Ch-ch-ch-changes.

Schlagwörter

, , ,

Ich weiß, es ist sehr lange her und der Großteil hier wird vermutlich gehofft oder gedacht haben, dass dieser Blog tot ist. Leider oder zum Glück ist dem nicht so. Es ist jedoch jemand gestorben. In meiner Familie. Und das hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen, sodass ich auch immer noch und für lange Zeit das Gefühl haben werde, ich würde schweben. Bitte respektiert, dass ich hier nicht nach außen tragen werde, um wen es sich handelt. Es ist eine sehr nahestehende Person gewesen und es ist so surreal, dass ich nicht weiß, ob ich es je begreifen werde.

Trotzdem möchte ich mich entschuldigen für die lange Abwesenheit. In der Zwischenzeit ist so wahnsinnig viel passiert, in der Politik, in der Gesellschaft, auf der Welt und in meinem Leben, dass ich gar nicht so recht weiß, wo genau ich anfangen soll. Sicher, ich hab Themen im Kopf und ich hatte immer mal wieder Momente, in denen ich dachte ‚Alter, darüber muss ich eigentlich echt schreiben nachher!‘, es aber dann doch nicht getan habe. Menschen schickten mir Videolinks und Artikel über Feminismus und all so ein Zeug. Dazu muss ich sagen, dass ich in erster Linie nie ein feminismuskritischer Blog sein wollte oder mich als solcher fühle. Es ist ein Thema, das interessant ist, weil es enorm polarisiert. Es macht mich wütend, traurig oder amüsiert mich. Ich bin weder Feministin noch Antifeministin. Ich will einfach nur leben und andere leben lassen. Zumindest so weit, wie es niemandem schadet oder die Selbstbestimmung einschränkt. Zudem habe ich schmerzlich lernen müssen, wie unwichtig bestimmte Themen im Angesicht des Todes sind. Wie schnell ein Leben vorbei sein kann und wie banal letztendlich alles erscheint.

Mensch weg. Und jetzt? Alles, was dieser Person gehörte, scheint auf einmal keinerlei Bedeutung mehr zu haben. Die wurde den Dingen beinahe ausschließlich durch diese eine Person gegeben. Mag sein, dass ihr nun denkt: ‚So what, Saskia? Menschen sterben eben. Guck doch mal dort und in diesem Land da, was die Leute so erleben. Du hast doch die und jene Privilegien. Shit happens.‘ Ich durfte mir auch Äußerungen anhören wie ‚Ach, Saskia. Es ist nun ein halbes Jahr her. Reicht auch langsam mit dem Trauern!‘ Kann sein. Ist mir egal. Meine Probleme und Sorgen sind real für mich und niemand auf der Welt hat das Recht mir das abzusprechen. Durch solche Situationen lernt man auch, wer gut für einen ist und wer nicht. Mir ist klar, was auf der Welt geschieht. Ich nutze meine Empathie, wann immer es geht. Versuche mich in Menschen hinein zu versetzen, die sich auf eine gefährliche Reise aufmachen, allein in der Hoffnug den Traumata und dem Tod zu Hause zu entkommen. Nur, um dann woanders doch den Tod oder weitere Traumata zu finden, die sie vermutlich ihr ganzes Leben nicht überwinden werden. Ich kann mir nur grob vorstellen, wie sich solch eine Erfahrung anfühlt und was sie mit einem macht. Aber allein das reicht mir aus, um mitfühlen zu können und zu wollen. Trotz allem macht das meinen eigenen Schmerz nicht unrealer. Und ich verbitte es mir, dass man mir in solchen Situationen meine Privilegien vorhält.

Eigentlich weiß ich gar nicht genau, worüber ich hier gerade schreiben wollte und jetzt ist schon wieder ein ganz schön langer Text entstanden. Vielleicht wollte ich sagen, dass ich noch da bin, dass ich lädiert bin und ich einfach keine Kraft habe mich mit Political Correctness, Genderkrams oder Feminismus auseinander zu setzen. Diese Themen sind so aufgeblasen, dass die Realität für die meisten, die sich damit auseinander setzen, offenbar kaum noch Relevanz hat. Man muss sich vielmehr daran messen lassen. Und es ist meistens auch egal, ob ich sage ‚Hey, ich versteh dich doch. Ich steh auf deiner Seite, aber diese Methoden, die du da an den Tag legst, fühlen sich für mich falsch an. Ich habe nicht das Gefühl, dass ihr durch das Schüren von Paranoia und Schuldgefühlen all die von euch so hoch bewerteten Probleme aus der Welt schafft.‘ Nein, man wird vielmehr auf die andere, die böse Seite gesteckt. Mir fällt da immer nur der Spruch von Gaston ein, aus dem Disney-Film ‚Die Schöne und das Biest‘, während sich ein Mob formt, um dem Biest den Gar aus zu machen:’Wenn du nicht für uns bist, bist du gegen uns!‘

…und schon ziehen sie los. Das zu töten, was ihnen eine irrationale und teils unbegründete Angst ins Gehirn setzt. Sie hysterisch und aggressiv werden lässt. Klar, so einfach ist das. Schwarz oder weiß? Palästina oder Israel? Ukraine oder Russland? Die ärzte oder die Hosen? Phil Collins oder Peter Gabriel? Keine Ahnung, man. Beides? Keins? Ein paar Lieder von Phil Collins sind großartig, aber dennoch mag ich Genesis mit Peter Gabriel lieber? Ist das eine okaye Antwort für dich? Nein? Mich kotzt dieses reflexhafte Partei ergreifen an. Es hat sicherlich Vorteile, wenn man eine Meinung hat und dazu steht. Aber manchmal ist das Leben nicht so und das ist gut. Weil oft eine Komplexität dahinter steht, die nicht mit schwarz oder weiß zu erklären ist. Wieso auch hinterfragen und sich mit dieser Komplexität auseinander setzen?

Ich denke, diese Aussage kann man auf viele Gruppen innerhalb der Gesellschaft beziehen. Ich für meinen Teil versuche einfach in meiner kleinen Welt ein guter Mensch zu sein. So gut ich eben kann. Das wird oft und gerne ausgenutzt und ich muss lernen mich besser zu schützen. Allein einige Kommentare zu meinem Artikel bei den ruhrbaronen haben mir deutlich gemacht, wie sehr es bei manchen Leuten beim Thema ‚Feminismus‘ um Leben und Tod zu gehen scheint. Mein Freund war entsetzt, dass ich dort mit Klarnamen auftrat und meinte alarmierend, dass das Impressum hier der am zweithäufigsten gelesene Artikel sei und da ja meine Adresse drin stehe. Ich konnte ihn beruhigen, dass die Diskrepanz zwischen den Aufrufen des aktuellen Artikels und dem Impressum immens hoch und mit 7 Klicks auf mein Impressum alles okay wäre. Vorsichtshalber habe ich dennoch die Adresse heraus genommen. Man weiß ja nie, ob irgendwelche Menschen, die wirklich denken, ich würde denken, der Kern des Feminismus sei, dass Feminist*inneninnen mir das Schminken verbieten wollen würden, mir plötzlich eine Make-Up-Bombe in den Briefkasten setzen wollen könnten. Und dann there we have the salad! Lieber nicht. Wie soll ich das meinem Vermieter erklären? All der Dreck. Natürlich würde diesen Menschen nie ihre Doppelmoral auffallen, die ich eigentlich nur plakativ aufzeigen wollte. Wieso auch? Es wurde ja sogar gemutmaßt, ich sei nur ein Ghostwriter. So naiv und realitätsfern könne ja niemand in Wirklichkeit sein. Danke für die Blumen :). Vermutlich sei ich auch immer durch das Zeigen meines Dekolletées durch das Studium gekommen. Das überrascht mich nicht, habe ich das doch bereits in einem meiner früheren Artikel reumütig zugegeben. (Fakt ist, ich trage zwar weder Rollkragenpullover, aber die meiste Zeit hatte ich eher weibliche Dozent*inneninnen, die sich herzlich wenig für mein Dekolletée interessierten, das nicht mal im Sommer in der Öffentlichkeit präsentiert wird. Lang leben die schwarzen Trägertops zum Unterziehen!).

Nunja, es wird sicherlich bald wieder etwas turbulenter zugehen bei mir. Ich hatte keine Energie mein Studium bis dato abzuschließen und liege immer noch in den Endzügen. Es ist jedoch ein Licht am Ende des Tunnels zu erkennen. Ich bin es aber auch dieser einen Person schuldig, dass es zum Ende kommt. Außerdem brauche ich Urlaub. Kopf aus-Urlaub. Wobei nach dem Studium dann ja eh die gläserne Decke wartet. Mal sehen, ob ich mir vorher einen Pickelhelm zulege und so einen Imkerschutzanzug. Wat mut, dat mut!

Verzeiht erneut meine Schweigsamkeit und diesen wirren ersten Artikel nach so langer Zeit. Ich werde es immer noch nicht schaffen regelmäßig zu schreiben, weil mein Leben seit längerem von anderen Themen bestimmt wird und ich auch mal wirklich mich selbst in den Lebensmittelpunkt meines Lebens rücken muss. Hooray for me!

