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Ich weiß, es ist sehr lange her und der Großteil hier wird vermutlich gehofft oder gedacht haben, dass dieser Blog tot ist. Leider oder zum Glück ist dem nicht so. Es ist jedoch jemand gestorben. In meiner Familie. Und das hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen, sodass ich auch immer noch und für lange Zeit das Gefühl haben werde, ich würde schweben. Bitte respektiert, dass ich hier nicht nach außen tragen werde, um wen es sich handelt. Es ist eine sehr nahestehende Person gewesen und es ist so surreal, dass ich nicht weiß, ob ich es je begreifen werde.

Trotzdem möchte ich mich entschuldigen für die lange Abwesenheit. In der Zwischenzeit ist so wahnsinnig viel passiert, in der Politik, in der Gesellschaft, auf der Welt und in meinem Leben, dass ich gar nicht so recht weiß, wo genau ich anfangen soll. Sicher, ich hab Themen im Kopf und ich hatte immer mal wieder Momente, in denen ich dachte ‚Alter, darüber muss ich eigentlich echt schreiben nachher!‘, es aber dann doch nicht getan habe. Menschen schickten mir Videolinks und Artikel über Feminismus und all so ein Zeug. Dazu muss ich sagen, dass ich in erster Linie nie ein feminismuskritischer Blog sein wollte oder mich als solcher fühle. Es ist ein Thema, das interessant ist, weil es enorm polarisiert. Es macht mich wütend, traurig oder amüsiert mich. Ich bin weder Feministin noch Antifeministin. Ich will einfach nur leben und andere leben lassen. Zumindest so weit, wie es niemandem schadet oder die Selbstbestimmung einschränkt. Zudem habe ich schmerzlich lernen müssen, wie unwichtig bestimmte Themen im Angesicht des Todes sind. Wie schnell ein Leben vorbei sein kann und wie banal letztendlich alles erscheint.

Mensch weg. Und jetzt? Alles, was dieser Person gehörte, scheint auf einmal keinerlei Bedeutung mehr zu haben. Die wurde den Dingen beinahe ausschließlich durch diese eine Person gegeben. Mag sein, dass ihr nun denkt: ‚So what, Saskia? Menschen sterben eben. Guck doch mal dort und in diesem Land da, was die Leute so erleben. Du hast doch die und jene Privilegien. Shit happens.‘ Ich durfte mir auch Äußerungen anhören wie ‚Ach, Saskia. Es ist nun ein halbes Jahr her. Reicht auch langsam mit dem Trauern!‘ Kann sein. Ist mir egal. Meine Probleme und Sorgen sind real für mich und niemand auf der Welt hat das Recht mir das abzusprechen. Durch solche Situationen lernt man auch, wer gut für einen ist und wer nicht. Mir ist klar, was auf der Welt geschieht. Ich nutze meine Empathie, wann immer es geht. Versuche mich in Menschen hinein zu versetzen, die sich auf eine gefährliche Reise aufmachen, allein in der Hoffnug den Traumata und dem Tod zu Hause zu entkommen. Nur, um dann woanders doch den Tod oder weitere Traumata zu finden, die sie vermutlich ihr ganzes Leben nicht überwinden werden. Ich kann mir nur grob vorstellen, wie sich solch eine Erfahrung anfühlt und was sie mit einem macht. Aber allein das reicht mir aus, um mitfühlen zu können und zu wollen. Trotz allem macht das meinen eigenen Schmerz nicht unrealer. Und ich verbitte es mir, dass man mir in solchen Situationen meine Privilegien vorhält.

Eigentlich weiß ich gar nicht genau, worüber ich hier gerade schreiben wollte und jetzt ist schon wieder ein ganz schön langer Text entstanden. Vielleicht wollte ich sagen, dass ich noch da bin, dass ich lädiert bin und ich einfach keine Kraft habe mich mit Political Correctness, Genderkrams oder Feminismus auseinander zu setzen. Diese Themen sind so aufgeblasen, dass die Realität für die meisten, die sich damit auseinander setzen, offenbar kaum noch Relevanz hat. Man muss sich vielmehr daran messen lassen. Und es ist meistens auch egal, ob ich sage ‚Hey, ich versteh dich doch. Ich steh auf deiner Seite, aber diese Methoden, die du da an den Tag legst, fühlen sich für mich falsch an. Ich habe nicht das Gefühl, dass ihr durch das Schüren von Paranoia und Schuldgefühlen all die von euch so hoch bewerteten Probleme aus der Welt schafft.‘ Nein, man wird vielmehr auf die andere, die böse Seite gesteckt. Mir fällt da immer nur der Spruch von Gaston ein, aus dem Disney-Film ‚Die Schöne und das Biest‘, während sich ein Mob formt, um dem Biest den Gar aus zu machen:’Wenn du nicht für uns bist, bist du gegen uns!‘

