf die Wissenschaft, auch noch unfair sei, wenn man nur Sexualität bzw. sexuelle Neigungen als Parameter in den Unterricht einführen würde. Wo seien denn andere Diskriminierungsformen, für die Kinder genauso sensibilisiert werden müssten? Stimme ich eigentlich zu. Aber in dem Fall geht es nun mal erstmal um andere Themen.

So. Verwirrungspensum für heute erfüllt. Ich glaube, ich wurde gebrochen…Ach, und frohes neues Jahr! Ich bastele nun weiter an meinem Referat über die Tabuisierung der Beschneidungsdebatte in der Presse…

Und ein herzliches Hallo! an meinen einen Fan da draußen! 🙂

…was zu der ganzen Verwirrung noch hinzu kommt:

Bild

Advertisements