PS: Gott liebt dich. Just sayin‘.

und noch ein Bild:

penis

Saskia findet doof, dass Schlotte Kamuffel doof findet, dass Saskia den Feminismus doof findet.

Schlagwörter

, , , ,

Jemand*in, der*die*das auf so eine liebevolle und detailgetreue Art und Weise heraus gearbeitet hat, was ich alles doof (Hasst mich!) finde, der*die*das hat es absolut verdient, dass ich ihm*ihr auch eine Seite widme. Vielen Dank dafür ❤ und wer dann noch dazu so einen großartigen Namen hat, der mich trotz enormer privater Probleme zur Zeit mehrfach herzlich zum Lachen gebracht hat, der*die*das hat diese Hommage hier doppelt verdient, sodass ich da doch gerne mit spazieren gehen will!

PS: Mir gefällt es persönlich außerordentlich gut, dass wenigstens deine Artikel fundiertes, empirisches Fachwissen aufweisen und nicht bloß aus deinen persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen abgeleitet werden – und du kein einziges Klischee erfüllst.

Zudem wurde ich mit einem Retweet und ein bisschen kostenloser Werbung belohnt. Du darfst es gerne als Kompliment auffassen, dass dein Reblog bei mir keinen Liedtext als Titel bekommen hat 🙂 Das macht ihn zu einer Besonderheit bei mir!

Das hier ist für dich, liebe*r Schlotte Kamuffel. From Saskia with love. Quasi eine Saskia-findet-doof-dass-Schlotte-Kamuffel-doof-findet-dass-Saskia-den-Feminismus-doof-findet-ception.

Saskia findet doof, dass Schlotte Kamuffel doof findet, dass Saskia “den Feminismus” doof findet und findet es doof, …

  • ‚weil “der Feminismus” ihr untersagt, sich für alle Menschen einzusetzen.
  • weil der Feminismus weiße heterosexuelle Männer doof findet.
  • weil sie ein “Papa-Kind” ist.
  • weil sie rosa mag, und “Sex and the City” und Barbie bei Facebook.
  • weil sie auch ohne “den Feminismus” Computer spielen kann.
  • weil sie “Kurven” hat (vom Essen und von ihren Hormonen).
  • weil sie weiß und heterosexuell ist.
  • weil “der Feminismus” ihr vorschreibt, sich als “Opfer” zu sehen.
  • weil sie sich gerne schminkt, obwohl “der Feminismus” das blöd findet.
  • weil “der Feminismus” ihr vorschreiben will, das Tragen eines Kopftuchs als Entscheidung zu betrachten, ihr aber das Schminken verbieten will.
  • weil Alice Schwarzer mal irgendwann in den 70ern blablabla rhabarberrhabarber…
  • weil Alice Schwarzer heute blablabla rhabarberrhabarber…
  • weil “eine Menge junger Frauen” sich mit Aussagen von Alice Schwarzer identifiziert und “danach lebt”.
  • weil “der Feminismus” Frauen verbieten will mit Sexarbeit ihr Geld zu verdienen.
  • weil “die weibliche Intuition” ihr sagt, dass “der Feminismus” doof ist.
  • weil sie den “teils krankhaften, oft männerverachtenden Feminismus” in eine “falsche Richtung” laufen sieht.
  • weil sie ihren Vater liebt.
  • weil sie ihren Freund liebt.
  • weil Freunde von ihr “von Weibern” verletzt wurden und weil Psychoterror auch Gewalt ist.
  • weil viele Amokläufer böse Mütter hatten, während  “der Feminismus” aber sagt, dass Frauen “lieblich oder schwach” seien.

Im Ernst?!‘

…und das finde ich doof!

Außerdem: Ach ja? und du kämpfst wie eine Kuh!

Bitte grüß ganz lieb die Mitvagin*innen aus deinem näheren Bekannt*innenkreis. Ich möchte dich hiermit höflichst darauf hinweisen, dass ich mich durch deine Artikel diskriminiert fühle. Durch deine nicht besonders sensible Sprache empfinde ich ein Machtgefälle zwischen uns, das mich dazu animierte, erst einmal einen Liter Wurstwasser auf ex auszutrinken. Als ich dann noch sah, dass es sogar Würst*innen der Marke Deutschländer waren, kam mir das Wurstwasser sofort wieder hoch: Hallo? Wie politisch inkorrekt kann eine Wurst bitte sein?

Um diesem entstandenen Trauma in Zukunft keine weiteren Trigger zu bieten, wenn ich deine Texte lese, habe ich dir eine Vorlage für eine angemessene Sprache herausgesucht: hier der Link!

Das kannst du doch sicherlich besser, oder?!

Babe, I’m back again!

Schlagwörter

, , ,

…where have you been? Are you back for good?

JA! Ich lebe! Ich wollte mich entschuldigen für die ewiglange Abwesenheit, kann aber leider nicht versprechen, dass es in Zukunft wieder regelmäßigere Beiträge geben wird… Es ist einfach so sehr viel passiert und ich muss schauen, wie ich das verarbeite und wann ich die Zeit finde, angemessen darüber zu berichten. So viele neue Möglichkeiten, die sich mir eröffnet haben. Menschen mögen mich und geben mir Chancen. Wer hätte gedacht, dass mir sowas mal passieren würde?

Ansonsten…Geht es euch soweit gut? Hat mich jemand vielleicht doch vermisst? Die Poilzei gerufen? Zum Glück habe ich keine Haustiere, die mir mein Gesicht halb hätten auffressen können..

Mein Studium neigt sich zumindest dem Ende entgegen und wird im nächsten 3/4 Jahr noch einiges von mir fordern. Das erleichtert die Pflege hier nicht gerade…. Aber gut. Ich wollte gar nicht großartig ausholen. Just give me some time to breathe.

Fühlt euch gegrüßt und geherzt – das gilt natürlich nicht allen von euch, keine Angst, aber dem Großteil! – Übrigens hatte ich doch keinen Abonnenten verloren, wie ich ursprünglich dachte. Puh.

Zur Aufmunterung von uns allen, poste ich euch noch aus alter Gewohnheit ein Bild.

balloons

– Wer sagt uns, dass wir nicht jeden Tag feiern können, dass es uns gibt? EbenT!

 

 

 

 

Video

…shouldn’t talk about it.

Schlagwörter

, , , , , ,

…ich sehe, ich habe eine*n Abonnent*in verloren. Was schade ist, aber ich kann es verstehen. Mein Blogger-Dasein ist zur Zeit nicht besonders aktiv, weil ich wirklich was schaffen muss. Zwei große Hausarbeiten wollen bis Ende März geschrieben werden und damit ihr euch nicht allzu sehr vernachlässigt fühlt: Ich habe meinen Freund auch bereits seit 6 Wochen nicht gesehen und werde ihn erst Anfang April wiedersehen. Ihr seid also nicht die Einzigen, die mich vermissen…:P

Meine Verwirrung hält aktuell leider auch noch an, habe aber Themen im Kopf, die ich euch noch in die Tasten hauen muss und zu denen ich zumindest immer noch eine eindeutige Haltung habe. Derweil habt ihr sicherlich viel Spaß mit Sarrazin und seinem Gemecker über Menschen, die nicht okay finden, dass er Aussagen tätigt, die einer breiten Masse, deren ‚Ängste man ernst nehmen müsse..‘, direkt in die Hände spielt, ohne dass die je gelernt hat selbst zu denken oder mal zu reflektieren. Na, wer von euch hat keine Angst vor der Islamisierung? Na? Nur 3 Leute bestimmt. Die harten Hunde! Ich gehöre dazu. Ouh yeah! Überrascht?