…und schon ziehen sie los. Das zu töten, was ihnen eine irrationale und teils unbegründete Angst ins Gehirn setzt. Sie hysterisch und aggressiv werden lässt. Klar, so einfach ist das. Schwarz oder weiß? Palästina oder Israel? Ukraine oder Russland? Die ärzte oder die Hosen? Phil Collins oder Peter Gabriel? Keine Ahnung, man. Beides? Keins? Ein paar Lieder von Phil Collins sind großartig, aber dennoch mag ich Genesis mit Peter Gabriel lieber? Ist das eine okaye Antwort für dich? Nein? Mich kotzt dieses reflexhafte Partei ergreifen an. Es hat sicherlich Vorteile, wenn man eine Meinung hat und dazu steht. Aber manchmal ist das Leben nicht so und das ist gut. Weil oft eine Komplexität dahinter steht, die nicht mit schwarz oder weiß zu erklären ist. Wieso auch hinterfragen und sich mit dieser Komplexität auseinander setzen?

Ich denke, diese Aussage kann man auf viele Gruppen innerhalb der Gesellschaft beziehen. Ich für meinen Teil versuche einfach in meiner kleinen Welt ein guter Mensch zu sein. So gut ich eben kann. Das wird oft und gerne ausgenutzt und ich muss lernen mich besser zu schützen. Allein einige Kommentare zu meinem Artikel bei den ruhrbaronen haben mir deutlich gemacht, wie sehr es bei manchen Leuten beim Thema ‚Feminismus‘ um Leben und Tod zu gehen scheint. Mein Freund war entsetzt, dass ich dort mit Klarnamen auftrat und meinte alarmierend, dass das Impressum hier der am zweithäufigsten gelesene Artikel sei und da ja meine Adresse drin stehe. Ich konnte ihn beruhigen, dass die Diskrepanz zwischen den Aufrufen des aktuellen Artikels und dem Impressum immens hoch und mit 7 Klicks auf mein Impressum alles okay wäre. Vorsichtshalber habe ich dennoch die Adresse heraus genommen. Man weiß ja nie, ob irgendwelche Menschen, die wirklich denken, ich würde denken, der Kern des Feminismus sei, dass Feminist*inneninnen mir das Schminken verbieten wollen würden, mir plötzlich eine Make-Up-Bombe in den Briefkasten setzen wollen könnten. Und dann there we have the salad! Lieber nicht. Wie soll ich das meinem Vermieter erklären? All der Dreck. Natürlich würde diesen Menschen nie ihre Doppelmoral auffallen, die ich eigentlich nur plakativ aufzeigen wollte. Wieso auch? Es wurde ja sogar gemutmaßt, ich sei nur ein Ghostwriter. So naiv und realitätsfern könne ja niemand in Wirklichkeit sein. Danke für die Blumen :). Vermutlich sei ich auch immer durch das Zeigen meines Dekolletées durch das Studium gekommen. Das überrascht mich nicht, habe ich das doch bereits in einem meiner früheren Artikel reumütig zugegeben. (Fakt ist, ich trage zwar weder Rollkragenpullover, aber die meiste Zeit hatte ich eher weibliche Dozent*inneninnen, die sich herzlich wenig für mein Dekolletée interessierten, das nicht mal im Sommer in der Öffentlichkeit präsentiert wird. Lang leben die schwarzen Trägertops zum Unterziehen!).

Nunja, es wird sicherlich bald wieder etwas turbulenter zugehen bei mir. Ich hatte keine Energie mein Studium bis dato abzuschließen und liege immer noch in den Endzügen. Es ist jedoch ein Licht am Ende des Tunnels zu erkennen. Ich bin es aber auch dieser einen Person schuldig, dass es zum Ende kommt. Außerdem brauche ich Urlaub. Kopf aus-Urlaub. Wobei nach dem Studium dann ja eh die gläserne Decke wartet. Mal sehen, ob ich mir vorher einen Pickelhelm zulege und so einen Imkerschutzanzug. Wat mut, dat mut!

Verzeiht erneut meine Schweigsamkeit und diesen wirren ersten Artikel nach so langer Zeit. Ich werde es immer noch nicht schaffen regelmäßig zu schreiben, weil mein Leben seit längerem von anderen Themen bestimmt wird und ich auch mal wirklich mich selbst in den Lebensmittelpunkt meines Lebens rücken muss. Hooray for me!

PS: Gott liebt dich. Just sayin‘.

und noch ein Bild:

penis

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