Ich halte viel mehr davon, aufzuklären und nicht einseitige Medienberichte abzunicken, die vor ‚Armutsmigration‘ u.ä. warnen. Und nein, ich habe Sarrazins Bücher nicht gelesen, aber Zitate in mehreren Texten, einige Auszüge. Und sicherlich waren die ‚aus dem Zusammenhang gerissen’…aber ehrlich gesagt, ich wüsste nicht, in welchen Zusammenhang man die setzen wollte, damit sie zu ertragen gewesen wären. Für mich gilt durchaus die Meinungsfreiheit und ich finde es okay, wenn er seine Meinung äußert. Allerdings habe ich ein Problem damit, dass er mit seinen Worten Menschen anspricht, die einen sehr begrenzten Horizont haben, wodurch sich die eigentliche Problematik nicht lösen wird. Interessant fand ich das Abstimmungsergebnis in der Schweiz. Wie das wohl so ist, für einen Deutschen, ungewollt zu sein? Sicherlich ungewohnt. Und als falsch und unangenehm empfunden. Vielleicht fängt da bei Einigen mal das Hirn an zu routieren, wie viel ‚Armutsmigration‘ den Staat wirklich kostet, im Gegensatz zu Bankern, die das Vermögen der Bevölkerung verspielen… Aber ich las direkt danach von Stimmen, die nach eben so einer Abstimmung auch in Deutschland schrien. Ab wann ist man denn ‚Schweizer‘? Oder ‚Deutscher‘? Denen ist bestimmt nicht mal klar, dass ein Name wie Michael, der sich für uns urdeutsch anhört, aus dem Hebräischen kommt. Vermutlich muss man da im Stammbaum der Leute rumgrasen, damit man fair diejenigen rausschmeißen kann, die noch nicht lange genug Staatsbürger sind. Klingt ein bisschen gruselig bekannt, oder? Aber gut, dass Sarrazin die Gesellschaft aufklärt, wie das so mit der Genetik und der Wertigkeit eines einzelnen Menschen ist…

So, erstmal genug für heute. Sonst schreibe ich mich wieder in Rage. Und klar, es ist nicht in Ordnung, auf welche Art und Weise jemand wie Sarrazin niedergebrüllt wird, wenn man eigentlich denken sollte, dass die ‚Gegenseite‘ Argumente hat. Und dass alle über ihn berichten – auch ich gewissermaßen – gibt ihm in meinen Augen unverdienten zusätzlichen Ruhm. Ich finde ihn nicht mal sympathisch. Kann sein, dass er einige Sachen richtig benannt hat, aber wenn die ‚falschen‘ Leute solche Aussagen lesen und falsch kombinieren, weil keine Ahnung und Wasser auf deren Mühlen und so, habe ich mehr Angst vor einer anderen Menschengruppierung als vor ‚dem‘ Islam.

Meckert mich ruhig in Grund und Boden, dass ich den doof finde. Ist mir ziemlich egal.

Schönen Abend und bis bald. Versprochen. Es geht mir…’gut‘. Meistens.

PS: (zum Video) Ich wohne im Osten. Versucht Verständnis aufzubringen.

I’m deranged.

Schlagwörter

, , , , ,

Leute, es tut mir total leid, dass ich mich seit über einem Monat dieser Plattform hier entziehe, aber das Rassismus-Seminar hat offenbar diverse Auswirkungen auf mich, sodass ich zur Zeit absolut nicht mehr weiß, wo ich überhaupt stehe und welche Ansichten ich vertrete. Bei manchen Dingen gehe ich voll d’accord und dann gibt es wieder Momente, bei denen ich mich sehr aufrege. Ich bin völlig durcheinander, muss mich mit Aussagen von Herrn Sarrazin rumschlagen und werde immer indirekt mit meinem ‚eigenen‘ Rassismus konfrontiert, weil ich ein Problem mit Religionen habe – ergo auch mit dem Islam.

Dass man hierzulande z.B . das Christentum beschimpfen (wie sich das anhört..als würde ich hier anprangern, wenn jemand das Christentum beschimpft. Haha. So schlimm isses nun doch noch nicht mit mir..) oder quasi ohne weiteres einen kausalen Zusammenhang zwischen der katholischen Kirche und Homophobie aufzeigen darf, dies aber z.B. mit dem Islam irgendwie nicht erlaubt ist, verwirrt mich. Obwohl ich auch schon Texte darüber las, was für eine Doppelbelastung muslimische Homosexuelle haben, wenn sie von der ‚weißen‘, homosexuellen Szene innerhalb einer (westlichen) Gesellschaft nicht akzeptiert werden, weil diese Szene davon ausgeht, es könne quasi nur weiße Homosexuelle geben und gleichzeitig noch von ihrer muslimischen Familie, für die das Thema ebenso keinerlei Relevanz hat. Der Islam spielt also in dieser Situation in Bezug auf Homophobie keine Rolle, ja? Wann sind also bestimmte Kritiken angebracht und wann nicht? Ich habe in meinen Response Papers für den Kurs, in denen wir ‚relativ offen‘ unsere Reaktionen auf die zu lesenden Texte darlegen dürfen, mehrfach gefragt, wie denn die Lösung für einige der offensichtlich festgefahrenen Situationen aussähe, weil ich mich ja sehr gerne gegen konkrete Missstände engagieren möchte, aber irgendwie keinerlei Ahnung habe wie ich aus diesen Zwickmühlen meines eigenen weißen Seins heraus kommen soll.

Meine Dozentin griff diese Sehnsucht nach Lösungen im Kurs auf und meinte, dass Kultur- bzw. Sozialwissenschaften nicht dazu da seien nach Lösungen zu suchen, sondern Probleme aufzuzeigen und zu sensibilisieren (vergessen sind die Zeiten, in denen ein mit ihr befreundeter Dozent aus meinem Gender-Kurs der Ansicht war/ist, die Kulturwissenschaften seien der Wahrheit am nächsten – welche Wahrheit war das nochmal..?!). Aha. Das fand ich natürlich ganz wunderbar, weil es einem in solchen Fällen wie nach einem tragischen Film geht, bei dem das Herz nach Harmonie und Auflösung schreit.. Eigentlich seltsam, dass ich trotz dieser Sehnsucht nach Happy End eine große Liebe für seltsam gestaltete Filme wie von David Lynch habe. Diese Art Unbefriedigung stört mich, wie es aussieht, nicht so sehr wie die Hilflosigkeit, mit der ich jedes Mal wieder konfrontiert werde, weil mir zwar gesagt wird, ich sei ein Arschloch, ich aber gar nicht wirklich weiß, wieso ich das bin und vor allem, wie ich dem entgegen wirken kann. That makes me a saaaaad panda. Der Kurs geht noch etwa zwei Wochen und ich weiß jetzt schon, dass bei mir erneut ein großes Fragezeichen zurück bleiben wird und der Wunsch aufkommt wieder in meiner alten, bequemen Zeit zu leben, als Wissenschaftlichkeit noch existierte und der Schwammspinner in meinem Wortschatz noch nicht mal ansatzweise zu erkennen war. Und ich mich einfach nur für Menschen einsetzen wollte, die unter unmenschlichen bzw. menschenunwürdigen Bedingungen leben müssen…

Ein bisschen tragisch bin ich schon, oder? Völlig allein gelassen mit unzähligen Denkansätzen, dem ständigen Prüfen meiner eigenen Gedanken, die letztendlich immer wieder dazu führen, dass ich nur eine Rassistin sein kann. Es wurde letztes Mal im Seminar u.a. gefragt, wer denn die wissenschaftlichen Standards mache bzw. was für Intentionen denn dahinter stehen würden. Und ob durch genau diese Standards nicht bewusst bestimmte Stimmen mundtot gemacht würden. Ich weiß nicht, auf welche Stimmen da angesprochen wurde, aber ich bin jetzt mehrfach in den Texten darauf gestoßen, dass das Rufen nach Meinungsfreiheit in jedem Fall rechts anzusiedeln ist. Ergo bin ich rechts (ganz was Neues!), weil ich es unfair finde, dass ich nicht sagen darf, was ich vom Islam, völlig ‚wertfrei‘ und rein von meiner allgemein religionskritischen Sicht heraus, halte. Weil, ich traue mich das tatsächlich nicht mehr zu äußern. Einerseits wird immer wieder das Patriarchat in Deutschland kritisiert (meinetwegen auch zu Recht in bestimmten Zusammenhängen) und die Gründe hierfür sind klar und unumstößlich. Weswegen es aber in anderen Ländern definitiv und ganz konkret Patriarchate gibt, hat zumindest also nichts mit dem Islam zu tun. Es müssen wohl andere Gründe sein – aber wir haben uns ja auch aus bestimmten Gründen unsere westlichen Werte zurecht gebastelt (Machterhalt for teh win!), gebunden an bescheuerte Rechte wie Menschen- und Frauenrechte etc. Das Thema hatten wir ja bereits vor einigen Monaten, dass es eine Anmaßung seitens der westlichen Welt wäre, anderen ihre Werte und Vorstellungen von Menschenrechten überzustülpen. Und nur, weil eine Frau mit Kopftuch ein Kopftuch trägt, haben ‚wir‘ noch lange nicht das Recht davon auszugehen, sie sei unfrei, weil sie mit großer Wahrscheinlichkeit Freiheit ganz anders interpretiert als die ‚westliche‘ Welt. Sicherlich gibt es Frauen, die auch mit Kopftuch selbstbestimmt und selbstbewusst ihr Leben leben, das stelle ich gar nicht in Frage. Aber irgendwoher muss doch die Vermutung kommen, dass Frauen, die ein Kopftuch tragen, unterdrückt werden.

Ich habe sogar vemehrt, vor allem von männlicher Seite (gemäßigt muslimische/ex-muslimische Männer), gehört, dass es undenkbar sei, dass eine Frau mit Kopftuch tatsächlich als ‚frei‘ (im Sinne einer freien Entscheidung für das Tragen eines Kopftuchs) bezeichnet werden könnte. Internalisierung? Gibt es doch nur in der ‚westlichen‘ Welt. Im Islam gibt es keine Internalisierung, lediglich freie Entscheidungen auf der Basis einer anderen Interpretation von Freiheit. Puh, jetzt hab ich mich grade wieder ganz schön selbst verwirrt. Wieso schreit die Oppositon in der Ukraine eigentlich nach einer Regierung, die sich nach ‚westlichen‘ Werten richtet? Oder sind das andere Werte als die, die laut meinem Kurs quasi als hegemoniales Instrument missbraucht werden?

Was ich mich übrigens schon lange frage und auch schon mal angedeutet habe: Kann ein Mensch mit Behinderung, wie etwa Herr Schäuble rassistisch sein? Die Antwort steht immer noch offen. Bitte um Abhilfe!

Und was hat es eigentlich mit dieser Petition gegen die ‚regenbogenmäßige Ideologisierung des Lehrplans in Baden-Württemberg‘ auf sich? Ich meine…klar Ideologie ist nicht so super, wenn es eigentlich um Wissenschaft gehen sollte. Aber haben da Leute wirklich Angst, dass in Textaufgaben in Mathe auf einmal stehen könnte, dass ein*e Transsexuelle*r sich zwei Äpfel kauft und wenn er/sie/es einen an eine intersexuelle Person gibt, wie viele dann noch übrig sind, stehen könnte? Bzw. selbst, wenn es diese Umformulierungen geben sollte, ist es weniger ideologisch, wenn da, wie sonst jahrzehntelang, nur von einer Familienkonstellation à la Frau, Mann, Kind gesprochen wird und Herr Müller sich zwei Äpfel kauft und einen an Frau Müller abgibt? Wo ist da der Unterschied und wo fängt dann Ideologie an? Sobald es eine ‚Minderheitengruppe‘ der Gesellschaft trifft? Eigentlich finde ich es wirklich eine gute Idee, die Kinder mit ihrer eigenen Sexualität bzw. ihren Neigungen zu konfrontieren und ihnen die Botschaft zu vermitteln, dass es völlig in Ordnung ist zu sein wie sie sind. Egal, wie das aussieht. Und wenn es auf Schulhöfen nicht mehr als Schimpfwort gilt ’schwul‘ zu sein…Vielleicht habe ich da etwas missverstanden in Bezug auf diese Lehrplanumstellung, aber irgendwie hat mir all das, was ich genrell darüber lesen konnte, nicht besonders viele Sorgen bzw. Ängste bereitet, dass in Zukunft das wissenschaftlich-neutrale Arbeiten bzw. Lernen gefährdet sein könnte. Aber ich bin auch ziemlich naiv.

Ich las auf einem anderen Blog, dass es zusätzlich zu der Problematik mit der Gender-Ideologie in Bezug auf die Wissenschaft, auch noch unfair sei, wenn man nur Sexualität bzw. sexuelle Neigungen als Parameter in den Unterricht einführen würde. Wo seien denn andere Diskriminierungsformen, für die Kinder genauso sensibilisiert werden müssten? Stimme ich eigentlich zu. Aber in dem Fall geht es nun mal erstmal um andere Themen.

So. Verwirrungspensum für heute erfüllt. Ich glaube, ich wurde gebrochen…Ach, und frohes neues Jahr! Ich bastele nun weiter an meinem Referat über die Tabuisierung der Beschneidungsdebatte in der Presse…

Und ein herzliches Hallo! an meinen einen Fan da draußen! 🙂

…was zu der ganzen Verwirrung noch hinzu kommt:

Bild

Let’s play master and servant!

Schlagwörter

, , , , , ,

…it’s a lot like life.

Dass ich ein allgemein in jeglicher Form schlechter Mensch bin, wusstet ihr ja schon. Nun kommt noch zu meiner color blindness, die ich ständig betreibe, und auf die ich später noch einmal konkreter eingehen werde, meine neoliberalistische Seite. Ich bin ein neoliberalistisches Arschloch, weil ich Kinder als Individuen betrachte und ihnen Rechte zugestehen will, genauer gesagt, ich will sie vor der Beschneidung RETTEN!!! Ich tue einfach so, als müsste ich – als Frau der westlichen fucking Welt –  die andere Welt retten und ihnen Rechte zugestehen. Das ist einfach abscheulich. Ich musste kurz aufhören mit dem Schreiben, weil ich mir mit meiner Swarovski-Steinen besetzten Peitsche den Rücken blutig schneiden musste..Sorry. Wenn schon bestrafen, dann mit Stil!

Es handelt sich hier um eine neoliberale Logik (der Wortlaut war: neoliberaler Sprech), wenn man Menschen bzw. Kinder vor etwas retten will, wie z.B. Beschneidung und zu viel Wert auf die Rechte des Individuums gelegt wird und eine Aussage wie ‚Meine Religion schreibt mir das vor‘ nicht mehr zählen würde. Immerhin ist das ja allein unsere Auslegung hier in der so genannten westlichen Welt, was diese Rechte beinhalten bzw. wie sie ausgelegt werden und dass sie angeblich universell seien. Das ist unsere persönliche Anmaßung, dass wir uns einbilden, wir müssten allen Menschen dieselben Rechte zusprechen. Genauso wie es u.a. in dem Text beschrieben wurde, den wir lesen mussten (ach, es geht übrigens um das Rassismus-Seminar..). Da wurde kritisiert, dass Frankreich als laizistischer Staat das Burka-Verbot eingeführt hat und somit die Menschen dazu zwingt sich diesem Gesetz zu beugen, um Teil der Nation Frankreichs zu sein. Also, dass man dort nur als ‚echter‘ französischer Staatsbürger anerkannt wird, wenn man dieses Verbot respektiert/akzeptiert und sich daran hält. Nun bemängeln die Autor*innnnnnen, dass das ja wieder so eine westliche Geschichte wäre, die davon ausgeht, eine Frau wäre nur dann als ‚frei‘ zu bezeichnen, wenn sie diese Burka nicht trägt, weil diese ja als Zeichen der Unterdrückung gelte, vor der man mindestens als Staat diese Frau RETTEN müsse. Was natürlich Quatsch ist.

Jeder weiß, dass eine Burka grundsätzlich kein Anzeichen von irgendeiner Form von Unterdrückung darstellt, sondern generell von Selbstbestimmung und persönlicher Freiheit (die Definition ist selbstverständlich die der westlichen Welt, die festlegt, was genau Selbstbestimmtung und persönliche Freiheit bezeichnet) zeugt. Und ja, ich bin mir bewusst, dass dies tatsächlich der Fall sein kann. Aber, soweit ich informiert bin, nicht die Regel ist. Wisst ihr was? Lassen wir die einfach machen. Scher ich mich einen Scheiß drum, was andere tragen und tun. Ich helfe niemandem mehr. Sicherlich kann auch ein Mensch (also eher eine Frau und alle anderen Geschlechter, bis auf den Mann – weil der ist ja schuld.) unterdrückt werden, wenn er nach westlichen Standards gekleidet ist – darum würde sich quasi dann ja auch niemand kümmern. Aber es ist definitiv ein dicker Hund, dass Frankreich sich herausnimmt so etwas wie eine nationale Identität zu definieren und Rechte und Gesetze bestimmt. Ist ja nicht so, dass ich mich in z.B. einem muslimisch geprägten Land auch an die dortigen Kleiderordnungen usw. halten müsste, um keine Probleme mit dem Gesetz zu bekommen. Aber das ist sicherlich aus irgendeinem Grund okay, bzw. ‚Es geht in diesem Kurs nicht um die…Anderen. Es geht um Deutschland und Europa und nicht, was andere Länder tun.‘

Toll war es auch, als ein*e Kommiliton*in*e meinte, dass er/sie/es es unglaublich fände, dass sogar an der Uni hauptsächlich Schwarze bzw. people of color Arbeiten wie Toiletten putzen verrichten würden. Ich war SO kurz davor zu fragen ‚wieso machst DU die Arbeit nicht? wer zwingt dich denn hier studieren zu müssen?‘ nur, um mir die Frage anschließend selbst zu beantworten: ‚Ach ja, der Neoliberalismus. bäm!‘ – ich für meinen Teil habe bereits ‚beruflich‘ Toiletten geputzt und die angetrocknete Pisse von anderen Leuten mehrfach aufgewischt. Ich wüsste gerne mal, wie viele von diesen Leutchens in meinem Kurs solche Arbeiten tatsächlich schon verrichtet haben. Es sollte eine Deutsche-WEISSE-Student*innen-Quote bei dieser Art von Berufen eingeführt werden, damit jede*r endlich von persönlichen Erfahrungen sprechen kann! Halleluja! Abgesehen davon: Gibt es eine Frauenquote bei der Müllabfuhr? Oder im Bereich von Abflussarbeiten? Nein? Ach so. Das ist ja jetzt..überraschend. nicht. Zum Glück macht mich diese Art von Doppelmoral und Heuchelei immer richtig glücklich. Ist immer gut, wenn man mit dem Finger auf Andere zeigen kann. Btw.: mal eine total rassistische Frage: Wenn Europa und allgemein die westliche Welt so unfassbar rassistisch, heuchlerisch (das ist zumindest der Tenor des Kurses, dass Europa sich ‚divers‘ gibt, aber sich in Echt abschottet und Grenzen baut, um das Pack draußen zu lassen) und allgemein neoliberalistisch ist und anderen Menschen ihre kranken und völlig paranoiden Wertvorstellungen aufdrücken will: Wieso kommen Flüchtende (edit: Geflüchtete) hier her? (ich hab Flüchtende gesagt anstatt von Flüchtlinge! Veeiii!!! political correctness-edit: ich erfuhr just, dass das Wort doch Geflüchtete heißt.) Was wollen die hier? Hat sich das noch nicht rumgesprochen, wie scheiße es hier ist? Wie unterdrückend und unfair und strukturell rassistisch die Idioten hier sind? (Wisst ihr, wenn ich solche Sachen schreibe, tut es mir immer leid um den WIRKLICH stattfindenden, auch strukturell bedingten Rassismus…) Übrigens wohnt der Großteil des Kurses natürlich in Berlin und nicht in Frankfurt/Oder, wo all die Arbeitslosen und Nazis rumlaufen (und wo sie zur Uni gehen). Bezeichnend? Bestimmt nicht! Ist ja nicht so, dass sie GENAU solche Gründe anführen hier nicht wohnen zu müssen/wollen.

Abgesehen davon: Ich dachte, das wäre hier ein Rassismus-Seminar? Wann lerne ich endlich wie Hitler zu sprechen?!

Meine Güte bin ich sauer. Meine Bäckchen (die im Gesicht, du Sexist!) sind immer noch ganz rot vor Emotionsstau. Und wisst ihr was? Neulich ist sogar schon eine schwarze Katze vor mir weggelaufen. Dennoch schrieb mir meine Dozentin zu meinem einen Response Paper über Passing (das Phänomen innerhalb einer mehrheitlich weißen Gesellschaft in der schwarze Menschen mit hellerer nuancierter Haut als Weiße durchgehen und somit nicht als Schwarze erkannt werden) zurück, dass ich auf einem sehr guten Weg sei. Endlich! Die Selbstkasteiung trägt offenbar Zeus-sei-Dank! Früchte. So und à propos Passing: Ich lernte neulich ja, dass es rassistisch ist zu sagen: ‚Ich mag dich nicht, aber das hat nichts mit deiner Hautfarbe zu tun!‘ Okay. Soweit kann ich noch folgen. Der Punkt ist aber, dass es irgendwie – für mich zumindest – logisch ist, dass ‚jemanden nicht mögen‘ grundsätzlich eher nichts mit Hautfarbe zu tun hat. Somit ist dieser Zusatz in diesem Zusammenhang absolut rassistisch – klar. Gut, jetzt ist es aber ja so, dass ich als weiße Person von Geburt an Rassist bin. Weil ich weiß bin. Die schwarze Person, die ich nicht mag, also mein Gegenüber in diesem fiktiven Dialog, ist selbstverständlich in demselben Wissen, weil man eben weiß, dass weiße Menschen Rassisten sind, ob sie wollen oder nicht. Das hatten wir ja alles schon. Die nächste Überlegung, die eigentlich beim genaueren Nachdenken jetzt gerade hinfällig ist, ist aber, dass ich natürlich nicht als Rassist in Erscheinung treten will (obwohl ich aus diesem Dilemma sowieso niemals heraus komme – und Blackfacing ist ja verpönt, hab ich gehört…) und somit zu dem Satz ‚ich mag dich nicht,…‘ noch den Zusatz ‚…aber das hat nichts mit deiner Hautfarbe zu tun‘ anfüge. Einfach aus Angst falsch positioniert zu werden. Dieser Zusatz macht mich aber dann direkt noch mehr zum Rassisten (s.o.).

Aber jetzt kommt der komplizierte Teil: Wenn du einfach nur sagst ‚ich mag dich nicht!‘, dann könnte dein Gegenüber davon ausgehen (also, was er eh schon tut aus eben genannten Gründen), dass du seine Hautfarbe negierst und somit color blindness betreibst, und ergo nicht anerkennst, dass er als Schwarzer aufgrund seiner Hautfarbe diskriminiert wird in jeglicher Hinsicht und von jeglicher Seite – ob Behörde o.ä. Du siehst ihn in dem Moment, wenn du ihm das mitteilst, dass du ihn schlichtweg nicht magst, als Mensch. Das ist rassistisch. Er ist ein Schwarzer. Es ist sehr wichtig, dass man das ständig im Hinterkopf behält, um sich selbst immer daran zu erinnern, dass man als Weißer eine Erbsünde mit sich herumträgt und den Schwarzen als Opfer der Vergangenheit und der Gesellschaft sieht, dem du jetzt, weil du ja Reue zeigen willst für all das, was seiner Bevölkerungsgruppe durch deine Hautgenoss*innen zugestoßen ist, mitteilst, dass du dich für all das verantwortlich fühlst und ihn wiederum indirekt zum Opfer machst – was ja jeder Mensch immer richtig gut findet. Wer kennt das nicht, dass Menschen mit Behinderung permanent davon sprechen, dass sie endlich als Opfer der Gesellschaft gesehen werden wollen und nicht als vollwertige Mitglieder ebenjener? So ist es. Klingt logisch. Ergo möchte ein Schwarzer auch weiterhin als Opfer gesehen werden, dem man jetzt demütig entgegen tritt und vor lauter Scham nur noch zu Boden schaut, weil man nicht mehr weiß, was man sagen darf. Das findet der richtig gut, ich sehe es bildlich vor mir. Nur auf seine Hautfarbe reduziert zu werden – mal wieder.

Es geht mir mittlerweile wirklich schon so, dass ich mich innerlich verurteile, wenn ich auf meinem Mp3-Player, der auf ‚Zufall‘ eingestellt ist, was die Liederabfolge betrifft, Diana Ross wegschalte, dann aber bei David Bowie hängen bleibe und ihn mir anhöre. Das ist doch Rassismus, oder? Es hat nichts damit zu tun, dass mir gerade gemütsmäßig nicht nach 60er Jahre Pop/Soul zumute ist, sondern ausschließlich mit der Tatsache, dass Diana Ross eine Schwarze ist. Wohingegen ich mir schon überlegt habe, dass es eigentlich ein Ritterschlag ist, wenn man als weiße*r Sänger*in hört, dass man wie ein*e Schwarze*r singt. Übrigens dachte ich das bei Tasmin Archer mit ‚Sleeping Satellite‘ umgekehrt. Da dachte ich grundsätzlich, dass sie eine Weiße wäre und stellte fest, dass sie schwarz ist. Was immer das jetzt bedeutet. Ein Phänomen in der Hinsicht ist ja tatsächlich Eminem, der sich als Weißer in einer schwarzen Musikszene einen Namen gemacht hat und offenbar auch noch akzeptiert und integriert ist. Aber ganz ehrlich: Mich macht das langsam wirklich krank, dass ich eine tolle Frau und Sängerin wie Skin von Skunk Anansie jetzt hauptsächlich mit den Augen einer Weißen zu einer Schwarzen betrachte – wo es mir vorher wirklich absolut und color blind-mäßig egal war, wie sie überhaupt aussieht und lediglich von ihrer grandiosen Stimme fasziniert wurde. Lenny Kravitz war sogar mein erstes Konzert. Da habe ich auch nie drüber nachgedacht. Dasselbe bei Prince, de ich super finde. Abartig. Ich fühle mich gestört. Aber das bedeutet sicherlich, dass ich auf dem ‚richtigen‘ Weg bin…

Bild

‚Ich soll mich also ändern…‘

bis ich wieder mal selbst dazu komme, ordentlich lange zu schreiben (ich gebe mir Mühe, dass dies in ganz nächster Zeit geschieht! Wirklich!), reblogge ich mal diesen Eintrag, der mir persönlich irgendwie den Magen flau macht…Aber den Grund hierfür wisst ihr ja: Die Internalisierung aus der Kindheit leistet ganze Arbeit!

postit

In your head, in your head they’re still fighting!

Schlagwörter

, , , , ,

Ja, ich bin eine Rassistin. Ich finde mich jetzt einfach damit ab. Vermutlich erleichtert dieses Eingeständnis das Leben um ein Vielfaches, weil die Leute schon wissen, was sie von einem zu erwarten haben. Man wird zwar durchaus mehr geächtet in der Gesellschaft als sonst (eigentlich tun sie nur so, als würden sie das tun – sind ja alles selbst Rassisten), aber das bin ich als Frau in einer patriarchalen Welt bereits gewohnt. Ich habe auch gelernt, dass ich lediglich darauf aus bin, mich bei weißen, heterosexuellen Männen beliebt zu machen und rede denen dann so gut es geht nach dem Munde. Was soll ich auch sonst machen? Ich bin ja von kleinauf durch diese schreckliche, privilegierte Gesellschaft indoktriniert und sozialisiert worden und das, obwohl ich nicht mal weiß, was all diese Wörter bedeuten! Ich kann mich doch nur schminken, um Männern zu gefallen und schlafe mit meinem Freund, weil ich weiß, dass er das braucht, um sich mächtiger fühlen zu können. Außerdem bin ich selbstverständlich homophob, devot, ne arme Sau, weil ich ‚weiblich‘ sozialisiert wurde (vermutlich ist diese Idee auf Papas Mist gewachsen, damit er seine eigene Macht im System ausbauen kann – meinen Bruder haben sie dann ‚männlich‘ erzogen, damit irgendwer diese Macht in die nächste Generation tragen kann. Ich kann Papas boshaftes Lachen richtig in meinen Ohren hören, als er beschloss, ein Mädchen aus mir zu machen..), heterosexuell, Akademikerin (alles Zufall! Ich hab immer schön mein Dekolletée präsentiert, weil mir gesagt wurde, dass Mathelehrer darauf stehen! Und das, wo ich als Frau nicht mal weiß, wie Mathelehrer geschrieben wird…), weiß (!!!), misogyn, Antisemitin, islamophob, Atheistin (jeder weiß, dass die kein Recht auf Leben haben, diese unmoralischen, gottlosen Gestalten!), und sonst noch alles Negative, das euch einfällt. Mit dieser Erkenntnis ist man immer auf der sicheren Seite.

In meinem Rassismus-Seminar habe ich gelernt, dass alle Weißen per se schon als Rassisten auf die Welt kommen (es war ein*e Kommiliton*in*e, der/die/das diese Aussage machte – sie wurde aber von der Dozentin nicht kommentiert). Weil sie weiß sind. Das ist schon echt ein dicker Hund! Was hat sich die Natur Gesellschaft bloß dabei gedacht? Einfach so eine heteronormative, weiße Mehrheitsgesellschaft hervorzubringen durch dauerhaft bewusst falsche Erziehung in den letzten Jahrzehnten! Das hätte verhindert werden können. Durch das Benutzen der richtigen Fachtermini wie ‚Geflüchtete‘, ‚Menschen mit Behinderungen‘, ‚Studierende‘, ‚maximalpigmentierte Menschen‘ – wahlweise auch als ‚people of color‘ zu bezeichnen etc. Hätten wir diese Wörter schon viel früher gekannt, wäre uns all dieses Elend heutzutage erspart geblieben. Es ist nämlich so, dass, selbst, wenn ihr sowas sagt wie ‚Unter der Haut sind wir alle gleich‘, das direkt ein Ausdruck von Rassismus ist. So betreibt ihr Gleichmacherei, seid color-blind und kaschiert automatisch die Unterschiede, die es ja tatsächlich gibt und tut so, als würde es keinerlei Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe geben. Ihr spielt es also herunter – vermutlich zu eurem eigenen Vorteil. Irgendwie. Ergibt das Sinn? Meine Dozentin sagte das so, also wird es richtig sein. Demnach war es auch rassistisch, als ich vor ’ner Weile mal sagte, dass wir ja alle aus Afrika stammen und somit Afrikaner sind und so kein Grund gegeben ist, sich deswegen gegenseitig zu diskriminieren.

Da habe ich mich aber wieder mal klug selbst reingelegt! Hab mir selbst versucht vorzugaukeln, ich sei keine Rassistin! Ha! Bin ich aber doch! Was fällt mir eigentlich ein solche verletzenden Äußerungen zu machen? Ich weiß natürlich, was mir einfällt. Es ist diese ewige Fremdsteuerung durch die gesellschaftlichen Normen. Für die ich nichts kann, weil ich nur eine Frau bin und damit ein Opfer ohne jegliche Handlungsfreiheit, obwohl ich eigentlich gleichzeitig an all dem Elend Schuld trage. Weil ich nämlich zugleich weiß bin. Ich bin mir da immer noch nicht so sicher, inwieweit sich diese Kategorien jetzt konkret in die Quere kommen. Ein*e Kommiliton*in in meinem Seminar, der/die/das aus einem eventuell kulturell andersartig geprägten Land kommt (ich bin mir über die aktuellen Fachbegriffe hierfür gerade nicht im Klaren, möchte trotzdem aber niemanden diskriminieren), sagte neulich auch, dass er/sie/es es schlimm findet, wie stark Rassismus in der Gesellschaft verankert ist, sodass dieser nicht mal mehr als solcher wahrgenommen wird. So stellte er/sie/es fest, dass er/sie/es selbst mittlerweile nicht mal mehr auf bestimmte Äußerungen reagiere, wo er/sie/es  das doch aber unbedingt MÜSSE! Was ist das denn für ein Land, indem man sich nicht mal mehr diskriminiert fühlen kann, vor allem, wenn es laut und deutlich und theoretisch absolut unmissverständlich getan wird? Es ist unbedingt notwendig, diese Kultur des Sich-diskriminiert-fühlens wieder mehr in die Gesellschaft zu integrieren!

Ich gestehe, dass mir allerdings aber noch nicht ganz klar ist, was man tun soll, wenn man einen muslimischen Mann trifft, der beispielsweise ja nur seine Religionsfreiheit wahrnimmt und seinen Traditionen folgt und daraus jetzt so etwas wie Blutrache wird. Darf ich jetzt den Mann kritisieren, weil diese muslimisch begründete Tradition Menschenleben gefährdet oder muss ich das so akzeptieren, weil es nun einmal seine Kultur ist und ich ihn aufgrunddessen nicht kritisieren darf, weil, wenn ich es täte, ich automatisch Rassistin wäre (was ich zum Glück ja eh schon bin! Das erleichtert die Sache für mich enorm!)? Und wenn eine muslimische Frau zwangsverheiratet wird, dann darf man das auch nicht kritisieren, weil ich diese Kultur sonst verunglimpfe, die Frau ja sowieso ein Opfer ist und ich diese Menschen dann aufgrund ihrer religiös begründeten Traditionen, die irgendwo auch Teil ihrer Kultur sind, diskriminieren würde, wenn ich es als negativ betrachte? Leider kann ich mir gerade selbst nicht mehr ganz folgen… Eigentlich ist diese Diskriminierung doch genau das, was ich tun soll, damit meine Gegenseite sich endlich mal wieder richtig diskriminiert fühlen kann – alle Beteiligten, außer mir. Ab wann darf ich denn eine Handlung nun kritisieren? Wenn sie von einem Menschen mit Behinderung kommt, nicht. Auch nicht, wenn es sich hierbei um einen man of color handelt. Bei einer woman of color erst recht nicht, weil die hat doppelt verschissen, die arme Wutz. Eine lesbische woman of color mit Behinderung ist bestimmt dann die Person, der man alles durchgehen lassen dürfte, ja? Also, mir gegenüber darf sie sich sowieso so ziemlich alles erlauben – solange sie mich nicht diskriminiert, weil ich eine Frau bin. Versteh ich das alles richtig? Immer schön drauf los diskriminieren. Ich kann diese Leute dann ja nicht einfach hängen lassen, indem ich nicht auf ihre Diskriminierungsversuche eingehe! Das wäre sicherlich unhöflich! Und das will ich nicht auch noch sein zu all dem oben Genannten…

Vor ner Weile sah ich einen Obdachlosen, natürlich einen Mann, weil wir wissen, dass alle Obdachlosen nur Männer sind (was sie auch nicht anders verdient haben!), der einer kleinwüchsigen Frau irgendwelche Sprüche hinterher rief. Ihr seid doch alle bestimmt viel fitter darin, Missstände und Diskriminierungen auf Anhieb fehlerfrei zu erkennen, oder? Mögt ihr mir mal sagen, ob das jetzt okay wäre oder nicht und wenn ja/nein, wieso (nicht)? Leider habe ich verlernt Diskriminierungen zu erkennen und angemessen zu handeln. Das kann man mir jedoch nicht verübeln, nach all den furchtbaren Eigenschaften, die ich alle gleichzeitig in mir vereine. Es geht darum Kategorien zu festigen und den Menschen wieder beizubringen auf persönliche Diskriminierungen und Reduzierungen auf bestimmte Kategorien durch Andere, zu reagieren und dies dann ernst zu nehmen, sowie darauf hin zu weisen, damit diese sich direkt beleidigt fühlen können. Das ist auch der Grund, weswegen solche Seminare wie meins so wichtig sind. Um den Menschen das wieder einmal klar zu machen, die Schuldfrage zu klären und was es bedeutet sich diskriminiert zu fühlen bzw. der Diskriminierende zu sein – ob man es sein will oder nicht. Diskriminierung ist keine Frage des eigenen Willens! Sehr wichtig für den Erfolg dieser Aktion ist es die indirekte Gedankenkontrolle einzuführen und, sollte es doch einmal dazu kommen, dass jemand aus Versehen ‚Behinderter‘ statt ‚Mensch mit Behinderung‘ oder ‚Studenten‘ statt ‚Studierende‘ denkt, obwohl dieser doch eine Gruppe von allen Geschlechtern zusammen meint, demjenigen sofort eine Peitsche zur Selbstkasteiung zu reichen. Es wäre auch sinnvoll diese Peitsche als eine Art Knirps-Version zu verkaufen, mit Teleskopstiel, damit man diese praktischerweise auch immer gleich zur Hand hat, wenn es mal wieder notwendig wird. Vielleicht wird es die sogar im modischen Indiana Jones™-Design geben. Ich bin zuversichtlich, dass wir auf diesem Wege die Diskiminierung…ausmerzen…können…?! Das ist doch das, was wir wollen, oder nicht?

Bild

Us and Them.

Schlagwörter

, , , ,

So, nach ca. 1000 Jahren des Sich-drückens, bin ich nun erstmal wieder am Start hier. Ich weiß, ich sage das ständig und vermutlich glaubt es mir so langsam keiner mehr, aber ich kann echt nicht erklären, wie stressig es ist, sich dauernd wieder mit bestimmten Themen auseinander zu setzen, von denen man das Gefühl hat, sie würden eh niemanden weiter bringen. Meine Woche war emotional sehr anstrengend irgendwie, weil mehrere meiner engeren Freunde und Familienmitglieder zur Zeit unglückliche Phasen durchmachen, ich kaum wirklich Zeit für mich hatte und dann noch die ersten Kacksituationen im Unileben anstanden. Letzte Woche habe ich übrigens das Rassismus-Seminar ausfallen lassen, weil ich dringend zwei Präsentationen für letzten Freitag vorbereiten musste, die mich in ein dummes Selbstzweifel-Loch stürzen ließen. Ich war Freitagabend emotional so ausgelaugt, dass ich nur zu Hause liegen wollte, während mir jemand über die Haare streichelt und sagt, dass alles gut wird.

In meiner WG fühle ich mich seit ner Weile nicht so wirklich wohl und jeder weiß, dass, wenn es zu Hause schon nicht gut ist, man immer so einen unterschwelligen Stress hat, den man mit sich rumschleppt. Dann kommt noch dazu, dass es beschissen ist, wenn man feststellen muss, dass man einfach leider eine unfassbar strunzendumme Person ist, die es nicht auf die Reihe bekommt Diskursanalysemethoden sinnvoll an Beispielen anzuwenden, während der ganze Kurs sich an Obama-Reden und How I met your mother- Dialogen analytisch abreagiert. Ist jetzt ein bisschen aus dem Zusammenhang gerissen, aber in solchen Momenten merkt man wirklich, was man alles nicht kann und wie nutzlos man für diese Welt ist.

Aber eigentlich hatte ich versprochen von meinem Essay zu erzählen. Der Prüfungsleistung, vor der ich mich zwei Monate gedrückt habe, weil ich nicht wusste, wie ich damit umgehen soll. Schreibe ich jetzt doch etwas, das meinem Dozenten in den Krams passt? Rede ihm nach dem Mund und pöbele rum, wie dumm Wissenschaft ist? Oder schreibe ich über etwas, das mir erlaubt mein Rückgrat beizubehalten und zu meiner Meinung zu stehen? Nur, wie argumentiert man bei jemandem, der der Auffassung ist, dass Wissenschaft nicht objektiv sein kann bzw. es nicht ist, Mathematik eine Ideologie ist, mit dem entsprechenden Trugschluss, dass es wissenschaftliche Universalität einfach nicht gibt? Tja. Diese Frage stellte ich mir immer und immer wieder. Selbst wenn ich versucht hätte genau das zu schreiben, was mein Dozent hören will, hätte ich gar nicht gewusst, was. Aber allein bei dem Gedanken, mich zu verbiegen und mich selbst zu verraten, hat sich in mir alles zusammen gezogen und meine Muskeln blockiert.  Ich habe ihm also, nach sehr langem Überlegen, einen sehr persönlichen und intimen Aufsatz abgeben. Habe das Thema nicht mit ihm abgesprochen, sondern einfach drauf los geschrieben. Über meine eigenen Erfahrungen mit Hormonen. Der Titel des Essays war ‚Die Macht der Hormone‘. Da mein Dozent ja der festen Überzeugung ist, dass es sich bei Testosteron und Östrogen AUSSCHLIESSLICH um Wachstumshormone handelt (‚es wird langsam mal Zeit, dass die Wissenschaftler begreifen, dass es sich hierbei um nichts anderes als Wachstumshormone handelt. Das ist doch ein völlig logischer Zusammenhang!‘), die u.a. (!) mit dem Wachstum von völlig unbedeutenden Organen wie Hoden, Eierstöcke etc. zusammen hängen, habe ich mir überlegt, meine persönliche Leidensgeschichte dazu zu verschriftlichen.

Ich konnte mir einen gewissen Zynismus nicht verkneifen, weil ich auch teilweise wirklich nicht wusste, wie ich bestimmte Aussagen begründen sollte, wenn diese Begründungen für meinen Gegenüber keinerlei Gewicht haben. Hier mal ein kleiner Auszug: ‚In meinem Körper wurde mit 15 Jahren festgestellt, dass er zwar richtigerweise sowohl Östrogen als auch Testosteron produzierte, wie es bei jedem Menschen grundsätzlich üblich ist, unabhängig davon, wie sich sein Geschlecht definiert, jedoch kam bei mir eine gewisse Problematik hinzu, die sich erst in einem Blutbild klären lassen konnte. Sicherlich kann man jetzt argumentieren, dass dieses Blutbild überhaupt nicht verlässlich ist, da es sich hierbei ja um eine wissenschaftlich fundierte Methode der Analyse handelt, die für manch einen keinerlei Bedeutung erfährt, aufgrund des Anspruchs der Analyse auf wissenschaftliche Universalität, begründet in möglichst objektiver Wissenschaftlichkeit. Für mich allerdings ist diese Analyse zu berücksichtigen, da in meiner Wahrnehmung die wissenschaftliche Universalität existiert‘ oder

[‚Eigentlich hatte ich gedacht, dass meine hormonelle Störung – denn für mich ist es aus medizinischer Sicht eine Störung, und ich empfinde bei dem Begriff keinerlei Diskriminierung, dass ich im Gegensatz zu anderen womöglich gestört bin, denn ich spürte ja, dass etwas in mir nicht stimmte und negative Auswirkungen hatte – nach so langer Zeit nicht mehr so ausgeprägt war, weil mein Körper sich verändert hatte und sich alles von selbst geregelt hätte.‘ oder

‚Ich habe am eigenen Leib gespürt, welche Funktionen sie noch alles besitzen und war heilfroh, als ich nach dem sechswöchigen Experiment meine Therapie fortsetzen durfte und mein Leben sich wieder normalisierte. Normalisieren benutze ich hier, weil, auch, wenn mein Leben per se keiner besonderen ‚Norm‘ innerhalb der Gesellschaft folgt, ich dennoch einen individuellen Alltag habe, der für mich Normalität symbolisiert. Meine Erkrankung hat keinen Bezug zu irgendwelchen gesellschaftlichen Bedingungen, es sind Ereignisse, die geschehen sind, ohne, dass ich oder jemand Anderer irgendeine Form von Einfluss darauf gehabt hätten.‘ oder

‚Jeder, der behauptet, dass diese Probleme nur auf einer Prägung durch bestimmte Schulfächer beruhen, und somit nur meiner subjektiven Wahrnehmung, von der ich nur glaube, dass sie subjektiv ist, entsprechen, weiß nicht, wovon er spricht. Objektiv wissenschaftlich betrachtet gibt es bei mir eine hormonelle Störung und gerade, weil man diese Störung objektiv wissenschaftlich betrachten kann, gibt es auch die Möglichkeit mir helfen zu können. Es ist nötig eine Störung in einem gewissen Rahmen als Störung benennen zu dürfen.‘ ]

In der Mail, in der ich meinem Dozenten den Essay anhängte, schrieb ich, dass er über bestimmte Äußerungen sicherlich wütend werden wird, ich aber nichts dagegen tun kann, weil es nun mal meine Ansichten gegen seine sind. Dass wir doch grundsätzlich auf der selben Seite stünden, nur seine Wege nicht meine sind. Dass ich mich nicht dafür rechtfertigen möchte, dass ich als heterosexuelle, weiße Frau auf die Welt gekommen bin, zufällig Akademikerin werden durfte und trotz allem nichts für all diese Privilegien kann. Genauso wenig wie er etwas für die Fakten kann, dass er als schwuler Pole auf diese Welt kam – und dem aufgrunddessen sicherlich sehr viel Leid geschehen ist, einfach, weil viele Menschen noch immer nicht in der heutigen Zeit angekommen sind (und deren Ansichten leider auch immer noch durch Medien und diverse angebliche Normen begünstigt und verfestigt werden – daher stimme in den Punkten absolut zu, dass sich etwas ändern muss. Aber eher nicht auf diese totalitäre Art und Weise, die letztendlich auch wieder ausgrenzt und neue Kategorien schafft und beibehält.).

Darum hat niemand das Recht, meine Entscheidungen, mit einem Mann zusammen zu sein (was nicht mal eine ENTSCHEIDUNG per se war), vielleicht mal zu heiraten oder auch nicht und eventuell Kinder in die Welt setzen zu wollen, zu verurteilen oder mich in eine Ecke zu drücken, in die ich ihrer Meinung nach hingehöre. Menschen sind für mich Menschen und es ist mir ziemlich egal, wie deren Lebensentwürfe aussehen, solange dadurch niemand Leid davon trägt. Ich teile niemanden nach Geschlecht oder Hautfarbe ein und selbst, wenn ich mir meinen Teil in bestimmten Situationen denke, würde es mir im Traum nicht einfallen die Menschen nur auf eine dieser Katgorien zu reduzieren ohne ihnen die Chance zu geben sich als Mensch präsentieren zu dürfen. All diese Übungen in meinem Kurs, in denen man überlegen sollte, wann man sich zuletzt darüber bewusst geworden ist, welches Geschlecht man hat, dienen doch letztendlich nur dazu, dass man sich permanent darüber Gedanken macht, ob man jetzt gerade auf irgendeine Kategorie reduziert wurde und dass man sich nun konsequenterweise darüber beschweren soll. Obwohl man sich persönlich vielleicht gar nicht daran stören würde – man wurde eben durch z.B. Gender Training darauf ’sensibiliert‘ (wie es dort genannt wird) und gepolt auf solche Faux-Pas zu achten und zu reagieren.

Ich möchte auf diese Weise keinen Freibrief für generelle Diskriminierung erteilen, aber ich halte es für sehr ungesund, wenn man grundsätzlich erstmal davon ausgeht, dass man von seinem Gegenüber auf eine bestimmte Kategorie reduziert wird. Bricht man so Kategorien auf? Man macht sich dadurch doch erst recht zum Opfer, indem man genau auf derselben Ebene argumentiert wie der Gegenüber. Vielleicht habe ich es schon einmal gesagt, aber Menschen sind nicht scheiße wegen ihrer Hautfarbe oder weil sie einen Penis haben: Sie sind in erster Linie scheiße, weil ihr Verhalten als Mensch gegenüber anderen scheiße ist. Sich hinter irgendwelchen Kategorien zu verstecken und sich somit eine Absolution zu holen sich alles erlauben zu können…wo soll das hinführen? Geht es irgendwann nur noch ‚uh, der hat noch 2 Diskriminierungsmerkmale mehr als ich…die arme Sau‘ – während derjenige sich vielleicht nicht mal darüber im Klaren ist? Diskriminierungs-Quartett. Das wäre doch mal ne gute Idee. Wiegt dann die Kategorie Hautfarbe schwerer oder weniger schwer als Geschlecht? Und was ist mit Behinderungen? Ist es wirklich der richtige Weg diese Diskriminierungshierarchie-Pyramide, von der ich hörte, dass es sie tatsächlich gibt, als Standardangstverhalten in der Gesellschaft zu etablieren? So, wie meine eine Dozentin es gerne hätte: Wenn Sie schon nicht mehr wissen, was Sie überhaupt noch sagen dürfen, sind Sie auf dem richtigen Weg! ?

Neben meinem Rassismus-Seminar besuche ich noch ein weiteres über Tabuisierungen in der Sprache. Dort wurde ich mit einem Modell konfrontiert, das genau das bestätigte, was ich bereits in einem meiner Beiträge formulierte: Die Worte, die man nun als Ersatz für bestimmte Zustände oder Wörter neu besetzt, werden im Laufe der Zeit wieder mit problematischen Referenzen verbunden werden, die es erforderlich machen WIEDER neue Wörter zu schaffen und die alten damit zu ersetzen. Oft nutzen Menschen, die mittlerweile vor allem Angst haben bezüglich ihrer Sprache, einfach nur Euphemismen für Situationen und Gegebenheiten, die der Betroffene viel konkreter ausspricht. So las ich mal von einer sehr kräftigen und tollen Bloggerin, dass sie in einem Interview sagte (sinngemäß) ‚Ich bin dick. Nicht mollig. Wieso sollte ich das nicht so nennen? Warum muss ich etwas künstlich beschönigen, das von der Gesellschaft nun mal nicht als solches gesehen wird?‘. Und ich finde, sie hat recht damit. Ich habe bereits auch schon Menschen mit Behinderung getroffen, die sich selbst als ‚Behinderter‘ beschreiben und keinen Wert auf political correctness in diesem Zusammenhang legen. Das Wichtigste ist doch, dass ihnen das Leben nicht noch weiter behindert wird, indem es keine barrierefreien Straßenbahnhaltestellen gibt – dann stellt sich die Frage, was korrekt wäre, gar nicht mehr. Weil sie völlig problemlos durch das Leben kämen und ihre Behinderung in den Hintergrund tritt. Abgesehen davon ist niemand von uns vor einer Behinderung geschützt. Es kann jeden, jederzeit treffen. Temporär oder lebenslang. Diese Art der Beschönigung von unschönen Fakten zeigt in meinen Augen oft nur die eigene Abneigung und Verunsicherung im Umgang mit ihnen.

Wisst ihr, was ich auch neulich wieder überlegt habe? Wenn ich einen Menschen im Rollstuhl treffe, wie soll ich mich verhalten? Soll ich ihn anschauen, so wie ich Menschen eben anschaue, wenn sie mir entgegen kommen? Einfach als Registrierung, dass man sich z.B. nicht gegenseitig über den Haufen läuft? Oder soll ich sie einfach nicht weiter beachten? Wenn ich das tue, habe ich das Gefühl, derjenige denkt vielleicht, dass ich nicht registriert habe, in was für einer ‚Lage‘ er sich befindet und es mir egal ist bzw. ich für Menschen wie ihn nichts übrig habe – weil ich sie ja nicht anschaue. Wenn ich sie hingegen ansehe und vielleicht sogar anlächle, dann fühlt es sich gleichzeitig wieder so an, als würde derjenige denken ‚ach komm, du guckst doch nur rüber, weil ich im Rollstuhl sitze. Haste etwa noch nie jemandem im Rollstuhl gesehen? Wieso lächelst du mich noch an? Glaubst du, ich brauche dein Mitleid?‘. Ich finde solche Momente absolut schrecklich und unangenehm. Natürlich könnte ich zu demjenigen hingehen und nachfragen – aber ziemlich sicher verkompliziere ich dann etwas, was meinem Gegenüber überhaupt nicht in den Sinn gekommen wäre, hätte ich ihn nicht darauf aufmerksam gemacht. Ist es wirklich das, was meine Dozentin möchte?

Übrigens: Diskriminiert man nicht jedes Mal einen Menschen, wenn man ihm einen Korb gibt? Immerhin gibt es ja Gründe, weswegen man diese Abweisung erteilt. Man kann dadurch jemanden sogar in psychische Krisen stürzen. Und trotzdem tut man es immer wieder – weil es natürlich unehrlich wäre sich auf tausend Menschen gleichzeitig einzulassen, bloß aus Mitleid oder aus anderen fadenscheinigen Gründen. Aber wie kann man das trotzdem mit sich klar bekommen? Ich fühle mich oft dabei unwohl, weiß aber gleichzeitig, dass es die beste und unausweichliche Lösung ist. Wie seht ihr das?

Mein Dozent hatte meinen Essay noch nicht gelesen, als er mir zurück geschrieben hatte und meinte, ich solle doch vielleicht meine Meinung und Ansichten in einer Mail an den Kurs formulieren, weil er es schwer beurteilen kann, wie die Stimmung im Kurs gewesen ist, wenn er nur sich und mich als Akteure berücksichtigt. Es täte ihm aber sehr leid, dass ich mich so unwohl gefühlt habe im Kurs, er werde sich in Zukunft mehr Mühe geben auf diejenigen zu achten, die im Kurs eher ‚abwesend‘ sind. Ich traue mich nun seit ca. 2 Wochen meine Mails nicht mehr anzuschauen, weil ich irgendwie Schiss vor seiner Reaktion habe. Letztendlich wird sicherlich gar nichts passieren, aber ich kann diese etwaige Eskalation nicht ertragen. Diese Konfrontation. Und eventuell im Notfall nicht die richtigen Argumente parat zu haben, etwas verspielt zu haben und am Ende doch bei den Falschen gelandet zu sein. Er ist ja schließlich definitiv bei den Guten…

Meine Freunde, die meinen Essay gelesen haben, waren fast alle erstaunt über so viel Mut, den ich aufgebracht habe meinem Dozenten über meine intimsten Erfahrungen zu berichten. Aber ich habe ihn mit großen Bauchschmerzen abgeschickt. Eine Mail an meinen Kurs werde ich niemals schicken. Es würde früher oder später bekannt werden, von wem sie kam, selbst, wenn sie anonym verschickt würde. Und ich hab einige dieser Leute erlebt in ihrer Wut. Da mache ich mich lieber nichr zur Zielscheibe auf dem Campus…Angst. Mal wieder.

Verzeiht diesen überaus ausufernden Beitrag, aber irgendwie bin ich seit den letzten Monaten sehr viel dünnhäutiger als jemals zuvor und nehme mir Äußerungen noch mehr zu Herzen…und belaste mich zusätzlich mit den Belastungen anderer. Was ich gerne mache, aber es greift meine Substanzen doch mehr an als ich dachte.

….And after all we’re only ordinary men.